Studie zeigt stabilen Mittelstand Die Deutschen sparen und trotzen der Krise

Schuldenberge und immer neue Rettungsschirme scheinen den deutschen Mittelstand und die Verbraucher nicht aus der Ruhe bringen zu können. Unternehmen und Privathaushalte legen wieder mehr Geld zurück - Eigenkapital- und Sparquoten steigen. Experten werten dies jedoch nicht als "Angstsparen".

Jana Tashina Wörrle

Alle Deutschen gemeinsam haben ein großes Geldvermögen angehäuft - und die Sparquoten stiegen 2010 noch mehr an. - © Fotolia

Die durchschnittliche Eigenkapitalquote der mittelständischen Firmen hat sich nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) im Vergleich zum Krisenjahr 2009 um 3,1 Prozentpunkte auf 22,1 Prozent erhöht. Vor allem bei kleineren Firmen mit einem Umsatz unter 500.000 Euro stiegen die Quoten.

Der BVR spricht deshalb in seinem erstmals veröffentlichen Mittelstandsspiegel davon, dass sich die Widerstandsfähigkeit des deutschen Mittelstands gegenüber konjunkturellen Belastungen in der Vergangenheit deutlich erhöht habe. "Der Mittelstand hat seine Hausaufgaben gemacht und in den letzten zehn Jahren seine durchschnittliche Eigenkapitalquote stetig verbessert", sagte dazu Andreas Martin, Vorstandsmitglied des BVR.

Stabile deutsche Wirtschaft

Aber auch die Privathaushalte nutzen die aktuelle, positive Einkommenssituation, um etwas für die eigene Absicherung zu tun - sie sparen wieder kräftig. Die Sparquote – also das Verhältnis von Sparsumme und verfügbarem Einkommen – ist im vergangenen Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 11,3 Prozent gestiegen. Im Jahr 2009 war sie noch um 0,6 Prozentpunkte gesunken.

Finanzexperte Martin rechnet damit, dass diese Sparanstrengungen anhalten werden. Da aus seiner Sicht die ökonomischen Rahmenbedingungen und der Arbeitsmarkt in Deutschland stabil bleiben, wertet er die Spartendenzen nicht als "Angstsparen".

Geldvermögen steigt kräftig an

Jeder private Haushalt in Deutschland verfügte laut BVR im vergangenen Jahr durchschnittlich über ein Geldvermögen von rund 115.400 Euro. Gleichzeitig lag die Verschuldung pro Haushalt bei 38.200 Euro. Insgesamt stieg das finanzielle Vermögen aller Bundesbürger um 212 Milliarden Euro beziehungsweise um 4,8 Prozent auf 4.639 Milliarden Euro an. Rechnet man hier noch das Sachvermögen dazu, so besaßen die Deutschen 2010 ein Gesamtvermögen von rund 9,8 Billionen Euro.

Aktien und anderen wenig konkreten Geldanlagen scheinen die Deutschen weniger zu vertrauen. Investitionen tätigten die privaten Haushalte deshalb verstärkt, um Sachvermögen wie Immobilien aufzubauen. Gleichzeitig nahmen die Bundesbürger erstmals seit 2004 netto wieder mehr Kredite auf als sie tilgten. Insgesamt verfügten sie über eigene Anlagemittel in Höhe von 194,5 Milliarden Euro.