Der erste Hit von Mike Krüger hieß "Mein Gott, Walther" und kam 1975 in die Plattenläden. Von da an ging seine Karriere als Sänger und Comedian steil aufwärts. Kaum bekannt ist jedoch, dass er davor eine Ausbildung als Betonbauer absolviert hat.
Jana Tashina Wörrle
Mit Songs den Nagel auf den Kopf treffen
DHZ: Mike Krüger und Handwerk, wie passt das zusammen?
Krüger: Besser geht es eigentlich nicht. Ich bin gelernter Betonbauer und habe somit ganz eigene Erfahrungen mit dem Handwerk. Ich denke mal, ich weiß sehr gut, wovon ich spreche.
DHZ: Wie kamen Sie zum Handwerk. Warum haben Sie sich damals für eine Handwerksausbildung entschieden?
Krüger: Ich wollte Architekt werden und da hätte ich ein Jahr Praktikum machen müssen. Mit Fachabitur muss man statt einer dreijährigen nur eine zwei jährige Lehre machen und da hatte ich gedacht, dass es besser ist zwei Jahre vernünftig einen Beruf zu lernen als ein Jahr Praktikant zu sein. Von daher habe ich dann gesagt, ich mache eine Ausbildung als Betonbauer.
DHZ: Als Sprungbrett sozusagen für das Weitere?
Krüger: Ja, und außerdem kann man als Azubi auf der Baustelle auch gut den Scherzbold geben. Ein Praktikum hätte ich sowieso machen müssen und da finde ich, ist eine Lehre doch besser. Erst mal verdient man auf dem Bau natürlich Geld, wenn man in vernünftigen Akkordkolonnen arbeitet. Ich hatte Glück und wurde dort eingesetzt. Ich war in einer der größten Baufirmen in Hamburg tätig, die Paul Hammers AG, und hab auch am Elbtunnel mitgebaut. Damals gab es dort auch schon für Lehrlinge verhältnismäßig viel Geld. Das war eine weise Entscheidung.
DHZ: Was haben Sie durch diese Ausbildung für ihren weiteren Lebensweg gelernt?
Krüger: Naja, erst mal sind das natürlich alles sehr bodenständige Jungs, die man da in den Baubuden trifft und die haben auch so einen ganz speziellen Humor, den ich sehr schätze. Man lernt eine ganze Menge, wenn man eine Handwerksausbildung macht, das kann ich jedem nur empfehlen. Auch wenn man vor hat, vielleicht zu studieren, würde ich eigentlich jedem empfehlen, vielleicht die Zeit dranzuhängen für eine Lehre.
DHZ: Wie lange haben Sie in dem Beruf gearbeitet?
Krüger: Die Ausbildung habe ich nur in den Semesterferien genutzt. Ich war dann ja Betonbauergeselle und konnte somit problemlos auf dem Bau arbeiten und Geld für mein Studium verdienen. Ansonsten habe ich Architektur studiert und dann, etwa im 4. Semester hat mich dann ‚Mein Gott Walter’ überholt und ich bin in die Musik- und Filmbranche gewechselt.
DHZ: Aus welchem Grund sollten sich Jugendliche heute für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden?
Krüger: Wenn ich meine Erfahrungen mit Handwerkern im Moment oder in den letzten Jahren so sehe, denke ich, wir brauchen ganz dringend Fachkräfte, die auch im Handwerk tätig werden. Man trifft da doch auf sehr viele, sagen wir mal, schlecht ausgebildete Billigkolonnen aus dem Ausland. Von daher kann ich immer nur dafür plädieren, dass deutsche Fachkräfte dringend gebraucht werden. Außerdem denke ich, wie man so schön sagt, Handwerk hat goldenen Boden. Also als Handwerker hat man, wenn man gut ist, die Chance, dass man immer eine Arbeitsstelle hat.
DHZ: Ihr aktuelles Live-Programm heißt ja "Is’ das Kunst, oder kann das weg?" Welche Rolle spielt denn die Kunst in Ihrem Leben und hat das evtl. auch etwas mit Handwerk zu tun?
