Multitasking und Arbeitsunterbrechungen – damit beschäftigt sich eine neue Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua). „Viele Chefs freuen sich über Mitarbeiter, die mehrere Aufgaben parallel bearbeiten können oder trotz häufiger Unterbrechungen effizient arbeiten“, schreibt die Baua. Die Unterbrechungen ebenso wie Multitasking können den Menschen jedoch auch überfordern und Stress auslösen. Mit der Studie klärt die Baua über wichtige Einflussfaktoren auf das Erleben von Stress bei Unterbrechungen und Multitasking auf.
Gesundheit und Leistungsfähigkeit in einer rastlosen Arbeitswelt
Viele Beschäftigte fühlen sich durch Unterbrechungen oder Multitasking belastet, zeigt die Befragung der Baua. Nach einer Unterbrechung sei zusätzliche Anstrengung nötig, um die Aufgabe weiterzubearbeiten. Deswegen stört eine Unterbrechung bei der Bearbeitung einer Aufgabe – vor allem dann, wenn sie in einer Phase mit hoher Arbeitsbeanspruchung stattfindet. Wenn überhaupt, dann sollten Unterbrechungen zwischen zwei Teilaufgaben stattfinden – also wenn sowieso eine kleine Denkpause gemacht wird. Schlecht auf die Arbeitsleistung wirkt es sich außerdem aus, wenn die Aufgabe, die unterbrochen wurde, sehr komplex ist.
Auch beim Multitasking werden Aufgaben gewechselt, jedoch in kürzeren Zeitabständen als bei Unterbrechungen. Außerdem zeigt die Studie: Multitasking ist internal gesteuert, also von der Person selbst und nicht durch äußere Einflüsse. Ob Menschen erfolgreich mehrere Aufgaben gleichzeitig behandeln können, hängt laut den Wissenschaftlern unter anderem von ihrer Arbeitsgedächtnisleistung und der Verarbeitungsgeschwindigkeit ab. Ein älterer Forschungsansatz geht davon aus, dass eine völlig simultane Bearbeitung mehrerer Aufgaben unmöglich ist. Ein neuerer Ansatz deutet dagegen darauf hin, dass zwei Aufgaben gleichzeitig behandelt werden können, wenn die zweite Aufgabe hochautomatisiert ist.
Im Alter keine generellen Leistungseinbußen
„Für Arbeitgeber stellt sich die Aufgabe, die Kompetenz ihrer langjährigen Erfahrungsträger optimal zu nutzen und ihnen dabei eine Arbeitsumgebung zu bieten, die eine gesunde Ausführung der Tätigkeit bis zum Rentenalter ermöglicht“, betont die Baua. Denn im Laufe der Lebensspanne nehmen kognitive Fähigkeiten, die wichtig sind, um gut mit Multitasking oder Arbeitsunterbrechungen umgehen zu können, ab. Dazu gehören die Verarbeitungsgeschwindigkeit, die Arbeitsgedächtnisleistung und die Geschwindigkeit des Aufgabenwechsels. Solche Defizite lassen sich jedoch gut durch Erfahrung und einfache Hilfsmittel ausgleichen. Den natürlichen Leistungsgrenzen des Menschen müsse verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt werden, betonen die Verfasser der Studie und weisten darauf hin, „dass es im Alter keine generellen arbeitsbezogenen Leistungseinbußen gibt“. Allerdings seien ältere Menschen bei verschiedenen Tätigkeiten im Nachteil, zum Beispiel bei Aufgaben unter Zeitdruck. Bei anderen Aufgaben seien sie wiederum im Vorteil, zum Beispiel bei komplexen Tätigkeiten, die eher wissensbasiert sind und bei denen Erfahrung eine wichtige Rolle spielt. Deswegen sei es vor allem wichtig, dass die Arbeit altersgerecht gestaltet werde.
Irritation, Belastung und Beeinträchtigung der Gesundheit drohen
Die Wissenschaftler zeigen zudem: Arbeitsunterbrechungen und Multitasking können als Stressoren gesehen werden, die Stimmung beeinträchtigen, zu Irritationen führen und die Qualität der Arbeit senken. Die Autoren der Studie warnen: „Arbeitsunterbrechungen können zu Wahrnehmung von Belastetheit, zu Irritation und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.“ Allerdings können Arbeitsunterbrechungen bei einfachen Aufgaben die Leistung auch positiv beeinflussen – je nachdem, wie oft sie auftreten, und je nach Persönlichkeitsmerkmalen und Vorlieben. Bei komplexen Aufgaben führen sie hingegen zu Leistungsverminderung. Die Forscher stufen die Befunde zu Unterbrechungen als stabil ein, diese werden als „nervig“ bewertet und lösen negative Gefühle und Frustration aus. Die komplette Studie und weitere Informationen finden Sie unter baua.de .