Ernst & Young ist einer der weltweiten Marktführer auf dem Gebiet der Wirtschaftsprüfung. Im Exklusiv-Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung prophezeit Peter Englisch, Leiter für den Mittelstand, dass die Nachfrage an Krediten seitens kleiner und mittlerer Betriebe 2012 zunehmen wird. Allerdings wird es nach seiner Einschätzung auch deutlich schwieriger, an diese heranzukommen.
Steffen Guthardt
Nachdem die deutsche Wirtschaft 2011 um 3,0 Prozent wachsen konnte und das Handwerk sogar um rund sechs Prozent zulegte, dürfte die Konjunktur nach einhelliger Meinung der Analysten 2012 an Fahrt verlieren. Gerade kleinen und mittleren Betriebe drohen schnell Liquiditätsnöte, wenn die Auftragsbücher einmal nicht so gut gefüllt sind. Peter Englisch, Leiter für den Mittelstand bei Ernst & Young, geht deshalb davon aus, dass die Nachfrage an Krediten seitens der Betriebe in diesem Jahr zunehmen wird.

Allerdings dürfte es gerade für Unternehmen, die schon in der Schieflage sind, deutlich schwieriger werden, an Finanzmittel über die Banken heranzukommen. Der Grund ist die Bankenregulierung, die durch das Reformpaket des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich verschärft wird. Das Paket mit dem Namen „Basel III“ ist eine Reaktion auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2007 und dürfte die Banken nach Ansicht von Englisch deutlich in ihrem Spielraum bei der Kreditgewährung einschränken – insbesondere im Bereich des Mittelstandes.
Die Hände gebunden
Durch Basel III (Nachfolger von Basel II) müssen die Banken deutlich mehr Eigenkapital zurückbehalten und einen zusätzlichen Kapitalpuffer anlegen, um eventuelle Verluste selbst auffangen zu können. Leidtragende könnten am Ende mittelständische Betriebe sein – wie sie sich zahlreich im Handwerk finden. Englisch betont daher gegenüber der DHZ, dass es keine böse Absicht der Banken sei, wenn einige Betriebe 2012 nicht die nötigen Kredite bekommen würden, weil den Banken schlicht die Hände gebunden werden.
Wie Unternehmen schon jetzt dem Liquiditätsengpass vorbeugen können und welche Alternativen sich zum klassischen Bankkredit anbieten, lesen Sie im kompletten Interview mit dem Ernst-&-Young-Experten in der Ausgabe 1-2/2012 der Deutschen Handwerks Zeitung (erscheint am 20. Januar 2012). Hier erfahren Sie auch, wie die Agentur die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks in diesem Jahr einschätzt und welche Branchen besonders gute Aussichten haben.
