"Der Preis für geliehenes Geld wird steigen"

Erwartungsgemäß hat die EZB vergangene Woche die Leitzinsen erhöht. Europa plagen Inflationsrisiken und Rezessionssorgen. Die DHZ hat den Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken befragt, was die Leitzinserhöhung für Betriebsinhaber bedeutet.

Die EZB hat die Leitzinsen in der Eurozone weiter erhoeht. Foto: dapd

"Der Preis für geliehenes Geld wird steigen"

Erhöhen sich nun die Kreditzinsen?

Der Effekt auf die Kreditzinsen in Deutschland, der von der Erhöhung des Leitzinses durch die EZB ausgeht, wird in den kommenden Wochen maßvoll ausfallen, da es sich mit 25 Basispunkten um einen eher kleinen Zinsschritt handelt. Auch wenn Kreditzinsen und Leitzinsniveau miteinander korrelieren, bewegen sie sich doch nicht im gleichen Maße: Kurz laufende Kreditgeschäfte reagieren in der Regel deutlich stärker auf Leitzinsveränderungen als länger laufende. Langfristige Kredite, wie zum Beispiel Immobilienkredite, werden hingegen stärker von den länger laufenden Kapitalmarktzinsen beeinflusst. Im Moment haben wir die Situation, dass es aufgrund der Schuldenkrise in Europa eine erhöhte Nachfrage an den Kapitalmärkten nach besonders sicher geltenden Staatsanleihen gibt. Daher dürften die Renditen länger laufender Bundesanleihen noch einige Zeit niedrig bleiben, was eine höhere Zinsentwicklung langfristige Kredite begrenzt. Darüber hinaus werden die Kreditzinsen aber auch von anderen Faktoren beeinflusst. So dürfte zum Beispiel der Konjunkturoptimismus die Nachfrage nach Darlehen vergrößern und somit den Preis für „geliehenes“ Geld erhöhen.

Sollten Unternehmen nun schnell noch einen Kredit beantragen, um später nicht drauf zu zahlen?

Vieles spricht dafür, dass die Kreditzinsen in naher Zukunft nicht weiter sinken werden. Ein sprunghafter Anstieg ist aber auch nicht zu erwarten. Wer aber schon heute weiß, dass er einen Kredit aufnehmen möchte, der sollte zu seinem Bankberater vor Ort Kontakt aufnehmen und sich beraten lassen.

Erhöhen sich nun auch die Sparzinsen?

Es ist davon auszugehen, dass auch die Einlagenzinsen in Deutschland ansteigen werden. Ein leichter Anstieg war in den vergangenen Monaten bereits zu verzeichnen. So ist der Zins für Einlagen von bis zu einem Jahr von Unternehmen seit Anfang des Jahres um über einen halben Prozentpunkt gestiegen.

Wie sollte man nun sein Geld anlegen?

Anlageentscheidungen hängen von der persönlichen Finanzlage und Risikoneigung der Anleger ab. Wer keine Risiken eingehen möchte, der sollte sein Geld in besonders sicher geltenden Anlageformen investieren. Dazu gehören neben Sparkonten und Termingeldern auch als besonders sicher geltende Wertpapiere, wie z.B. Staatsanleihen aus Deutschland. Wer mehr Risiko wagen möchte, findet sicher am Aktienmarkt entsprechende Anlagemöglichkeiten. Aber auch hier gilt: sprechen Sie zuerst mit Ihrem Bankberater vor Ort.

dhz