Handwerksbetriebe können mit Hilfe von stillen Beteiligten ihre Eigenkapitalquote erhöhen. Einfluss auf die Geschäftsvorgänge müssen sie dafür nicht abgeben.
Jana Tashina Wörrle
Ein kleines Stück vom Kuchen abgeben
Produkte und Dienstleistungen rund um die energetische Gebäudesanierung sind heute sehr gefragt. Doch noch vor ein paar Jahren waren Handwerksbetriebe, die sich in diesem Bereich spezialisieren wollten, eine Randerscheinung. "Vor allem der Neubausektor war damals hart umkämpft", sagt Bernd Schirmacher, Geschäftsführer der Manufakturtischlerei Ehmke aus Wahlstedt in Schleswig-Holstein. Trotz dieser Tatsache wollte er in diesem Geschäftszweig investieren und kaufte neue Maschinen. Er wollte seine Idee neuartiger Wärmeschutzfenster, die durch ihr spezielles Design auch in alte, denkmalgeschützte Gebäude eingebaut werden können, in die Tat umsetzen.
Um diese Geschäftsidee zu verwirklichen, setzte die Manufakturtischlerei Ehmke bei der Finanzierung auf einen stillen Teilhaber. "Die Banken haben die Bedingungen, die man erfüllen muss, um einen Kredit zu bekommen, im Laufe der letzten Jahren immer weiter verschärft", sagt Bernd Schirmacher, "wenn man nicht genügend Sicherheiten hat, bekommt man schnell eine Absage." Nachdem auch er diese Erfahrung machen musste, suchte er sich einen anderen Weg, um seine Pläne zu realisieren, und wurde auf die Firma HCM Handwerk Capital Management aufmerksam, eine Beteiligungsgesellschaft speziell für kleine Handwerksbetriebe. "Diese Finanzierungsform war für mich ein gutes Sprungbrett. Damit hatte ich genügend Eigenkapital, um mein Rating zu verbessern", sagt Schirmacher. Er finanzierte die neuen Maschinen dann über eine Leasingfirma.
Im Handwerk werden Unternehmensbeteiligungen bislang jedoch noch sehr wenig genutzt. "Handwerksbetriebe benötigen in den meisten Fällen viel geringere Investitionssummen als beispielsweise große Industrieunternehmen", sagt Franco Ottavio Mathias, Geschäftsführer von HCM. Die meisten Beteiligungsgesellschaften - ob privat oder der öffentlichen Hand - würden sich aber meist nur mit sehr großen Beträgen beteiligen. "Wir möchten diese Lücke schließen", sagt der ehemalige Geschäftsführer eines Sanitär- und Heizungsbetriebs.
"Die Beteiligungen dürfen nicht höher sein als das vorhandene Eigenkapital."
Dass bislang kaum ein Handwerksbetrieb mit dem Thema in Berührung kam, bestätigt auch Reiner Markert, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Rhein-Main in Frankfurt. "Das Problem liegt vor allem darin, dass die Beteiligungen nicht höher sein dürfen als die bereits vorhandene Eigenkapitalquote der Betriebe", erklärt Markert. Die Beteiligungssummen der großen Gesellschaften beginnen jedoch meist erst ab einer sechsstelligen Summe, gibt Mathias zu bedenken. HCM stellt Betrieben dagegen Beteiligungen bereits in einer Größenordnung von 10.000 bis 150.000 Euro zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist - wie auch bei jeder anderen Fremdfinanzierungsform - ein überzeugendes Konzept, also ein schlüssiger Businessplan. Aber auch der persönliche Eindruck spielt für HCM eine große Rolle. "Wenn wir Gespräche mit einem Betrieb führen, dann schauen wir uns auch immer die Situation vor Ort an." Überzeugend müssten auch die Handwerker selbst sein und nicht nur die nackten Zahlen.
Mathias sieht die niedrigen Eigenkapitalquoten der Betriebe in Deutschland als grundsätzliches Problem an. Denn dadurch hätten es die Unternehmen immer schwerer, die notwendigen Sicherheiten für eine Fremdfinanzierung vorzuweisen. Auch wenn sich die Wirtschaft gerade wieder auf einem rasanten Aufwärtskurs befindet, seien durch die Finanzkrise bei vielen Handwerksfirmen die Reserven aufgebraucht. Auch das mache es ihnen noch schwerer, an Kredite zu kommen.
"Wir wollen die Betriebe bei der Finanzierung unterstützen und natürlich mit der Investition auch Geld verdienen."
Grundsätzlich bieten Unternehmensbeteiligungen nach Meinung von Reiner Markert Handwerksbetrieben gute Chancen, an neues Kapital zu gelangen und so mögliche finanzielle Engpässe zu umgehen. Durch das Geld, das der Beteiligte in den Betrieb bringt, wird die Eigenkapitalbasis des Betriebs gestärkt, wodurch beispielsweise auch die Chancen steigen, zusätzlich einen klassischen Bankkredit zu bekommen. Mit der Einlage im Unternehmensvermögen muss der Betrieb seinen Partner aber auch am Gewinn beteiligen und ihm je nach Vereinbarung Einblick in alle Unternehmensvorgänge geben.
