Spielwarenmesse in Nürnberg Spielerische Handwerkskunst für Groß und Klein

Wer kennt sie nicht: Männer, die ihr Lieblingsspielzeug wie etwa Eisenbahnen nur angeblich für den Nachwuchs kaufen. Auf der 63. Spielwarenmesse in Nürnberg können die Besucher von 1. bis 6. Februar ihrer Leidenschaft zu Spielsachen aller Art frönen. Immer mit dabei: Handwerker verschiedener Gewerke, die aus Holz, Gummi oder elektronischen Leitungen faszinierende Spielsachen fertigen.

Auch das ist Handwerkskunst: Dieser Elefant gehört zu den detailgetreuen Figuren, die die Handwerker von Heimotion für Freizeitparks oder Museen herstellen. - © Heimotion

Ob traditioneller Teddybär oder technisch ausgefeilter Spielzeug-Roboter - bei der Entwicklung und Herstellung von vielfältigen Spielwaren ist oft handwerkliches Geschick gefragt. Von der Produktion bis zur Gestaltung garantieren Handwerker in unzähligen Kinderzimmern, auf Spielplätzen und sogar in Freizeitparks Spiel und Spaß für Jedermann.

Während Holzspielzeugmacher in liebevoller Handarbeit originelle und maßangefertigte Holzspielzeuge herstellen, entwickeln zum Beispiel Mechatroniker und Schreiner in Zusammenarbeit mit Maskenbildnern überlebensgroße und täuschend echte Figuren. Damit bauen sie auch ganze Erlebniswelten, die Besucher zum Staunen, Gruseln, aber natürlich auch zum Spielen einladen.

Alte Handwerkskunst neu belebt

Regine Lipkowsky hat sich auf traditionelle Spielwaren spezialisiert. Seit einigen Jahren stellt ihr Betrieb Holzgestaltung Lipkowsky aus dem sächsischen Falkenau seine Holzspielzeuge auch auf der Nürnberger Spielwarenmesse aus. Eigentlich könnten Regine Lipkowsky und ihr Mann, mit dem sie den Betrieb führt, schon längst ihren Ruhestand genießen. Doch die Leidenschaft zu ihrer Handwerkskunst zieht beide immer wieder in die Werkstatt, auf Messen und Märkte. "Es ist schön, wenn unsere Spielzeuge den Menschen gefallen", sagt die ambitionierte Spielzeugherstellerin.

Für die Fertigung ihrer Holztiere verwenden die Handwerker traditionelle Holzverarbeitungstechniken aus dem Erzgebirge, die sie an moderne Produktionsanforderungen angepasst haben. Dazu entwerfen sie zunächst neue Designs und übertragen diese auf Holzblöcke. Dabei werden Köpfe, Körper und Beine zumeist voneinander unabhängig abgebildet, denn der Torso der Figuren sieht bei vielen Modellen gleich aus. "Erst das Anbringen von Kopf und Beinen entscheidet, ob Giraffen, Pferde oder Gänse dargestellt werden", so Regine Lipkowsky.

Das fast fertige Spielzeug entsteht dann mithilfe von Sägen, sowie an der Drechsel- und Hobelbank. Den allerletzten Schliff bekommen die Einzelteile schließlich mit der Färbung.

Hightech erweckt Riesengorilla zum Leben

Spielfiguren und Erlebniswelten der überdimensionalen und zudem hochtechnisierten Art, gibt es bei den Handwerkern von Heimotion zu entdecken. Exotische Dschungellandschaften, übergroße Geschicklichkeitsspiele oder gar eine bewegliche, riesenhafte Gorilla Figur, die bis nach China geliefert wurde – der spielerischen Fantasie sind bei Heimotion keine Grenzen gesetzt.

Michael Friedrich, Geschäftsführer des Betriebs, und seine Mitarbeiter produzieren fantastische Welten, die Kinder rund um den Globus zum Staunen bringen. Zu erleben sind diese Attraktionen hauptsächlich in Freizeitparks, aber auch in Museen. Neben Elektronikern, Mechatronikern und Schreinern ermöglichen dabei auch Schneider und Maskenbildner die lebensechte Darstellung von Figuren und Umgebungen.

Animierte Figuren für den Freizeitpark

"Wir setzen so ziemlich alle Ideen um, von der einfachen Schaufensterfigur bis hin zu kompletten Erlebniswelten", sagt der 45-Jährige Geschäftsführer. Auch die Attraktion "Tabalugas Abenteuer" im pfälzischen Holiday-Park stammt aus dem Betrieb im baden-württembergischen Jagsthausen. Hierfür wurden Szenen aus der Geschichte des kleinen Drachen mit animierten Figuren dargestellt.

Außerdem entwickelte Heimotion ein interaktives On-Board-Soundsystem für die Besucherboote, die durch das Drachenland führen. "Wir arbeiten an der Schnittstelle von Mechanik, Elektronik und Design", sagt Michael Friedrich. "Dabei setzen wir auf innovative Technologien, auch wenn die natürlich später nicht mehr sichtbar sein dürfen."

80.000 Fachbesucher auf Spielwarenmesse erwartet

Aber nicht nur technisches Know-how ist gefragt, um Spielzeuge aller Art zum Leben zu erwecken. Vor allem steckt viel Fantasie, Liebe und Fingerspitzengefühl in den handwerklichen Spielwaren. Mit immer neuen Ideen lösen Handwerker so bei Jung und Alt Staunen und Begeisterung aus – und das sogar weltweit.

Auf der Internationalen Spielwarenmesse werden rund 2.800 Unternehmen aus dem In- und Ausland mehr als eine Millionen Produkte ausstellen. Etwa 70.000 davon sind Weltneuheiten. Die Veranstalter erwarten circa 80.000 Fachbesucher aus aller Welt in Nürnberg. zdh/dapd