IAB-Studie Freizeit löst bezahlte Überstunden ab

Jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland hat ein Arbeitszeitkonto, mit dessen Hilfe Überstunden "abgefeiert" werden können. Dadurch nimmt die Zahl bezahlter Überstunden ab, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtet. Rund 18 Prozent aller Überstunden werden weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen.

Mit Arbeitskonten können Beschäftigte Zeitguthaben oder Zeitschulden auf ihrem Konto aufbauen, wenn die tatsächliche Arbeitszeit von der tariflich oder vertraglich vereinbarten Regelarbeitszeit abweicht. Bezahlte Überstunden werden zum Teil durch sogenannte "transitorische Überstunden" ersetzt, die nicht extra vergütet, sondern durch Freizeit ausgeglichen werden.

Das Modell der Arbeitszeitkonten wird zunehmend beliebter: Vor zwanzig Jahren hatte erst jeder Vierte Westdeutsche ein entsprechendes Konto, in Ostdeutschland waren es nur vier Prozent. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind heute verschwunden.

Sowohl die Beschäftigten als auch die Betriebe würden von den Arbeitszeitkonten profitieren, erklärt die IAB-Arbeitsmarktforscherin Ines Zapf. Die Beschäftigten gewinnen durch Arbeitszeitkonten an Flexibilität und können so beispielsweise Familie und Beruf leichter vereinbaren. Die Betriebe haben den Vorteil, dass sich die Arbeitszeiten auch an der anfallenden Arbeit orientieren.

Weniger als eine bezahlte Überstunde pro Woche

Die Forscher nennen die Arbeitszeitkonten als Grund dafür, dass die Zahl der bezahlten Überstunden in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Während 1991 noch durchschnittlich 1,2 bezahlte Überstunden pro Arbeitnehmer und Woche verzeichnet wurden, sank der Wert mittlerweile auf weniger als eine Stunde pro Woche. Aufgrund der Wirtschaftskrise lag der Wert im Jahr 2009 sogar bei nur 0,7 Stunden pro Woche. In Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs gab es 2010 wieder eine leichte Zunahme auf gut 0,9 Überstunden pro Woche.

Im Jahr 2009 – aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar – wurden 49 Prozent aller Überstunden durch Freizeit ausgeglichen, 10,3 Prozent wurden bezahlt, 18,4 Prozent wurden gar nicht abgegolten. 22,2 Prozent aller Überstunden werden zum Teil "abgefeiert", zum Teil bezahlt. Betrachtet man alle geleisteten Überstunden im Jahr 2009, so machte jeder Beschäftigte im monatlichen Durchschnitt 19 Überstunden, davon vier bezahlte. dapd/dhz