Lieber aktiv managen

Garantien für Altersvorsorgeprodukte: Eigentlich überflüssig

Lieber aktiv managen

Die vergangene Krise hat Fonds und Fondspolicen in Misskredit gebracht, weil sie dem Niedergang der Kurse ausgeliefert waren. Anleger scheuen seitdem das Risiko, die Unwägbarkeiten des Kapitalmarktes zu tragen. Aber auch klassische Rentenversicherungen, bei denen das eingezahlte Kapital im Deckungsstock des Versicherers und hier überwiegend in festverzinsliche Wertpapieren angelegt wird, machen niemanden so recht glücklich, denn ein wenig möchte man schon von den Möglichkeiten des Aktienmarktes profitieren. Als Ausweg präsentieren die Versicherer seit einiger Zeit Hybridmodelle, die die Vorteile beider Welten miteinander verbinden sollen.

Üblich sind so genannte Zwei- und Drei-Topf-Modelle. Das bedeutet, Geld wird nicht ausschließlich fest oder ausschließlich in Fonds angelegt, sondern in mindestens zwei unterschiedlichen Töpfen: Ein Teil der Beiträge fließt in den Deckungsstock und garantiert, dass der Kunde seine eingezahlten Beiträge zurück erhält. Überschüsse, die nicht für die Garantie erforderlich sind, fließen in freie Fonds und können hier vom Kapitalmarkt profitieren. Drei-Topf-Produkte ermöglichen es zudem, das Sicherungsvermögen in Garantiefonds, von diesen in freie Fonds und wieder zurück umzuschichten, wodurch die Renditechancen erhöht werden können. Allerdings sind diese Konstruktionen außerordentlich komplex. Auch die Kosten, die dabei anfallen, sind sehr intransparent. Daher gehen immer mehr Versicherer wieder zu dem einfacheren Zwei-Topf-Modell zurück, haben aber den Nachteil ausgemerzt, dass eine Umschichtung nach Vertragsbeginn kaum noch möglich ist. Das ist aber schon die einzige Gemeinsamkeit zwischen den am Markt befindlichen Produkten. Ansonsten ist ein Vergleich kaum möglich, da die Mechanismen sehr unterschiedlich sind, wie auch der Chef-Produktentwickler von Morgen & Morgen, Martin Zsohar, beobachtet hat.

Kunden sollten gesamte Laufzeit durchhalten

So schön und lukrativ, wie sich diese Konstrukte in den Beschreibungen der Versicherer anhören, ist die Sache indes nicht. Denn garantiert wird zunächst nur der eingezahlte Beitrag, keine Verzinsung in bestimmter Höhe. Das ist bei den klassischen Policen anders, hier gilt eine Garantieverzinsung von 2,25 Prozent für derzeit abgeschlossene Verträge.

Die Hoffnung der Sparer liegt bei Fondsprodukten also einzig darauf, dass sich die Fonds gut entwickeln. Langfristig - also auf 20 und mehr Jahre betrachtet - seien die durchschnittlichen Renditen im Fondsbereich eindeutig höher als im festverzinslichen, beruhigt Jörg Mittendorf, beim Handwerkerversicherer Signal Iduna für das Produktmarketing im Lebensversicherungsbereich zuständig. Das setzt natürlich voraus, dass Kunden die gesamte Laufzeit durchhalten und nicht gezwungen sind, vorher zu kündigen. Sonst kann es passieren, dass Börsenschwankungen und Kosten für Abschluss, Verwaltung der Versicherung und Fondsverwaltungskosten die Rendite auffressen.

Verbraucherschützer skeptisch

Man stehe Fondspolicen grundsätzlich skeptisch gegenüber, da sie alle Nachteile langlaufender Rentenversicherungen mit dem Kapitalanlagerisiko verbinden, meint Christian Gülich vom Bund der Versicherten (BdV). Daran würden auch Garantien nichts ändern, da sie nicht vom Versicherer übernommen werden, sondern durch komplizierte Mechanismen in die Fonds eingebaut seien. „Fondspolicen machen nur dann Sinn, wenn gesichert ist, dass der Vertrag über einen sehr langen Zeitraum vom Versicherungsnehmer durchgehalten werden kann. Hierbei können aber auch sehr heftige Börsenschwankungen wieder ausgeglichen werden, so dass Garantien in Fonds sowieso unnötig sind. Teilweise gestehen dies auch Versicherungsmanager zu.“ Viel wichtiger sei es, dass rechtzeitig vor Vertragsende - also vor der erwarteten Rente - durch ein aktives Anlagemanagement Kursgewinne der Fonds gesichert werden, damit durch ein Kurssturz langfristig aufgebaute Gewinne nicht wieder verloren gehen. Exakte Renditeberechnungen hält er allerdings für unseriös, da die Volatilität (Schwankung) der Börsen und die intransparenten Kostenstrukturen keine Vorhersage ermögliche. „Wenn schon Fondsprodukte, dann sollte man darauf achten, dass die Auswahl der Fonds wirklich exzellent sein muss“, so Gülich weiter. Statt (teurer) Garantiefonds sollte man auf eine zum eigenen Risikoprofil passende Gewichtung von sehr gut bewerteten Aktien-, Renten- oder Mischfonds achten. Beratung bieten unter anderem der BdV und alle Verbraucherzentralen an.ep