Der 28. Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Revolution im fußballerischen Süden

Dem armen Hoeneß bleibt in diesen Tagen aber auch nichts erspart. Als wäre die Konfrontation mit dem eigenen Anhang nicht schon genug, betrat nun auch noch sein alter Erzfeind wieder die Bundesligabühne. Christoph Daum ist zurück. DHZ-Bundesligakolumne von Stefan Galler

Revolution im fußballerischen Süden

Meisterbetrieb: Vorübergehende Hochkonjunktur für Kardiologen

Die Stimmung war ganz schwer am Kippen und ein Hauch von Sensation lag in der Luft: Der BVB schwächelte zuletzt ganz gewaltig, es drohte die Meisterflatter. Niederlage in Hoffenheim, mageres Remis gegen Mainz, dann das verkorkste Länderspiel gegen Australien mit vier Borussia-Bubis in der Jogi-Elf. Nicht wenige erwarteten, dass die Schwarz-Gelben nun richtig einbrechen würden. Noch eine Pleite und der Vorsprung wäre auf vier Zählerchen zusammengeschmolzen. Als dann Hannover 96 am Samstag in Dortmund tatsächlich in Führung ging und fast zeitgleich die Leverkusener gegen Kaiserslautern trafen, hatte mancher der älteren Borussenfans vermutlich schon die Nummer eines örtlichen Kardiologen herausgesucht. Doch dann machte es bummbumm und der BVB drehte das Match in nur fünf Minuten. Das dürfte das Meisterstück gewesen sein, da waren sich alle Beobachter einig. Und zwar vor allem deshalb, weil der einzige verbliebene Verfolger kein Geringerer als Bayer Vizekusen ist und da steckt die Endplatzierung ja schon im Vereinsnamen. Und wenn selbst Kevin Großkreutz, der als Gegenentwurf zum dynamischen jungintellektuellen Typus des Fußballprofis 2011 gilt, so eindeutig Position bezieht, ist alles klar: "Wer jetzt nicht daran glaubt, dass wir die Schale holen, ist bekloppt“, sagte der Klopp-Schüler. Na dann.

Gesellenstück: Revolution im fußballerischen Süden

Sie sind ja durchaus widerstandsfähig, die Anhänger des FC Bayern. Einen holländischen Trainer haben sie weitgehend stillschweigend hingenommen, mit ihm sogar ekstatisch gefeiert, als es noch was zu feiern gab in München. Selbst die verhunzte aktuelle Saison mit dem frühzeitigen Aus im Kampf um die Meisterschaft und den peinlichen Pleiten in den Pokalwettbewerben steckten die Fans noch weg – ganz nach dem Motto: Lass den anderen auch mal ihren Spaß – die Trophäen holen wir uns nächstes Jahr zurück. Dass sie jetzt plötzlich doch aufbegehren, liegt auch gar nicht an der sportlichen Misere. Vielmehr sind es zwischenmenschliche Differenzen und Randaspekte, die das Klima zwischen Vorstand und Anhang stören. In Nahen Osten stürzt ein Despot nach dem anderen, in Baden-Württemberg wird die Regierungspartie nach fast 60 Jahren abgewählt und im fußballerischen Süden Deutschlands wankt plötzlich auch ein Schwergewicht.

Revolution liegt in der Luft. Wer mit dem Abgang von Mubarak und Mappus rechnete, dürfte hellseherische Fähigkeiten besitzen. Dass aber in diesem Frühjahr auch Uli Hoeneß in Bedrängnis geraten würde, ist wahrlich eine Sensation. Weil er den verhassten Lokalrivalen 1860 finanziell stützt, obwohl er das noch bei der letzten Jahreshauptversammlung ausgeschlossen hatte, wird der mächtige FCB-Boss nun als Pinocchio beschimpft. Und dazu versuchen die Fans auch noch, den von Hoeneß und Rummenigge forcierten Transfer von Schalke-Keeper Manuel Neuer zu torpedieren. Es brodelt gewaltig in München und wenn jetzt auch noch das Feierbiest mangels Partystimmung von Bord geht, gibt es bald gar nichts mehr zu lachen. Nur eines scheint klar: Uli wird seinen Platz nicht wegen ein paar Oppositioneller räumen. Er ist ja nicht Mubarak oder Mappus.

