Feinste Gefäße neben Hirschen und Schlegeln: Die Münchner Galerie Handwerk zeigt "Kultur des Trinkens". Auch als Kontrapunkt zum Einheitsmaßkrug beim Oktoberfest. Von Angela Böck und Rudolf Baier

Wenn Trinken zum Kulturereignis wird
Mit dem Oktoberfest startet jedes Jahr in der bayerischen Landeshauptstadt auch das weltweit größte Bierfest. Allein im letzten Jahr wurden rund 71.000 Hektoliter konsumiert. Die Galerie Handwerk im Gebäude der Münchner Handwerkskammer nimmt mit ihrer Ausstellung "Die Kultur des Trinkens" Bezug auf die "Wiesn", setzt allerdings einen bewussten Kontrapunkt zur Oktoberfestkultur mit ihren Einheitsmaßkrügen. "Wir wollen zeigen, dass das Kunsthandwerk die Alltagskultur mit gut gestalteten Einzelobjekten und Kleinserien schöner gestaltet. Es geht uns darum, zu beweisen, wie aus dem alltäglichen Trinken ein kulturelles Ereignis werden kann", erklärt der Leiter der Galerie, Wolfgang Lösche.
Die über 50 Beteiligungen aus aller Welt – u.a. aus Japan, Korea und Südafrika – beweisen, dass man im Kunsthandwerk zum Thema Trinkgefäße die vielfältigsten und phantasievollsten Ideen findet. Es werden Gefäße und Gerätschaften gezeigt, die dem Zubereiten, Darbieten und Trinken von alkoholischen, aber auch nicht alkoholischen Getränken dienen.
Tee oder Kaffee?
In allen Regionen der Welt existieren hierzu bestimmte Rituale oder Zeremonien; das dazugehörige Equipment gestaltet sich äußerst variantenreich. Längst ist beispielsweise Teetrinken Kult. Teeliebhaber schätzen Schalen, Tassen und Kannen, die das Aroma ihres Tees noch steigern und das Teetrinken zum Erlebnis werden lassen. Nicht anders ist es beim Kaffee, Espresso oder Mokka. Keramikern und Silberschmieden bietet sich hier ein weites Feld, denn zum Kaffeegenuss gehören neben der Kanne und den Tassen auch Milchkännchen, Zuckerdose, Löffel und Stövchen. Auch ein Kaffeeröster und eine Espressomühle sind in der Ausstellung zu entdecken.
Ein weiteres Kultgetränk ist der Wein. Gute Weine sollte man so behandeln, wie sie es verdienen: Man sollte sie dekantieren und aus schönen Karaffen in stilvolle Gläser füllen. Natürlich kommt auch das Thema Bier nicht zu kurz. So ist der Schlegel, mit dem der Münchner Oberbürgermeister den ersten Hirschen, das heißt, das erste Fass auf dem Oktoberfest, ansticht, ein Werk des Drechslermeisters Peter Seiler. Die traditionellen Bierfässer, aus denen leider nur mehr das Bier der Augustiner-Brauerei gezapft wird, stammen aus der letzten Münchner Fassmacherei, der Fassfabrik Schmid.
Der Alltag wird zum Festtag
Abgerundet wird der den alkoholischen Getränken gewidmete Teil von Schnapsgläschen, Sektflöten, Wodka- und Schnapssets, silbernen Flachmännern, Accessoires wie erlesenen Korkenziehern. Dinge, die den Alltag zum Festtag machen. Für Wasser, Saft und andere Erfrischungsgetränke gibt es die unterschiedlichsten Krüge, Karaffen, Flaschen und Kannen, dazu mundgeblasene, zum Teil fein dekorierte Gläser. Es wird deutlich: Das Spektrum der Möglichkeiten, die das Thema Trinken den Kunsthandwerkern bietet, ist riesig.
Die Ausstellung "Kultur des Trinkens" in der Galerie Handwerk in der Max-Joseph-Str. 4, München, ist noch bis zum 8. Oktober zu sehen.
Infos unter hwk-muenchen.de/galerie.