Zusätzlich werden Zinsen fällig, die der Betrieb an den Beteiligten zahlen muss. Bei HCM sind dies 12,5 Prozent auf die bereitgestellte Summe. "Dies entspricht den marktüblichen Zinsen", sagt Mathias. Markert gibt jedoch zu bedenken, dass es aktuell auch klassische Finanzierungsformen über die Hausbank oder die KfW mit weniger Zinsen gäbe. Grundvoraussetzung seien immer die guten Aussichten auf stabile Umsätze und manchmal auch Sicherheiten, die so manch ein Betrieb nicht gewährleisten kann. "Ich finde das mit den höheren Zinsen schon in Ordnung", sagt Bernd Schirmacher, "schließlich ist es für den Beteiligten auch ein Risiko, da das Geld nicht abgesichert ist." Im Falle einer Insolvenz wäre auch das Beteiligungskapital betroffen.
"Für das Handwerk kommen eigentlich nur stille Beteiligungen in Frage", sagt Markert, "da gibt es eine psychologische Barriere." Da die meisten Handwerksbetriebe inhabergeführt seien, wollen sie sowohl nach außen nicht plötzlich mit einem Beteiligungspartner auftreten als auch niemanden am eigentlichen Geschäftsgeschehen beteiligen. „Wir wollen den Betrieb nicht übernehmen“, sagt auch Mathias, "wir wollen die Betriebe bei der Finanzierung unterstützen und natürlich mit der Investition auch Geld verdienen." Es gebe in Deutschland noch viele Vorurteile gegen private Investoren, sagt Mathias.
"Natürlich will sich niemand nicht in die Karten gucken lassen", sagt auch Bernd Schirmacher. Als großen Vorteil an der stillen Beteiligung sieht er deshalb, dass nach außen nicht sichtbar sei, dass überhaupt eine Beteiligung besteht und das Unternehmen durch mehrere Säulen finanziell gestützt ist. Schirmacher war von dieser Form der Finanzierung so begeistert, dass mittlerweile drei Beteiligungen bei der Manufakturtischlerei realisiert wurden. "Ein Beteiligter ist sogar ein Kunde von uns", berichtet der Geschäftsführer.
Nicht nur durch die Wirtschaftskrise der letzten Jahre ist der Finanzierungsbedarf bei Handwerksbetrieben in letzter Zeit stark gestiegen. Auch der demografische Wandel und die Nachwuchsprobleme der Betriebe machen sich hier bemerkbar. "Es wird in Zukunft insgesamt weniger Betriebe geben und da diese mehr Aufträge erfüllen müssen, brauchen sie dann umso mehr Geld für Betriebsmittel", gibt Mathias zu bedenken. HCM war bislang vor allem im norddeutschen Raum tätig. Da die Geschäftsaussichten jedoch so gut sind, baut das Unternehmen nun auch Zweigstellen im gesamten Bundesgebiet - beispielsweise in Dresden - auf. Sowohl in München, Stuttgart und Frankfurt sind bereits Anlaufstellen für Interessierte eröffnet worden.
Beim Thema Zukunftssicherung und Betriebsbeteiligungen sieht Reiner Markert für Handwerksbetriebe noch eine weitere Finanzierungsmöglichkeit. Auch über eine Beteiligung der eigenen Mitarbeiter könne ein Unternehmen etwas dafür tun, gleichzeitig das Unternehmenskapital abzusichern und die eigenen Fachkräfte zu binden. "Natürlich ist dies keine Form, einen kurzfristigen Finanzbedarf zu decken, aber langfristig gesehen bietet die Mitarbeiterbeteiligung gute Chancen", sagt Markert.
"Natürlich will sich niemand in die Karten gucken lassen."
Dieses personalwirtschaftliche Instrument dient jedoch nicht ausschließlich der Finanzierung. Es kann auch etwas dazu beitragen, die Mitarbeiter zu motivieren und durch die Partnerschaft stärker an das Unternehmen zu binden - in Zeiten des drohenden Fachkräftemangels eine gute Chance, den Personalbestand langfristig zu sichern. Grundsätzlich können Mitarbeiter entweder an den Gewinnen des Betriebs oder auch als aktive Teilhaber mit ins Unternehmen einsteigen. "Die Betriebe müssen aber aufpassen, dass sie für die Arbeitnehmer keine doppelte Belastung schaffen", warnt Markert, denn einerseits müssten diese dann das Risiko tragen, im Falle einer Insolvenz ihren Arbeitsplatz zu verlieren, und andererseits besteht dann auch ein persönliches Kapitalrisiko.