Versicherungen Was Versicherte über die neuen Unisex-Tarife wissen müssen

Ab dem kommenden Jahr gelten für alle Versicherungen so genannte Unisex-Tarife. Versicherer müssen für Männer und Frauen also gleiche Bedingungen garantieren. Bereits heute stellt sich an vielen Punkten die Frage, wie man reagieren muss. Nachfolgend Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ab kommenden Jahr müssen Versicherer für ihre Produkte Unisex-Tarife bereitstellen. - © Tonis Pan/Fotolia.com

Welche Versicherungen sind eigentlich betroffen?

Bei Risikolebens- und Kapitallebensversicherungen sind Frauen bisher deutlich bevorzugt: Sie leben länger und zahlen deshalb deutlich weniger für den Todesfallschutz als Männer. Die werden durch die neuen Unisex-Tarife wahrscheinlich günstiger an eine Risikolebensversicherung kommen, Frauen müssen ab 2013 eher mehr zahlen. In der Kfz-Versicherung waren Frauen bisher bevorzugt, weil sie als sicherere Fahrer gelten. Dieser Vorteil dürfte ab 2013 wegfallen. Männer haben dagegen vor allem bei der Berufsunfähigkeitsversicherung von günstigeren Beiträgen profitiert, weil sie statistisch gesehen seltener berufsunfähig werden als Frauen. Und auch bei der privaten Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung waren Männer bisher im Vorteil, weil sich die geringere Lebenserwartung hier positiv auf die Prämie auswirkt.

Kann ich heute schon Unisex-Tarife abschließen?

Die Versicherer beschäftigen sich natürlich intensiv mit dem Thema und wollen die Unisex-Diskussion auch offensiv für den Vertrieb nutzen. Beispiel Allianz: Hier gibt es Übergangstarife. Wenn bei einem Geschlecht die Umstellung zu höheren Prämien führt, gibt es bis 21. Dezember noch die geschlechterspezifisch kalkulierten Beiträge. Sind die neuen Unisex-Tarife günstiger, können sie jetzt schon abgeschlossen werden. Die Alte Leipziger und die Gothaer sowie HDI Gerling bieten bei vielen Policen eine sogenannte Umtauschgarantie: Erhöht sich durch die Umstellung der Beitrag, können die heute abgeschlossenen Policen in die günstigere Variante umgetauscht werden. Andere Versicherer wie etwa die VPV setzen in einzelnen Sparten bereits ab Sommer auf die neuen Unisex-Tarife. Grundsätzlich gilt aber: Ein Abschluss in einem der neuen Tarife ist derzeit kaum sinnvoll, weil es kaum Vergleichsanbieter gibt. Ohne Vergleich ist aber unklar, wie gut die neuen Tarife tatsächlich sind. Denn nur dann lässt sich überhaupt beurteilen, ob ein Umtausch ein gutes Geschäft ist.

Welche Risiken schnell absichern?

Grundsätzlich gilt aber auch: Wer bisher wichtige Policen wie die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht abgeschlossen hat, sollte damit nicht bis 2013 warten, um dann möglicherweise in den Genuss eines günstigeren Tarifes zu kommen. Denn wer bis dahin krank wird, bekommt vielleicht gar keinen Vertrag oder muss mit höheren Risikozuschlägen rechnen, die den möglichen Unisex-Vorteil auffressen. Wer bereits abgesichert ist und wichtige Policen wie die Berufsunfähigkeits- oder die Risikolebensversicherung abgeschlossen hat, kann die neuen Tarife auf jeden Fall zu einem Vergleich nutzen: Möglicherweise gibt es den gleichen Schutz in Zukunft für weniger Geld – dann kann eine Kündigung der bisherigen Versicherung und ein Neuabschluss oder aber eine Umstellung des Vertrages sinnvoll sein. dapd