Dieses Jahr lief das Osterfest etwas anders ab als sonst: Schon am Samstagabend wurde Auferstehung gefeiert, und zwar am Gladbacher Bökelberg. Im Duell der Borussias besiegte der Letzte den Ersten. Für die Dortmunder bewahrheitete sich dabei eine You-Tube-Vision. DHZ-Bundesligakolumne von Stefan Galler
Gladbachs Auferstehung
Meisterbetrieb: Familienfest in der Arena des Biersponsors
Die beste Nachricht der Woche kommt diesmal – kein Witz – aus Gelsenkirchen. Nicht, dass Manuel Neuer einen Rückzieher gemacht hätte und den Königsblauen nun doch die Treue halten würde. Und auch ein steinreicher Investor, der Schalke für immer aller finanzieller Sorgen entledigt, wurde mitnichten gefunden. Nein, viel besser: Rudi Assauer hat geheiratet, und zwar am 19.04., weil 1904 bekanntlich das Gründungsjahr seines Lieblingsvereins ist. Und bei dieser Gelegenheit hat der gute Rudi gleich noch bekannt gegeben, dass er seit Januar keinen Alkohol mehr trinkt. Also nichts mehr von wegen "Nur gucken, nicht anfassen“, aber mit dem Abgang von Ex-Freundin Simone Thomalla ist Assauer ja damals auch der gemeinsame Biersponsor der beiden abhanden gekommen.
Doch zurück zu Schalke: Dort ist man, womöglich durch die Nachricht vom Glück des Ex-Managers, total auf Harmonie gepolt. So nehmen die Anhänger Neuers bevorstehenden Abschied gelassen, obwohl es den Keeper aller Voraussicht nach auch noch zum verhassten FC Bayern zieht. Und weil zu einem Familienfest auch eine gewisse Freigiebigkeit gehört, luden die Schalker am Samstag den 1. FC Kaiserslautern zu einer Nicht-Abstiegsparty in die heimische Arena des gemeinsamen Biersponsors ein. S04-Coach Rangnick schonte eine Reihe seiner Stars fürs Champions League-Halbfinale gegen Manchester United; prompt setzte sich der FCK mit 1:0 durch und wird damit vermutlich erstklassig bleiben. Soll noch einer sagen, die Bundesliga sei ein hartes Geschäft.
Gesellenstück: Abkürzung im Duell der Borussias
Dieses Jahr lief das Osterfest etwas anders ab als sonst: Schon am Samstagabend wurde Auferstehung gefeiert, und zwar am Gladbacher Bökelberg. Im Duell der Borussias besiegte der Letzte den Ersten, damit reichte Mönchengladbach die Rote Laterne passenderweise an St. Pauli weiter. Dagegen wurde für die Dortmunder eine You-Tube-Vision wahr: Ein Radrennfahrer reißt auf der Zielgerade jubelnd die Arme nach oben, dann stürzt er, wird überholt und kommt am Ende als Zweiter ins Ziel. Trainer Jürgen Klopp hatte das Video aus dem Netz getaucht und seine Jungs, die bekanntlich alle kicken können, damit wachrütteln wollen. Doch irgendeiner hatte auch dem bisher so stabil rollenden BVB-Vehikel die Speichen angesägt, zwar erradelten sie sich auch gegen Mönchengladbach zahlreiche Chancen, doch Idrissou kannte als Einziger eine Abkürzung und strampelte mit seinen Kollegen die knappe 1:0-Führung über die Linie.
Der Schlusspfiff dürfte einige jener Dortmunder Fans schlagartig ernüchtert haben, die nachmittags um vier schon begonnen hatten, den Titel zu feiern – als Konkurrent Leverkusen gegen Hoffenheim in Rückstand geraten war. Es ist zu hoffen, dass sich jemand fand, der diesen Anhängern schonend beibrachte, dass die Borussia jetzt tatsächlich nur noch fünf anstelle von elf Zählern Vorsprung hat. Beispielsweise mit einem You-Tube-Video, das klarstellt, wie zerbrechlich Fußball-Triumphe sein können: Es zeigt, wie Real Madrids Kapitän Sergio Ramos nach dem Gewinn des spanischen Pokals bei der Parade durch die Stadt den Pott vom offenen Bus fallen lässt und das Ding unter den Rädern des Fahrzeugs zermalmt wird. Vielleicht wäre es in diesem Fall besser gewesen, man hätte die Trophäe der Konkurrenz überlassen.
