Kleine Kredite für kleine Unternehmen

Existenzgründer benötigen anfangs oft finanzielle Unterstützung, doch meistens genügen schon sehr kleine Summen, damit die Betriebe den Start reibungs- und risikolos überstehen. Eine Möglichkeit wie Betriebe diese Phase gut überbrücken können, bieten so genannte Mikrokredite.

Falk Zientz, Leiter Mikrofinanz der GLS Bank. - © GLS Bank

Kleine Kredite für kleine Unternehmen

Rund 3.500 davon wurden bislang vergeben. Falk Zientz, Leiter Mikrofinanz der GLS Bank, die als Trägerorganisation über den einzelnen Mikrofinanzinstituten steht, erklärt, wie Handwerksbetriebe die Mikrokredite nutzen können.

DHZ: Für wen sind Mikrokredite sinnvoll und wer kann sie beantragen?

Zientz: Mikrokredite sind für alle unternehmerischen Aktivitäten von Klein- und Kleinstbetrieben gedacht. Das ist bewusst ein sehr weit gefasster Begriff. Darunter fallen Handwerksbetriebe und Dienstleister aller Art. So weit gefasst ist der Begriff, weil die Tätigkeit eventuell nur nebenberuflich ausgeübt wird.

DHZ: Welche Summen umfasst der Mikrokredit?

Zientz: Die Finanzierung wird meistens in Stufen angelegt, das heißt in mehreren aufeinander folgenden Krediten. Und eine Faustregel dabei ist, dass der erste Kredit nur so hoch sein sollte, dass er auf jeden Fall zurückgezahlt werden kann. Wenn das dann gut läuft, kann man den Betrag bis auf 20.000 Euro aufstocken.

DHZ: In welchem Rahmen bewegen sich die meisten Mikrokredite?

Zientz: Der Schnitt ist aktuell bei 6.000 Euro. Wobei ich das für den Einstieg schon als relativ hoch ansehe. Für den ersten Kredit ist eher eine Summe unter 5.000 Euro der geeignete Rahmen. Eine Studie des Zentralverbands des Deutschen Handwerks hat ergeben, dass der Großteil der Handwerksbetriebe einen Finanzierungsbedarf unter 10.000 Euro hat und dieser vor allem bei Betriebsmitteln besteht. Hier bieten die Mikrokredite Unterstützung.

DHZ: Die Kredite werden von Mikrofinanzinstituten vergeben. Wer genau steckt denn dahinter?

Zientz: Das Modell baut darauf auf, dass es in Deutschland viele Förderer von Kleinstunternehmern gibt, wie Unternehmensberater, Wirtschaftsförderer, Selbsthilfegenossenschaften und gemeinnützige Träger, die sich um sozial Benachteiligte kümmern. Und all diese können, nachdem sie dementsprechend geschult sind und die nötige Infrastruktur aufgebaut haben, zum Mikrofinanzinstitut werden. Oft vernetzen sie sich mit Arbeitsagenturen, Kammern und Kommunen.

DHZ: Kommt das Geld denn direkt von diesen Mikrofinanzinstituten?

Zientz: Wenn man sich die finanziellen Details anschaut, kommt das Geld von der GLS Bank. Aber der Kreditnehmer hat nur Kontakt zu seinem Kreditbetreuer im Mikrofinanzinstitut. Die Bank im Hintergrund macht die Verwaltung auf Basis eines Internettools. Sie bewertet auch die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht, sondern das macht alles das Mikrofinanzinstitut vor Ort. Es lässt auch den Vertrag unterschreiben und die Bank zahlt danach das Geld aus.

DHZ: Wie hoch sind die Zinsen für einen Mikrokredit?

Zientz: Der Kreditzins liegt derzeit bei 8,9 Prozent, wobei die Zinsen nicht den Unterschied zu einem normalen Bankkredit ausmachen. Es geht in erster Linie um den einfachen und schnellen Zugang für den Unternehmer, der keine Finanzierung von der Bank bekommt. Dass Banken dieses Geschäft nicht machen, liegt ganz klar an den sehr hohen Kosten für die Kreditbearbeitung.

DHZ: Woher kommt die Idee zu den Mikrokrediten?

Zientz: Es geht um das Prinzip des Personalkredits. Hier ist die Basis, dass man sich kennt – aus Vereinen, aus der Nachbarschaft oder der Kirche. Bei der Mikrofinanzmethodik stehen der einzelne Unternehmer und das, was er finanzieren möchte, im Vordergrund. Der erste Ansatz beim Kreditgespräch ist immer, zu schauen, ob die Person, willens und motiviert ist, den Kredit zurückzuzahlen. Wenn der Eindruck positiv ist, kann ein erster Kreditschritt unternommen werden.

DHZ: Reicht das schon, um einen Mikrokredit zu bekommen?

Zientz: Der Kreditbetreuer muss persönlich davon überzeugt werden, dass der Handwerker seine Zahlen im Blick hat. Es geht also nicht um formelle Vorgaben. Klassisch für den Einstieg ist die Betriebsmittelfinanzierung. Hier geht es oft um eine Auftragsvorfinanzierung und dann muss der Unternehmer zum Kreditgespräch den entsprechenden Auftrag vorweisen und eine aktuelle Cashflowrechnung mitbringen. Ein anderer typischer Einstieg wäre eine saisonale Vorfinanzierung. Hierbei müsste der Unternehmer die Zahlen aus dem Vorjahr mitbringen. Wesentlich ist eine Prüfung des konkret finanzierten Vorhabens.

DHZ: Wie lange muss man warten, bis der Mikrokredit gewährt wird?

Zientz: Wir haben aktuell etwa 40 Mikrokreditinstitute und bei allen ist das leicht unterschiedlich. Grundsätzlich kann man sagen, dass viele Kreditentscheidungen schon beim ersten Gespräch fallen. In der Regel ist der Kreditbetreuer, der das Gespräch führt, auch derjenige, der über die Vergabe entscheidet.

Weitere Informationen finden Sie unter mikrokreditfonds.de