Aufträge für Betriebe Wie Handwerker vom Contracting profitieren

Strom, Gas und Wärme: Kommunen und Gemeinden entscheiden sich immer öfter dafür, ihre Anlagen zu modernisieren. Für die öffentlichen Haushalte ist die Finanzierung aber meist allein nicht zu stemmen. Für viele ist das Contracting daher eine Lösung, um eine Modernisierung oder einen Neubau zu finanzieren. Auch Handwerksunternehmen können von diesem Modell profitieren.

Heidi Roider

Kommunen und Gemeinden steigen immer öfter auf Erneuerbare um. Das Handwerk vor Ort profitiert davon. - © Ingo Bartussek - Fotolia

Hinter den Begriff Contracting steckt eine Art Dienstleistung: Bei der Finanzierung über ein Contractingmodell wird in der Regel ein Unternehmen, ein Contractor, mit ins Boot geholt, der die Anlage entweder finanziert, modernisiert oder wartet – je nach Vertrag. "Genutzt wird das vor allem im gewerblichen und öffentlichen Sektor", weiß Udo Wirges vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). "Da dort meist die Mittel fehlen." Die Laufzeiten solcher Verträge variieren meistens zwischen zehn und 15 Jahren.

Der Alb-Donau-Kreis hat sich beispielweise für so ein Finanzierungsmodell entschieden, um das Berufsschulzentrum Ehingen energetisch zu sanieren. Den größten Teil der Investition von 1,7 Millionen Euro hat der Contractor übernommen, in diesem Fall war das die Siemens AG. Der Alb-Donau-Kreis beteiligte sich an den Kosten mit einem Zuschuss von 462.000 Euro.

Einsparung von bis zu 70 Prozent

Der Konzern war somit der Bauverantwortliche und betreibt die Anlage nun auch. Die Finanzierung läuft über einen Wärmepreis. So konnte der Alb-Donau-Kreis die Anlage finanzieren und spart sich durch die Modernisierung geschätzte 70 Prozent Energiekosten – etwa 119.000 Euro jährlich. Die Finanzierung verlagert sich dadurch auf einen Wärmepreis.

In der Heizzentrale des Berufsschulzentrums wurde ein neuer Holzhackschnitzelkessel inklusive eines Pufferspeichers und eines Niedrigtemperaturkessels eingebaut. Drei Schulgebäude wurden über eine neue Nahwärmeleitung miteinander verbunden. Außerdem wurden Solaranlagen mit Speichern installiert und etwa 800 Leuchten ausgetauscht.

Auch die örtlichen Handwerker haben davon profitiert. Johannes Müller, Fachdienstleister Finanzen, Schulen, Liegenschaften des Alb-Donau-Kreises: "Wir haben schon darauf geachtet, dass örtliche Handwerker für den Einbau der Anlagen beauftragt wurden."

Was ist Contracting?

  1. Ein Energielieferant übernimmt z.B. die Versorgung eines Gebäudes oder mehrere Gebäude mit der benötigten Energie. Der Auftrag kann die Lieferung von Kälte, Wärme, Strom oder etwa Druckluft sein.
  2. Der Auftraggeber ist der Contractingnehmer und in der Regel der Eigentümer der jeweiligen Liegenschaft.
  3. Der Contractor ist das ausführende Unternehmen. Je nach Vertrag bestehen die Aufgaben des Unternehmens in der Beratung, Finanzierung, Planung oder den Betrieb. Die Finanzierung kann zum Beispiel über einen festgelegten Wärmepreis erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit: die Stadtwerke und die Kunden sind die Vertragspartner. Auch in diesem Fall könnte die Stadt die Anlage selbst modernisieren. Aber hier hat sich ebenfalls das Modell durchgesetzt, die örtlichen Handwerker zu beauftragen. Experten hatten Sorge, dass der Contractor die Installation und Wartung der Anlagen von seinen Leuten machen lässt, das örtliche Handwerk auch gar nicht mehr braucht oder nur bestimmte Arbeiten an Handwerksunternehmen rausgibt.

Zum Beispiel seien Stadtwerke auf die Hersteller von Kesseln herangegangen, um einen günstigeren Preis auszuhandeln, so Wirges. "Der Handwerker hat aber eine Mischkalkulation, fällt hier eine Komponente weg, fehlt auf einmal ein Teil seiner Verdienstspanne." Diese Fehlentwicklung konnte jedoch beseitigt werden. Wirges: "Energiedienstleistungen müssen immer auf der Basis eines fairen Miteinanders von Contracting-Anbietern und Handwerk unter Wahrung der unternehmerischen Freiheiten entwickelt und angeboten werden."

Für den Handwerker hat das Contracting-Modell mehrere Vorteile: Das Handwerk klinkt sich quasi nur in den Vertrag ein. "In der Regel ist es so, dass die Innungen die Rahmenbedingungen verhandeln", erklärt Wirges, Leiter Energie und Klimaschutz beim ZVSHK. Die Ausschreibungen für die Handwerkerleistungen laufen dann wie gewohnt. Der Handwerker stellt somit nach Abschluss seiner Leistungen ganz normal seine Rechnung, da die Finanzierung über den Contractor läuft.

Es gäbe zwar auch die Möglichkeit, dass der Handwerksbetrieb als Contractor fungiert. Hier sieht Wirges jedoch den großen Nachteil, dass dann der jeweilige Betrieb die Finanzierung über Jahre vorstrecken müsse. Für viele Betriebe wird das aber schlichtweg nicht finanzierbar sein.

Contracting-Modelle

Energieliefer-Contracting: laut dem Verband für Wärmelieferung die meistgenutzte Vertragsform. Der Contractor plant und finanziert die Energieerzeugungsanlage oder/und trägt für die Dauer des Vertrages die Anlagenverantwortung.

Performance-Contracting: Hauptziel ist es, die Anlagen zu optimieren .

Betriebsführungs-Contracting: Vertrag z.B. über die Wartung, hier wird die Finanzierung der Anlage ausgeklammert.

Das Thema Contracting sei aber nicht nur für das SHK-Handwerk interessant. Es gibt auch Contracting beispielsweise für Druckluftanlagen, Beleuchtungsanlagen oder Kälteanlagen.

Weitere Beispiele für ein gelungenes Contracting finden Interessierte auf der Internetseite kompetenzzentrum-contracting.de, einem Internet-Angebot der dena. Auf dieser Internetpräsenz finden auch unser Beispiel aus dem Text , das Berufssculzentrum Ehingen, sowie weitere Projekte. Auch auf der Seite engergiecontracting.de gibt es nützliche Tipps.