Das Zahlungsverhalten der Kunden, das zu den wichtigsten Faktoren für die Liquiditäts- und Finanzsituation kleiner und mittlerer Unternehmen zählt, hat sich im Herbst 2012 verbessert. Bis zur Begleichung einer Rechnung lassen die Unternehmen nach einer Umfrage der Creditreform weniger Zeit vergehen als vor Jahresfrist. Experten erwarten jedoch, dass dies nicht so bleibt.

Im vergangenen halben Jahr e rhielten mehr Lieferanten und Kreditgeber ihr Geld inne rhalb der üblichen Zahlungsfristen. 79 Prozent der Befragten Unternehmen e rhielten ihr Geld spätestens nach 30 Tagen. Im Vorjahr gaben dies 78 Prozent der Betriebe an.
Mehr als jedes zweite der rund 4.000 von Creditreform befragten Unternehmen bewertet das Zahlungsve rhalten der Kunden mit den Noten „gut“ oder „sehr gut“. Dies sind etwas weniger als vor einem Jahr.
Zwar lassen sich laut der E rhebung öffentliche Auftraggeber immer noch mehr Zeit mit dem Bezahlen. Doch auch öffentliche Auftraggeber zahlen inzwischen etwas pünktlicher. Es e rhalten mittlerweile mehr Betriebe die vereinbarte Rechnungssumme bei Lieferungen an die öffentliche Hand inne rhalb von 30 Tagen.
Die EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug (2011/7/EU), die beinhaltet, dass die Lieferung von Gütern und die Erbringung von Dienstleistungen an öffentliche Kunden zukünftig inne rhalb von 30 Tagen und nur in Ausnahmefällen innerhalb von 60 Tagen zu bezahlen sind, scheint nach Ansicht der Creditreform somit erste Früchte zu tragen.
Bauunternehmen muss am längsten warten
Bis zur Begleichung einer Rechnung lassen auch die Unternehmen weniger Zeit vergehen als vor Jahresfrist. Im Durchschnitt bezahlen die Betriebe ihre überfälligen Rechnungen mit einem Zahlungsverzug von 12,3 Tagen. Ein Jahr zuvor waren es noch 12,7 Tage. "Diese Entwicklung deutet auf eine relativ stabile Finanzlage der Unternehmen hin", heißt es in der E rhebung.
Die bei weitem schlechteste Zahlungsmoral liege im Baugewerbe vor: Gläubiger müssen sich im Schnitt 13,2 Tage gedulden, bis eine überfällige Rechnung beglichen wird.
Der Umfang und die Höhe der Forderungsausfälle haben binnen Jahresfrist aber angezogen. Mussten im Herbst 2011 noch neun Prozent der Unternehmen nennenswerte Forderungsverluste in Höhe von mehr als einem Prozent ihres Jahresumsatzes hinnehmen, sind es in diesem Herbst 9,2 Prozent. Zur gleichen Zeit ging der Anteil der Betriebe zurück, die in den letzten Monaten von uneinbringlichen Außenständen verschont geblieben sind (19,8 Prozent; Vorjahr: 20,4 Prozent).
Creditreform weist jedoch darauf hin, dass dieser positive Trend in den nächsten Monaten an Dynamik verlieren dürfte. Die merklich schwächeren Wachstumsaussichten für Deutschland sowie die schwelende Schuldenkrise werden sich auf das Zahlungsve rhalten negativ auswirken. rh