Friseure zählen zu den Gewerken, die besonders häufig ihre Azubis vorzeitig verlieren. Jedes Jahr werden etwa 20 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst. Robert Fuhs ist Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks und sieht das Problem von zwei Seiten.
"Viele Azubis sind der Situation des Arbeitsalltags nicht gewachsen und können sich nicht in die Ordnung im Betrieb einfügen. Aber es gibt auch Betriebe in unserer Branche, die die Lehrlinge permanent ausnutzen." Hintergrund sei die Vielzahl an prekären Existenzen im Friseurhandwerk. Von den rund 70.000 Betrieben in Deutschland liegen rund 22.000 unter einem Jahresumsatz von 17.500 Euro. Viele dieser Betriebe seien aus der Not heraus gegründet, weil häufig Gesellen gleich nach der Ausbildung den Meister anschließen und dann feststellen müssen, dass sie als Meister keine Anstellung finden.
"Diese Leute haben überhaupt keine Erfahrung in der Ausbildung", bemängelt Fuhs, der die Elemente zur Ausbildung in der Meisterprüfung für nicht ausreichend hält. Ein Ziel der Branche sei deswegen, Ausbilder umfangreicher zu schulen, beispielsweise mit Fortbildungen wie "Geprüfte(r) Ausbilder/in im Friseurhandwerk", die jüngst in Düsseldorf abgelegt wurde. Bei Problemen empfiehlt Fuhs, Seniorberater einzuschalten: "Wenn wir jetzt nichts machen, müssen wir in vier bis fünf Jahren jedem Mitarbeiter hinterherlaufen", fürchtet der Friseurmeister. bst