Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hält die Höhe der Zinsen für Dispo-Kredite für nicht gerechtfertigt. Banken und Sparkassen sollten angesichts ihrer günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten ihre Zinsvorteile an die Kunden weitergeben.
Karin Birk

Die Banken müssen für "faire Konditionen und volle Transparenz sorgen", sagte Aigner in einer ersten Reaktion auf eine vom Verbraucherministerium beim Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und beim Institut für Finanzdienstleistungen in Auftrag gegebenen Studie zu Dispozinsen. Es sei nicht vermittelbar, dass sich Kreditinstitute einerseits zu historisch niedrigen Zinsen Geld beschafften und andererseits beim Überziehen von Girokonten zum Teil überhöhte Dispozinsen verlangten.
Wie die Verfasser der Studie hält die Ministerin allerdings nichts von einer gesetzlichen Begrenzung von Dispozinsen, wie sie nach wie vor vom Verbraucherzentrale Bundesverband gefordert wird. Aigner will stattdessen auf bessere Informationen, mehr Transparenz und Wettbewerb setzen. Schon im Herbst soll es dazu ein Spitzengespräch mit der Kreditwirtschaft geben.
Wettbewerb sorgt für marktgerechte Konditionen
In einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßen die Spitzenverbände der Deutschen Kreditwirtschaft Aigners Ansinnen, keine einheitliche Zinsobergrenze einzuführen. Gleichzeitig begründen die Finanzinstitute die höheren Zinsen für Dispokredite mit einer "hohen Flexibilität" gegenüber anderen Kreditarten. Auch führe der intensive Wettbewerb unter Banken und Sparkassen zu "marktgerechten Zinskonditionen", rechtfertigten sie ihre Zinspolitik.
Wie es im Verbraucherschutzministerium heißt, liegen die Dispozinsen derzeit im Durchschnitt bei elf bis zwölf Prozent. Bei manchen Banken liegen sie mit rund sechs Prozent deutlich darunter, bei anderen mit rund 14,75 Prozent deutlich darüber. Gleichzeitig sei der Leitzins, ein Referenzwert für die Refinanzierung, auf das historisch niedrige Niveau von 0,75 Prozent gefallen. Dieser zunehmenden Marge stehen auch nach Ansicht der Verfasser der Studie keine entsprechenden Preissteigerungen etwa für höhere Kreditausfälle gegenüber.
Kreditwirtschaft verteidigt sich
Dies lege nahe, dass "die Erträge aus dem Dispositionskreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen", resümieren die Verfasser ihre Ergebnisse. Die zunehmenden Erträge würden entweder dafür genutzt, andere Leistungen – wie etwa die Kontoführungsgebühren – zu subventionieren oder die Gewinne der Kreditinstitute zu erhöhen.
Die Spitzenverbände der Kreditwirtschaft wollen dies so nicht stehen lassen. Die Tatsache, dass es bei Dispokrediten relativ wenige Ausfälle gebe, könne möglicherweise auch damit zusammenhängen, dass Bankkunden mit hohen Dispokreditbeständen eine Umwandlung in Ratenkredite empfohlen werde. Sollte es dann dennoch zu Ausfällen kommen, würde dies den Ausfällen bei Ratenkrediten zugerechnet werden, heißt es.