Der Einfluss der Herkunft ist in Deutschland nach wie vor entscheidend beim schulischen Erfolg. Keines der deutschen Bundesländer kann im aktuellen Chancenspiegel der Bertelsmann Stiftung in allen untersuchten Kategorien überzeugen. Es zeigen sich von Land zu Land erhebliche Unterschiede und kleine Überraschungen.

Die Vor- und Nachteile der einzelnen Bildungssysteme der 16 Länder sind sehr unterschiedlich verteilt und nach Angabe der Bertelsmann Stiftung ist auch überall großer Nachholbedarf zu spüren, die Bildungschancen aller Kinder und Jugendlicher noch zu verbessern. Entscheidend ist zwar immer noch wo und wie die Schüler aufwachsen, doch die Chancen, die eigene Lage zu ändern und einen Bildungserfolg zu erzielen, sind nicht überall gleich groß.
Stärken und Schwächen der einzelnen Länder
In ihrem aktuellen Chancenspiegel hat die Stiftung die vier Dimensionen Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe untersucht, um zu zeigen, wo die Stärken und Schwächen der einzelnen Länder liegen. Dabei zeigt sich, dass kein Land in allen Kategorien überzeugen kann, aber auch keines in allen Bereichen schwächelt.
Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sind Länder, die insgesamt am besten abschnitten. Sie sind mindestens einmal in der Spitzengruppe vertreten sind und belegen bei keiner Dimension einen Platz in der unteren Ländergruppe.
Andere Länder konnten eher in einzelnen Kategorien überzeugen. Im Saarland, in Hamburg und in Sachsen ist die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schultypen hoch, so dass ein Wechsel von der Hauptschule auf das Gymnasium unkompliziert möglich ist.
Keine Verlierer in allen Kategorien
Auch wenn Sachsen-Anhalt in den Bereichen Integrationskraft, Durchlässigkeit und Zertifikatsvergabe jeweils in der unteren Gruppe liegt, schafft es im Bereich der Kompetenzförderung allerdings gleichzeitig eine Platzierung unter den besten 25 Prozent der 16 deutschen Bundesländer. Hier werden die Schüler zwar in den einzelnen Schulsystemen gut vorbereitet, die Chancen aufzusteigen oder ohne eine gute persönliche Unterstützung und Herkunft voranzukommen sind jedoch schlecht verteilt.
"Die Bundesländer müssen deutlich mehr voneinander lernen", mahnt deshalb Jörg Dräger, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung. Dann könnte sich auch der Anteil derjenigen Schüler erhöhen, die erfolgreich einen höheren Bildungsabschluss erwerben oder direkt nach der Schule einen Ausbildungsplatz finden.
Doch der Chancenspiegel zeigte auch, dass Leistung und Gerechtigkeit kein Widerspruch sein müssen. Vor allem die Bundesländer, die sowohl bei der Kompetenzförderung als auch bei der Durchlässigkeit im Ländervergleich relativ gut abschneiden, zeigen hier große Stärken: Sachsen gehört beispielsweise in beiden Dimensionen zur oberen Gruppe der deutschen Bundesländer. dhz
Die Ergebnisse der einzelnen Bundesländer bekommen Sie hier.