Baden-Württemberg Ganz im Zeichen der Staufer

Ausstellungen, Burgführungen und mittelalterliche Feste erinnern an die bedeutende Herrscherfamilie der Staufer.

Von Berthel Reibel

Kaiser Barbarossa von Hans Kloss. Mit einer Länge von 30 m und 4,5 m Höhe ist es das größte Gemälde auf Leinwand in Südwestdeutschland. Foto: Reibel

Ganz im Zeichen der Staufer

Den Staufern, dem bedeutendsten Fürstengeschlecht Europas im Mittelalter, gedenken mehrere Städte und Gemeinden des Bundeslandes, das noch heute die drei Löwen der einstigen Herrscherfamilie in seinem Wappen führt.

Das Kloster Lorch wurde um 1102 als Familiengrablege gegründet. Aber nur Königin Irene von Byzanz, eine Schwiegertochter Barbarossas, wurde hier bestattet. Im Kloster gibt es bis Oktober jeden zweiten Sonntag Greifvogelflugschauen, Erlebnis- und historische Staufermärkte.

Ein Abstecher nach Göppingen führt zum Hohenstaufen, der schon von Uhland als "aller schwäbschen Berge schönster" besungen wurde. Oben ist die Burgruine zu finden, die dem Geschlecht der Staufer ihren Namen gab, und am Fuße des Berges ein kleiner Bau, der mit einer neu konzipierten Ausstellung die Geschichte der schwäbischen Adelsfamilie dokumentiert.

Die älteste staufische Stadtgründung, Schwäbisch Gmünd, ist von besonderem Reiz. Kaiser Friedrich Barbarossa erhob 1186 den kleinen Marktflecken Gmünd als ersten Marktort in Schwaben zur Stadt. In fast jedem Winkel, jeder Gasse erzählen mittelalterliche Buckelquader-Mauern, gotische Portale, alemannisches Fachwerk und prächtige Rennaissancefassaden die Geschichte der Stadt. Beeindruckend ist vor allem die von den Staufern als Taufkirche geplante St.-Johannis-Kirche.

Die Legende sagt, dass Agnes, die Tochter Heinrichs und Gemahlin von Herzog Friedrich von Staufen, auf der Jagd ihren Ehering verlor und gelobt hatte, dass sie – falls sie den Ring wiederfände – an dieser Stelle eine Kirche bauen ließe. Heute wird das Duplikat des "Agnes-Rings" als Mitbringsel in den Juwelierläden der Stadt gerne gekauft.

Der Johannisturm ist ein herausragendes Bauwerk. Dank der Bürgerinitiative „Stufen in den Gmünder Himmel“ können Besucher die 164 Treppenstufen hinaufklettern und über eine Spindeltreppe schließlich bis in die Turmstube gelangen. Die Schwindelfreien haben dann einen Blick über die Stadt, das Remstal und auf die drei Kaiserberge.

2010 jährt sich zum 775. Mal die Gefangennahme von König Heinrich VII. durch seinen Vater. Bad Wimpfen, die größte Stauferpfalz nördlich der Alpen, erinnert an die Gegebenheit mit dem Freilichtfestspiel "Heinrich VII. – Rebell in Samt und Seide" und einem farbenprächtigen Stauferfest. Die Besucher dieser Stadt klettern gerne auf den aus Muschelkalk gebauten Blauen Turm, der auch heute noch bewohnt ist. Wie man so erzählt, ist der Posten eines Türmers sehr begehrt. 60 Anfragen gab es bei der letzten Ausschreibung. Eine Mutter von drei Kindern erhielt den Zuschlag. Die Kinder sind zwar schon lange aus dem Haus. Der Türmerin aber gefällt es in der luftigen Höhe und die Stufen scheinen ihr auch nichts auszumachen.

Da bekanntlich Friedrich II. ein großer Liebhaber der Falkenjagd war, haben die Freiherrn v. Gemmingen-Guttenberg in ihrem Burgmuseum eine Abschrift des von Friedrich II. verfassten Lehrbuchs "Über die Kunst mit Vögeln zu jagen" ausgestellt. Und da sie Besitzer und Betreiber der Deutschen Greifenwarte sind, kann man mit Staunen sehen, wie die Praxis aussieht. Außer Adler, Geier und Uhu wird jetzt zu Ehren der Staufer auch ein Falke eingesetzt. Hoch über dem Neckar und den Köpfen der Besucher können riesige Vögel mit über 2 m Spannweite im freien Flug bestaunt werden.

Um die Erfolgsgeschichte der Staufer zu dokumentieren, hat Mannheim im Reiss-Engelhorn-Museum eine Drei-Länder-Ausstellung (Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz) „Die Staufer und Italien“ vorbereitet, die im September die Veranstaltungen des Stauferjahres abrunden wird.

Info: Tourismusmarketing GmbH Baden-Württemberg, Esslinger Straße 8, 70182 Stuttgart; tourismus-bw.de