Schuldenkrise Anleger flüchten ins Betongold

Angesichts der immer schlimmeren Finanzkrise wollen mehr und mehr Bundesbürger ihr Geld in Immobilien retten. Doch weil das Angebot fehlt, schießen die Preise vor allem in den Metropolen durch die Decke.

Anleger versuchen ihr geld in Immobilien zu retten und treiben so die Preise in die Höhe. Foto: dapd

Anleger flüchten ins Betongold

"Die Nachfrage ist gar nicht zu bedienen zurzeit. Es gibt Kunden, die wollen auf Teufel komm raus kaufen", berichtet der für Anlageimmobilien zuständige Manager Carsten Rieckhoff vom bundesweit tätigen Maklerunternehmen Engel und Völkers aus Hamburg.

Makler quer durch Deutschland bestätigen in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dapd die enorm gestiegene Häusernachfrage. "Wir sehen den Trend hin zu Immobilien ebenfalls", sagt Berit Dirscherl von der HVB-Tochter Planet Home aus München. "Der Anteil von Kapitalanlegern im Vergleich zu Selbstnutzern ist bei den Kunden um 15 Prozent gestiegen", stellt sie fest.

Der Trend gilt offenbar auch in der Provinz. So berichtet Makler Ludger Häger aus Paderborn: "Die Nachfrage kann ich nicht mehr vernünftig decken, es gibt zu wenig Objekte auf dem Markt, die den Qualitätsansprüchen entsprechen."

Angst ums Kapital

Die nackte Angst um ihr Geld treibt die Anleger in die Immobilien: Staatsanleihen werden fragwürdiger, Aktienmärkte brechen zusammen, Gold bringt keine Zinsen. Die Frage der Rendite wird dann nebenrangig. "In München liegt der Kaufpreis für Mehrfamilienhäuser zwischen dem 21 bis 25-fachen der Nettokaltmiete, je nach Einzelobjekt auch höher", sagt Dirscherl von Planet Home.

Traditionell rechnet die Branche dagegen nur mit der 10 bis 12-fachen Kaltmiete als Preis, die Rendite hat sich also halbiert auf etwa drei Prozent vor Steuern.

Trotz der mageren Verzinsung würden die Geschäfte der Makler sehr gut laufen, wenn da nicht ein Problem wäre: "Es fehlt an Objekten", sagt Engel und Völkers-Manager Rieckhoff. Weil es nicht genug dieser Zinshäuser genannten Mehrfamilienhäuser gibt, verschiebt sich die Nachfrage: "Es werden vermehrt Studentenheime verkauft. Oder der Kunde kauft mehrere Eigentumswohnungen, wenn es kein komplettes Haus gibt", sagte Planet Home-Managerin Dirscherl.

Denn trotz der gestiegenen Preise halten Eigentümer zurzeit stärker als üblich an ihren Anlagehäusern fest. Sie spekulieren aber nicht auf noch höhere Preise: "Das Problem ist die Wiederanlage", sagt Rieckhoff. Und Dirscherl ergänzt: "Die Tendenz deutschlandweit ist Verkaufszurückhaltung aufgrund der Angst vor einer weiteren Geldentwertung."

So nutzen die Makler diese wilden Tage, um in ihrem Angebot klar Schiff zu machen: "Interessant ist die Beobachtung, dass Immobilien, die eher schwer zu vermitteln waren, jetzt, gerade mit den Turbulenzen an den Börsen, schneller verkauft werden. In Einzelfällen wurde bei Problemimmobilien in den letzten Tagen sogar noch ein höherer Preis erzielt", sagt Makler-Sprecherin Dirscherl.

dapd