Zeitarbeiter verdrängen zwar keine Stammbelegschaften. Das belegt nun eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Allerdings würden die Zeitarbeiter die Kosten für die Flexibilisierung tragen. Sie verdienen bis zu 50 Prozent weniger für vergleichbare Tätigkeiten. Das führt offensichtlich dazu, dass die Identifikation mit dem Unternehmen bei Zeitarbeitern geringer ist.

In der Studie – die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vorliegt – heißt es weiter, dass die Zeitarbeiter vielmehr als Arbeitskräftereserven dienen würden. Allerdings tragen die Zeitarbeiter damit auch die Kosten und Nachteile der Flexibilisierung. Denn sie verdienen nur etwa die Hälfte für vergleichbare Tätigkeiten, heißt es laut der FAZ in dieser Studie.
Die generell niedrigen Zeitarbeitslöhne seien ein Grund für diesen hohen Lohnunterschied; aber auch "individuelle Merkmale wie längere Phasen der Arbeitslosigkeit", zitiert die FAZ aus der Untersuchung. Als Konsequenz schlage die Bertelsmann Stiftung nun vor, den Zeitarbeitern nach einer Einarbeitungszeit von drei Monaten den gleichen Lohn wie der Stammbelegschaft zu zahlen.
Der Motivation würde es gut tun: eine weitere Studie der Bertelsmann-Stiftung hat kürzlich gezeigt, dass so genannte atypische Arbeitsve rhältnisse, wie etwa die Zeitarbeit, zu einem Motivationsverlust in den Betrieben führt – auch wegen der unterschiedlichen Löhne.
So seien mehr als zwei Drittel der Zeitarbeiter der Meinung, dass im aktuellen Wirtschaftssystem individuelle Leistungen nicht gerecht entlohnt würden. Eine Auffassung, die übrigens auch jeder zweite Vollzeitbeschäftigte teile.
Mitarbeiter auf Zeit fühlen sich weniger zugehörig
Die Ergebnisse der Untersuchung: Je unsicherer oder prekärer die Arbeitsve rhältnisse sind, desto geringer ist die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Atypisch Beschäftigte gaben bei der Befragung an, seltener (58 Prozent) einen bedeutsamen Beitrag für die Firma zu leisten als Arbeitnehmer in einem normalen Arbeitsve rhältnis (78 Prozent) und insbesondere Zeitarbeiter sind weniger stolz auf Teamerfolge (55 Prozent), als ihre in einem normalen Arbeitsve rhältnis angestellten Kollegen (75 Prozent).
Am deutlichsten lässt sich laut den Autoren die berufliche Unzufriedenheit am Wunsch ablesen, bei der derzeitigen Arbeitsstelle weiterbeschäftigt zu werden: Nur etwa jeder zweite atypisch Beschäftigte (49 Prozent) aber 71 Prozent der unbefristet Vollzeitbeschäftigten wollen hier weiterarbeiten.
"Eine der zentralen Herausforderungen für Unternehmen ist der Spagat zwischen der betrieblichen Flexibilität und den vertraglichen Arbeitsbedingungen. Gerade durch die Zunahme atypischer Beschäftigungsve rhältnisse droht ein Verlust an Motivation und Teilhabe in den Betrieben", sagte Programmleiter Martin Spilker von der Bertelsmann Stiftung. rh