Krüger: Dieser Titel hat mit Kunst im weitesten Sinne eigentlich nichts zu tun. Mein Bühnenprogramm handelt von meinem Umzug vor einiger Zeit von Quickborn zurück nach Hamburg. Auf der Bühne stehen da eine ganze Menge Umzugskartons, aus denen hole ich dann immer irgendwelche Sachen heraus und frage das Publikum: ‚Ist das eigentlich Kunst oder kann das weg?’ Also hat es im weitesten Sinne mit Kunst nichts zu tun, trotzdem bin ich natürlich jemand, der Kunst sehr schätzt. Wenn ich auf Tournee bin und Zeit habe, gehe auch immer gerne mal in ein Museum oder in eine Kunstausstellung.
DHZ: Aber, wenn Sie sagen, dass Sie gerade umgezogen sind, dann haben Sie in der neuen Wohnung bestimmt auch Handwerker gebraucht. Welche Erfahrungen haben Sie da gemacht?
Krüger: Ich habe eine Wohnung gekauft, da waren die Fenster schon drinnen und die Räumen schon fertig, ansonsten konnte man innen drin aber noch alle möglichen Sachen neu gestalten. Das habe ich auch gemacht und da die verschiedensten Handwerker gebraucht und verschiedenste Erfahrungen gemacht. Da gibt es sehr gute Handwerker und da gibt es natürlich welche, wo man hinterher sagt: ‚Hallo, was hast Du denn da gebaut. Meinst Du, das ist gut so?’ Ich bin dafür, dass man Handwerker weiterhin dahingehend ausbildet, dass da wirklich Fachkräfte entstehen und nicht irgendwelche Hilfsarbeiter, die dann die Sachen zusammenklopfen.
DHZ: Neben der Qualität der Arbeit spielt auch immer die Außenwirkung der Handwerker eine große Rolle. Und zum Marketing der Betriebe passt auch Ihre gemeinsame Aktion mit Mercedes Benz ‚Mike sucht Macher’. Dabei können Betriebe sich für bei Ihnen bewerben und einen eigenen Firmensong gewinnen. Denken Sie, dass Handwerksbetriebe anders nach außen auftreten könnten, wenn sie einen eigenen Song haben?
Krüger: Ein eigener Song ist doch toll, es haben sich schon unwahrscheinlich viele Betriebe beworben. Ich stelle mir das so vor, dass zum Beispiel eine Bäckerei, wenn sie einen Song von Mike Krüger geschrieben und auch produziert und gesungen auf einer Macher-CD hat, diese dann in der Bäckerei laufen lassen kann. Wenn sie sogar den Hauptpreis gewinnt, wird ein individuelles Firmenvideo gedreht. Das würden wir direkt vor Ort im Betrieb drehen und ich selbst werde auch mitspielen. Das wäre dann natürlich schon eine Geschichte, die im Ort der Bäckerei für Aufmerksamkeit sorgen kann und die Handwerker könnten auch noch ihren Urenkeln zeigen, wie Mike damals mit ihnen im Betrieb gesungen und geschauspielert hat.
DHZ: Wie individuell werden denn diese Lieder sein und schreiben Sie die wirklich selbst?
Krüger: Die werden total auf diesen Betrieb geschrieben, das ist ja der Sinn der Geschichte, die werden sehr individuell und die schreibe ich alle selbst.
DHZ: Was macht denn für Sie ein Macher aus?
Krüger: Bis jetzt haben sich ganz viele verschiedene Macher beworben. Von einer Frau, die Regenschirm-Automaten herstellt bis hin zu Stahlkonstrukteuren und Abrissunternehmen. Aber ein Macher ist einfach jemand, der seine Dinge selbst in die Hand nimmt, irgendeine Idee entwickelt und die dann durchzieht. Das ist ein Macher, einer, der einfach morgens aufsteht, einen Plan hat und den dann auch durchzieht, das ist für mich ein Macher.
DHZ: Sehen Sie sich selbst auch als Macher?
Krüger: Ja, das kommt ja schon im Wort ‚Liedermacher’ vor. Also, von daher sehe ich mich schon Macher. Ich habe mal gesagt, meine Gitarre ist quasi mein Hammer, wie ich ihn früher auf der Baustelle hinten an meinem Hintern hängen hatte und mit meinen Songs versuche ich dann hoffentlich den Nagel auf den Kopf zu treffen.
Mehr über die Aktion "Mike sucht Macher" erfahren Sie hier .
