Die Sorge vor einer erneuten Rezession greift um sich. EU-Kommissionspräsident Barroso hat vor einem Übergreifen der Griechenlandkrise auf Italien und Spanien gewarnt und EZB-Präsident Trichet sieht große Unsicherheit für die Konjunkturentwicklung. Die Börsen rauschten in den Keller.
Finanzmarkt stürzt in Turbulenzen
Die Schuldenkrise ist und bleibt Thema. Weitere Länder wie Spanien und Italien geraten in immer größere Schwierigkeiten und können möglicherweise ihren Anteil am europäischen Rettungsschirm nicht bezahlen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat deshalb einen Brief an die 17 Staats- und Regierungschefs der Euroländer geschrieben und sie dazu ermahnt, nochmals zu überprüfen, wie es mit der Zahlungsfähigkeit für den Rettungsfonds aussieht.
Zusätzlich forderte der Kommissionschef nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung"eine Aufstockung der Kreditsumme des Rettungsfonds, die derzeit bei 440 Milliarden Euro liegt. Kanzleramt und Finanzministerium reagierten höchst ungehalten auf Barrosos Vorstoß. Sie verwiesen darauf, dass die Regierungschefs bei ihrem jüngsten Treffen in Brüssel ja bereits Reformen für den Rettungsfonds beschlossen hätten, berichtet die Zeitung. Diese müssten nun rasch umgesetzt werden.
Inflation bleibt auf hohem Stand
Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, sorgte mit Aussagen zur aktuellen Situation auf den Finanzmärkten für Unsicherheit und löste damit eine Verkaufswelle an den Börsen aus. Er hatte die Instabilität für die Konjunktur als "ungewöhnlich hoch" bezeichnet und zugleich wegen der anhaltend hohen Inflation weitere Leitzinserhöhungen angedeutet. Das aber wird am Markt als Gift für die Konjunktur bewertet.
Der DAX stürzte somit den siebten Handelstag in Folge ab und erlebt seitdem heftige Schwankungen. Nach panikartigen Verkäufen holte er seine Kursverluste bis zum Freitagnachmittag auf und drehte sogar zeitweise ins Plus. Danach gab das Börsenbarometer seine Kursgewinne aber wieder ab und brach erneut um mehr als 160 Punkte auf 6.260 Zähler ein. Auslöser für den zwischenzeitlichen Kursanstieg war die Meldung über freundliche US-Arbeitsmarktdaten.
Angesichts der Unruhe an den Börsen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy ihre Urlaube für eine Telefonkonferenz unterbrochen. Sie wollen über die aktuelle Lage in der Eurozone sprechen.
dhz/dapd
