Unter den dualen Ausbildungen werden im Handwerk die meisten Ausbildungsverträge aufgelöst: Fast ein Viertel der geschlossenen Lehrverträge kündigen Betrieb oder Azubi in den ersten zwei Jahren auf. Der heute veröffentliche Bildungsbericht zeigt weitere Tendenzen in der dualen Ausbildung auf.

Die Kultusministerkonferenz, das Bundesbildungsministeriums und das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung haben heute den Bericht "Bildung in Deutschland 2012“ vorgestellt. Das zentrale Ergebnis für Handwerker: Der Kampf um gute Auszubildende wird härter.
Nach zwölf Monaten lösen bereits 15 Prozent der Handwerker oder ihre Lehrlinge das Ausbildungsverhältnis wieder auf. Gleichzeitig geben Handwerker besonders vielen Hauptschülern eine Chance. Mehr als die Hälfte der Ausbildungsverträge haben Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss abgeschlossen. Diese Daten legen die Vermutung nahe, dass die fehlende Ausbildungsreife eines Lehrlings schlecht von kleinen Betrieben ausgeglichen werden kann.
Nachwuchskräfte fehlen vor allem im Ernährungshandwerk. Insbesondere gibt es große regionale Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage bei Ausbildungsplätzen.
Bis 2007 konnten Ausbilder im dualen System auf steigende Bewerberzahlen blicken. Für die nächsten Jahrzehnte erwarten die Studienautoren jedoch einen Rückgang der Schulabsolventen mit Mittlerem Abschluss. Die Studienanfängerquote liegt heute schon bei über 50 Prozent eines Jahrgangs.
In der Zukunft können berufliche und akademische Ausbildungen näher zusammenrücken. Ein Trend sind betriebliche Fachausbildungen in Kombination mit Studiengängen.
Jeder zweite Hauptschüler hat keine Lehrstelle
Eine Hoffnung, dass durch die geringere Zahl der Ausbildungsbewerber, die Chancen für Jugendliche mit Hauptschulabschluss oder ohne einen Schulabschluss erhöhen, hat sich bisher nicht erfüllt: Drei Viertel der Jugendlichen ohne Schulabschluss finden keinen Ausbildungsplatz. Aber der Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss sinkt.
"Es gibt weniger junge Menschen ohne schulischen oder beruflichen Abschluss. Und wir geben mehr für Bildung aus als jemals zuvor", kommentierte Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium. Allerdings beginnt auch nur jeder zweite mit Hauptschulabschluss direkt eine Ausbildung. Lesen Sie, wo Potenziale liegen, um zusätzliche Auszubildende zu finden.
Vor allem Jugendliche mit ausländischen Wurzeln beginnen seltener eine Ausbildung als der Durchschnitt. "Im Bildungsbereich werden seit Jahren mit erkennbarem Erfolg große Anstrengungen unternommen, um die Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu beheben", macht Ties Rabe, Präsident der Kultusministerkonferenz, Hoffnung. Für Betriebe wird diese Gruppe wichtiger, denn ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt: Unter den 24-Jährigen sind es 23 Prozent, bei den Kleinkindern bereits 35 Prozent.
Unterdurchschnittlicher Lohn im Handwerk
Das Einstiegsgehalt für Ausbildungsabsolventen zwischen den Berufsgruppen schwankt stark. Es lässt sich jedoch festhalten, dass Handwerker eher unterdurchschnittlich verdienen: Industrielle Facharbeiter dagegen eher überdurchschnittlich. Gerade Kfz-Instandsetzer, Maler und Tischler finden überdurchschnittlich oft keine ausbildungsentsprechende Tätigkeit.
Jugendliche bei Ausbildungsbeginn schon 19 Jahre
Im Durchschnitt sind die Jugendlichen, die im Handwerk eine Ausbildung beginnen 19 Jahre alt. Das liegt auch daran, dass Hauptschüler besonders lange brauchen, um einen Abschluss zu schaffen, beziehungsweise eine Ausbildung zu beginnen. Übrigens Männer sind statistische gesehen bei Ausbildungsbeginn jünger als Frauen. Die Statistik zeigt auch, dass bis zum 30. Lebensjahr ein Ausbildungsbeginn praktisch möglich ist – Betriebe also auch älteren Bewerbern eine Chance geben. Der aktuelle Bildungsbericht steht hier zum Download.