Banken versprechen ausreichende Kreditversorgung

Die Folgen von Basel III sind für den Mittelstand weniger schlimm als befürchtet

Von Karin Birk

Banken versprechen ausreichende Kreditversorgung

Die neuen Eigenkapitalregeln für Banken werden nach Ansicht der Branche kurz- und mittelfristig keine Verknappung des Kreditangebotes nach sich ziehen. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht keine Gefahr für die Konjunktur: „Die wirtschaftliche Erholung wird durch die Maßnahmen nicht beeinträchtigt.“ Die vereinbarten Übergangsfristen und die Bestandsgarantien berücksichtigten die Besonderheiten des deutschen Finanzsystems in ausreichendem Maße.

Genügend Eigenkapital

„Die Volksbanken und Raiffeisenbanken werden auch die verschärften Kernkapitalanforderungen nach Basel III gut erfüllen und ihr Kreditangebot an Mittelstand und Privatkunden unverändert aufrechterhalten“, sagte Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Wie es beim Verband weiter heißt, sind die Genossenschaftsbanken mit genügend Eigenkapital ausgestattet, so dass dies auch keine Auswirkungen auf die Dividendenhöhe haben dürfte.

Auch beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sieht man die Auswirkungen auf das Geschäft mit dem Mittelstand gelassen. „Die Sparkassen werden auch weiterhin jedem, bei dem die berechtigte Aussicht besteht, dass er seinen Kredit zurückbezahlt, ein Darlehen anbieten“, sagte DSGV-Sprecher Stephan Marotzke. Verbandspräsident Heinrich Haasis hatte es im Anschluss an die Baseler Verhandlungen als Erfolg bezeichnet, dass die stillen Einlagen bei Sparkassen während einer Übergangsfrist zumindest teilweise weiter als „hartes Kernkapital“ genutzt werden könnten. Auch Hofmann wertete es positiv, dass das Genossenschaftskapital weiterhin als „hartes Kernkapital“ anerkannt werde.

Banken haften stärker

Dagegen kritisierten die Verbandsvertreter, dass Basel III die Unterschiede in der Kreditwirtschaft nur unzureichend berücksichtige und risikoarme und risikoreiche Geschäftsmodelle in gleicher Weise belaste. Weitaus unzufriedener zeigte sich der Verband der öffentlichen Banken, da es für alle als Aktiengesellschaften geführten Landesbanken ab 2013 für ihre stillen Einlagen keinen Bestandsschutz als „hartes Kernkapital“ mehr gebe.

Das jüngst von führenden Notenbankchefs und Bankenaufsehern in Basel verabschiedete Regelwerk sieht vor, dass künftig alle Banken das Verhältnis von sofort haftendem Kernkapital zu riskanten Positionen wie ausgegebenen Krediten, die so genannte Kernkapitalquote, von 2013 bis 2019 von zwei auf sieben Prozent erhöhen müssen. In einer künftigen Finanzkrise würden Geldinstitute damit stärker als bisher haften. Staat und Steuerzahler müssten entsprechend später einspringen.

Kredite weniger risikobehaftet

Für private Geschäftsbanken heißt dies wiederum, dass sie entweder ihr „hartes Kernkapital“ durch die Ausgabe von Aktien und das Einbehalten von Gewinnen erhöhen oder risikobehaftete Geschäfte wie das Kreditgeschäft zurückfahren. „Mittelfristig sehen wir ein Risiko, dass das Kreditgeschäft zurückgefahren werden könnte“, sagte Volker Knauer, Sprecher beim Bundesverband deutscher Banken. Derzeit sei dieses Risiko aber nicht sehr hoch, da die Wirtschaft gut laufe und die ausgegebenen Kredite deutlich weniger risikobehaftet seien als noch vor einem Jahr. Auch die Folgen für die Kreditkosten hält er für gering: Selbst wenn es für die Banken teurer werde, sich mit Eigenkapital zu versorgen, könnten die Kosten im hart umkämpften Markt nicht unbedingt vollständig weitergegeben werden.

So sieht es auch Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft der Universität Hohenheim. „Die Preise werden im Wettbewerb gemacht.“ Er sehe weder die Gefahr einer besonderen Verteuerung noch einer Verknappung der Kredite. Genossenschaftsbanken und Sparkassen hätten genug Eigenkapital und Geschäftsbanken könnten es am Kapitalmarkt aufnehmen.