Erstes Lehrjahr: Der Bundesliga-Pistolero ist zurück

Dem armen Hoeneß bleibt in diesen Tagen aber auch nichts erspart. Als wäre die Konfrontation mit dem eigenen Anhang nicht schon genug, betrat nun auch noch sein alter Erzfeind wieder die Bundesligabühne. Christoph Daum ist zurück. Er gab beim 1:1 im Abstiegsduell mit Felix Magaths Wolfsburgern sein Debüt als Trainer von Eintracht Frankfurt. Das ist das Schöne an der Fußballwelt: Irgendwann taucht jeder wieder auf, hätten Daum und Hoeneß im Wilden Westen gelebt, es würde längst nur noch einen von beiden geben. Dass der seriöse Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen nun ausgerechnet Pistolero Daum das Unternehmen Klassenerhalt anvertraut, ist ziemlich überraschend. Aber zumindest einen Bruder im Geiste hat der ehemals verschnupfte Coach in der Hessenmetropole schon gefunden: Raubein Maik Franz trägt den Colt immer ziemlich locker, das war auch bei Daums Premiere so, als er den Wolfsburger Arne Friedrich mit bewusster Provokation in einen Platzverweis trieb und dafür selbst seine elfte Gelbe Karte dankend in Kauf nahm. Fragt sich nur, ob Franz sich intern besser zu benehmen weiß, denn Daum – ausgerechnet er – verlangt allerhöchste Disziplin von seinen Spielern. Wer bei offiziellen Anlässen seine Krawatte nicht ordentlich gebunden hat, muss 25 Euro Strafe zahlen, Kritik am Trainer wird mit 1000 Euro berechnet. Das wird den griechischen Jesus-Darsteller Amanitidis interessieren, der ja gerne mal auf Daums Vorgänger bei der Eintracht, Michael Skibbe, losging. Ein anderer Frankfurter Grieche wird nun aus seiner selbst gewählten Isolation geholt: Teofanis Gekas muss endlich Deutsch lernen. Bisher hat er immer nur Tore sprechen lassen. Der große Schweiger, auch ein Westernheld.

Zwei linke Hände: Rauf mit den Getränkepreisen!

Über 35 Jahre ist es her, da wollte Bundesliga-Schiri Wolf-Dieter Ahlenfelder schon nach 30 Spielminuten der Partie zwischen Werder Bremen und Hannover 96 zur Pause pfeifen. Erst nach längeren Diskussionen ließ sich der beleibte Referee davon überzeugen, dass die Zeit noch nicht reif sei. Er hatte vor dem Match im Vereinsheim des Weserstadions eine fette Gans gegessen, dazu Bier und Malteser getrunken. Heutzutage sind die Schwergewichte unter den Regelhütern allerdings die Ausnahme. Kaum einer hat ein paar Kilo zu viel, die Unparteiischen wirken eher selbst wie Ausdauersportler. Dass es da an der notwendigen Standfestigkeit mangeln kann, ist nicht überraschend. Ahlenfelder wäre jedenfalls kaum zu Boden gegangen, wenn ihm einer einen Bierbecher in den Nacken geworfen hätte. Er hätte eher versucht, das Getränk aufzufangen und zu leeren. Und eventuell hätte er beim Absender noch einen Kurzen nachgeordert. Linienrichter Thorsten Schiffner jedoch fiel am Freitag beim Spiel zwischen St. Pauli und Schalke wie ein nasser Sack zu Boden, als ihn das Wurfgeschoss unvermittelt traf. Die gute Nachricht: Dem Assi geht es wieder gut, er kam weitgehend mit dem Schrecken davon. Die schlechte: Auf den FC St. Pauli warten nach dieser üblen Aktion harte Sanktionen, möglicherweise sogar eine Platzsperre. Die Gute-Laune-Fans vom Millerntor haben jetzt erst einmal den Chaoten-Stempel abbekommen. Dabei hat das eigentliche Phänomen noch niemand beleuchtet: Wie kann es sein, dass es sich beim Hamburger Verein der kleinen Leute einer leisten kann, einen vollen Bierbecher wegzuschmeißen? Da hilft nur eines: Die Getränkepreise erhöhen – und Ahlenfelder reaktivieren!