Der Wettbewerb um Nachwuchskräfte macht sich bemerkbar. Viele Handwerksbetriebe schließen ihre Verträge mit den künftigen Lehrlingen früher ab als bisher. Gleichzeitig nimmt die Zahl der freien Stellen zu. "Die Handwerksbetriebe kämpfen um jeden Lehrling", beschreibt Handwerkspräsident Otto Kentzler die aktuelle Lage am Ausbildungsmarkt.
Insgesamt seien zum Stichtag 30. Juni schon 61.351 neue Ausbildungsverträge in die Handwerksrolle eingetragen worden, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Ein Plus von sechs Prozent. Damit seien schon 35 Prozent der für dieses Jahr erwarteten Gesamtzahl erreicht worden. Im Vorjahr seien es nur knapp 30 Prozent gewesen. Dabei habe die Zahl der bereits abgeschlossenen Verträge in Westdeutschland auch wegen des frühen Ferientermins in bevölkerungsstarken Bundesländern um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. In Ostdeutschland sei die Zahl dagegen nahezu stabil geblieben.
Gleichzeitig hat auch die Zahl der freien Ausbildungsplätze zugenommen. Allein bei den Online-Börsen der Handwerkskammern würden derzeit rund 25.000 Lehrstellen angeboten, heißt es beim ZDH. "Alle Jugendliche haben weiterhin die Chance auf einen Ausbildungsberuf in ihrem Wunschberuf", sagte Kentzler. Quer über alle Berufszweige gibt es laut Handwerksverband noch Lehrstellen. Dies gelte auch für die Berufe, die im Zuge der Energiewende verstärkt gebraucht werden, wie etwa der Anlagenbauer Sanitär, Heizung Klima oder der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik.
Viele Kammern versuchten auch, mit besonderen Aktionen wie mehrsprachigen Ausbildungsbörsen oder Speed-Dating für eine Ausbildung im Handwerk zu werben. Auch ältere Jugendliche ohne Berufsabschluss hätten Chancen, wie eine entsprechende Aktion in Thüringen zeige. bir