Der legendäre Apple-Gründer Steve Jobs, der vor genau einem Jahr starb, hatte eine Lieblingsbrille, und die kam aus dem Schwarzwald. Nach seinem Tod wurde das Modell auf einmal der Renner - und Augenoptikermeister Fux konnte sich vor Anfragen kaum retten.
Burkhard Riering
Es muss 1998 gewesen sein. Apple-Gründer Steve Jobs ist in New York und nutzt den Aufenthalt, um sich in dem angesagten Optikergeschäft Robert Marc in der Madison Avenue nach einer neuen Brille umzusehen. Jobs’ Blick fällt auf eine Nickelbrille, und sie ist genau sein Ding: schlicht, puristisch, elegant – die Lunor Classics Round.
Von dem Tag an ist die runde Brille Jobs’ Markenzeichen. Er wird dieses Modell über 14 Jahre mehrfach nachkaufen und immerzu tragen - bis zu seinem Tod am 5. Oktober 2011.
Die Firma Lunor ist dadurch regelrecht berühmt geworden. Ob "Wall Street Journal", "FAZ" oder "Handelsblatt" - alle berichteten über die Marke. Dabei ist Lunor ein nicht einmal zehn Mann großer Betrieb aus dem badischen 7.900-Seelen-Ort Althengstett, gegründet von einem Augenoptikermeister.
Gute Eigenwerbung
Ulrich Fux hat nichts gegen den Rummel um die Brille. "Die Aufmerksamkeit, die wir dadurch haben, ist enorm, und das freut uns natürlich", erzählt der Vorstandschef von Lunor. Das Unternehmenwarbschon kurz nach Jobs' Tod im Handel mit dem Spruch "The Glasses of Steve Jobs", auf der eigenen Webseite und am Messestand lebte die Legende weiter.
Die Classics Round war imvergangenen Winter der Renner. "Wir bekommen zahlreiche Bestellungen, die Fassung ist immer wieder innerhalb kurzer Zeit vergriffen und wird ständig nachproduziert", sagt Fux. Dabei war Steve Jobs’ Modell davor nur ein Nischenmodell, das in kleiner Stückzahl produziert wurde.
Erfolg hat Lunor auch ohne Jobs: Im Geschäftsjahr 2010/11 (zum 31. August) wuchs das kleine Unternehmen um mehr als 30 Prozent. Lunor erwirtschaftete binnen zwölf Monaten 2,5 Millionen Euro Umsatz.
Der Unternehmer Fux führt Lunor zusammen mit Sohn Michael. Der Schwabe hatte die Firma, die seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt präsent ist, vor rund sieben Jahren übernommen und 30 Kilometer westlich von Stuttgart als Aktiengesellschaft neu gegründet. Mit seinem Optikergeschäft Optik Fux GmbH, in dem selbstredend viele Lunor-Brillen angeboten werden, ist er weiter in der Handwerksrolle eingetragen.
Fokus auf Design und Technik
Die Lunor-Mitarbeiter kümmern sich vornehmlich um Design und Technik der Brillen. Nach der fertigen Entwicklung eines Modells wird die Produktion nach außen vergeben, im Falle von Jobs’ Brille an einen Hersteller aus der Passauer Gegend und nicht etwa nach China, wie es in der Brillenbranche heute gang und gäbe ist.
Dennoch wird jede einzelne Brille nach der Rücklieferung in Althengstett noch einmal angefasst und von Hand genauestens ausgerichtet. "Unsere Brillen kommen nach unseren Maßstäben zu 98 Prozent perfekt zu uns zurück, wir machen dann die letzten zwei Prozent", sagt Ulrich Fux. Denn der gelernte Augenoptikermeister mag das Handwerkliche seines Berufs nicht missen. Handwerk sei die Grundlage für seinen Erfolg, da ist sich Fux sicher.
Steve Jobs wusste "made in Germany" zeitlebens zu schätzen. Der Kalifornier fuhr einen schwarzen Porsche aus Zuffenhausen und überließ die Gestaltung seiner wichtigen Macintosh-Reihe dem deutschen Designer Hartmut Esslinger. Zufälle vielleicht, aber die Lunor reiht sich hier ein.
Lunor wie ein iPhone
Dass Steve Jobs diese eine Brille so gut gefiel, ist für viele im Nachhinein kein Wunder. Denn die randlose Brillenfassung ist rein auf ihre Funktion beschränkt genauso wie es bei Jobs’ i-Produkten (iPod, iPhone, iPad) der Fall ist. Auch die Geräte des "iGod", wie ihn seine Fans nennen, funktionieren teilweise nur über wenige Tasten, alles ist auf Funktion und Verbraucheraffinität getrimmt. Fux nicht ohne Stolz: "Diese Parallele drängt sich auf, ja. Die Reduktion auf die Funktion hat ihn offensichtlich überzeugt."
Und der Apple-Gründer blieb der Lunor treu. Jobs war, wie seine Schwester Mona Simpson kürzlich der "New York Times" erzählte, überaus loyal gegenüber Produkten. "Wenn ihm zum Beispiel ein Shirt gefiel, bestellte er gleich zehn oder 100 davon."
Seine öffentlichen Auftritte absolvierte Steve Jobs fast immer in einem schwarzen Rollkragenpullover - und mit der Lunor auf der Nase.