Erstes Lehrjahr: Das Schmuggelnetz des Branchenführers
Dass das Vertrauen der Chefs des FC Bayern in die aktuelle Mannschaft nicht besonders groß ist, dürfte mittlerweile allen aufgefallen sein. Aber da man schlechterdings den ganzen Kader rausschmeißen kann, erwischte es vor zwei Wochen zunächst mal den Trainer (der, da brauchen wir uns nichts vorzumachen, im Vorstand ebenfalls nicht mehr Credibility besaß als ein Gebrauchtwagenhändler). Also van Gaal weg, Jonkers Debüt zuletzt gegen Leverkusen zwar gelungen, aber schon in Spiel zwei ausgerechnet gegen den aus Bayern-Sicht fußballerischen Antichristen Daum und seine Frankfurter schon der nächste herbe Rückschlag. Womit man wieder hinter Hannover zurückgefallen und die Champions League-Qualifikation gewaltig in Gefahr geraten ist. Die Bayern also vielleicht tatsächlich kommende Saison nur in der Europa League? – Eine schreckliche Schmach wäre das. Und nicht zuletzt ein wirtschaftliches Desaster.
Doch Hoeneß, Rummenigge und Hopfner sind vor allem eines: Gewiefte Geschäftsleute. Und deshalb ist man längst dabei, neue Einnahmemöglichkeiten zu sondieren. Der Jahresmitgliedsbeitrag wurde zuletzt um satte zehn Euro erhöht, was sich beim größten Klub Deutschlands mit seinen über 160.000 Mitgliedern dann schon mal lohnt. Doch damit nicht genug.
Psst, eine streng geheime Nachricht: Wie man hört, baut der FC Bayern ein weltweites Schmuggelnetz auf. Verdiente Ex-Profis, die nicht den Anschein erwecken, als wären sie auf ein paar Euro ersparte Einfuhrgebühr angewiesen, kaufen im Ausland billige Klamotten, bringen diese nach Deutschland und verticken sie hier über Internetauktionen. Nur dumm, dass die Zollbeamten am Münchner Flughafen einen Tipp bekommen haben und ihnen gleich mal ein ehemaliger Torwart-Titan ins Netz ging. 125.000 Euro Strafe soll der nun berappen, für Kleidung im Wert von 7.000 Euro. Vielleicht sollten sich die Bayern doch wieder auf ihr Kerngeschäft besinnen.
Zwei linke Hände: Kölsche Passion
Wir haben noch ein aktuelles Gerücht in petto – und dazu noch eines, das blendend zu Ostern passt: In Köln sind sie nämlich angeblich wild entschlossen, Oberammergau als neues Mekka der Passionsspiele abzulösen. Den Jesus soll übrigens Frank Schaefer geben, der streng gläubige Nachwuchstrainer, den sie plötzlich in die Rolle des Messias drängten, der jedoch trotz einiger vollbrachter Wunder nicht recht warm wird mit der unmoralischen Bundesligawelt und deshalb ein Millionenangebot des FC ablehnte.
Als Judas glänzt Sportdirektor Volker Finke, der die Kompetenz des Übungsleiters immer wieder untergraben und angemerkt hatte: "Der Glaube ist Schaefers Problem.“
Am Sonntag in Wolfsburg erlebten die Fans beim 1:4 dann wie fast immer auswärts einen schmerzhaften Kreuzweg – schließlich gelten die Kölner Fußballer in der Fremde ebenso wenig wie der Prophet im eigenen Land. Die Wölfe Mandzukic und Dejagah mimten in einer Doppelrolle eindrucksvoll den römischen Statthalter Pontius Pilatus: Sie verurteilten Köln mit jeweils zwei Toren zum verschärften Abstiegskampf. Damit beginnt für den FC nun eine dreiwöchige Fastenzeit, verbunden mit der Hoffnung, dass der Geißbock am 14. Mai nicht gekreuzigt wird.