Fast 77 Prozent der Riester-Sparer haben für das Jahr 2008 die staatlichen Zulagen beantragt - die höchste Quote seit Einführung der Riester-Rente. Dennoch werde die Förderung immer noch nicht optimal genutzt, so das Ergebnis des "Vorsorgeatlas Deutschland 2011".

Von den Antragstellern der Förderung erhielten 61,8 Prozent die volle Fördersumme. Sparer, bei denen die Zulagen gekürzt wurden, bekamen durchschnittlich 57,1 Prozent der maximal möglichen Zulagen. Trotz der im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Quoten hat, so ein weiteres Ergebnis, die Summe der verschenkten Zulagen im Jahr 2008 auf rund 1,3 Milliarden Euro erhöht. Dies sei jedoch ausschließlich auf die gestiegenen Fördersummen und den Zuwachs der Verträge zurückzuführen.
Rentenlücke der Riester-Sparer ist um ein Drittel kleiner als bei GRV-Versicherten
Insgesamt sollten die Bundesbürger im Rahmen der Altersvorsorge mindestens 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen können. Als nach wie vor bedeutendstes Vorsorgesystem leistete die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) im historischen Durchschnitt für den Standardeckrentner eine Bruttoersatzquote von etwa 50 Prozent. Im Zuge der demografisch bedingten Reformen der vergangenen zehn Jahre wurden die Leistung der gesetzlichen Rente jedoch mehrfach reduziert. Alleine durch die Einführung der sogenannten Riester-Treppe wird die gesetzliche Rente um insgesamt 4,8 Prozentpunkte gekürzt. Die Analyse der tatsächlich durch die GRV zu erwartenden Zahlungen im Rahmen des Vorsorgeatlas Deutschland 2011 zeigt, dass die Pflichtversicherten – also nicht der Standardeckrentner – damit heute jedoch nur noch durchschnittlich rund 35 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen können.
Menschen mit einer Riester-Rente hingegen hätten bereits heute eine um ein Drittel geringere Rentenlücke. Sie erhalten demnach rund 40 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens und gleichten damit die Kürzungen der GRV durch die Riester-Treppe mehr als aus. Bei einer vollen Nutzung der Riester-Rente sei sogar noch mehr möglich. So könne ein 30-jähriger Sparer mit einem Einkommen von 35.000 Euro pro Jahr rund drei Viertel seiner Rentenlücke schließen, wenn er immer die vollen vier Prozent einzahlen würde.
Höchste Quote bei der Beantragung der Zulagen seit Einführung der Riester-Rente
"Erfreulich ist, dass sich die Nutzung der Riester-Rente gegenüber dem Vorjahr verbessert hat. So beantragten 76,6 Prozent der Sparer die Zulagen für das Beitragsjahr 2008, was der höchste Stand seit Einführung der privaten Vorsorge im Jahr 2002 ist“, so Prof. Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg. Beim Anteil der Verträge, die eine volle Zulage erhielten, erfolgte im Vergleich zum Beitragsjahr 2007 ein Anstieg um 1,7 Prozentpunkte. Zahlten Riester-Sparer nicht den vollen Eigenbeitrag ein und bekamen deswegen nicht die maximalen Zulagen, mussten sie im Durchschnitt eine geringere Kürzung als im Vorjahr hinnehmen. "Dies deutet darauf hin, dass die Menschen entweder die notwendigen Mindesteigenbeiträge besser einschätzen konnten, oder die Inhaber von Altverträgen sich aktiver mit ihren Verträgen und den notwendigen Sparraten auseinandergesetzt haben“, so Raffelhüschen.

Vor allem ostdeutsche Riester-Sparer verzichten auf die Zulagen
Wie im vergangenen Jahr zeigt sich ein ausgeprägtes West-Ost-Gefälle. Dies gilt nicht nur für die Beantragungsquoten, sondern auch für den Anteil an Verträgen mit maximal gewährten Zulagen sowie für die Ausschöpfungsquote. Auffällig ist auch, dass Frauen die Riester-Rente optimaler nutzen als Männer. Sie beantragten und erhielten häufiger die volle Zulage als Männer. Im Hinblick auf das Einkommen zeigt die Studie, dass die Zulagen umso häufiger gekürzt wurden, je höher das Einkommen der betreffenden Person war. Nur 55 Prozent der Riester-Sparer mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro bekamen die vollen Zulagen. In der Einkommensklasse von 10.000 bis 20.000 Euro waren es hingegen 71,5 Prozent.
Die Riester-Zulagen können noch zwei Jahre nach Ende des jeweiligen Beitragsjahres beantragt werden
Der "Vorsorgeatlas Deutschland“ wird vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Auftrag von Union Investment erstellt. Im Rahmen der Studie wurde untersucht, welchen Beitrag die Riester-Rente zur Reduzierung der Rentenlücke bereits heute leistet und wie hoch die Beantragung und Ausschöpfung der Zulagen im Beitragsjahr 2008 ausgefallen ist.
Die Studie ist unter union-investment.de einsehbar.