Viele Handwerker bewegen sich während ihrer Arbeit vor den Augen ihrer Kunden. Die im Beruf getragene Bekleidung hat dann einen hohen Stellenwert. Sie muss die für die Branche stehenden Attribute und für das Unternehmen stehende Werte transportieren. Sie ist also ein wichtiger Marketingfaktor. Von Sabine Anton-Katzenbach
Farbe zum Unternehmen bekennen
Für eine optimale Außenwirkung setzen viele Unternehmen daher auf Outfits in Corporate Design. Doch nicht jeder Handwerker braucht eine wirkungsvolle Berufsbekleidung. In Betrieben mit einer hohen Personalfluktuation reicht oft eine schlichte, preiswerte Lösung.
In Deutschland ist fast jeder Siebte in einem Handwerksberuf tätig. Jeden Tag sind knapp elf Millionen Menschen unterwegs, um Rohre zu reparieren und Wände zu tapezieren, Fleisch- und Backwaren herzustellen und zu verkaufen, Teppiche zu verlegen und Büros zu verkabeln, Mauern zu errichten, Dächer zu decken oder auf Bahnsteigen für Sauberkeit zu sorgen. Ihre Arbeit führen sie dabei stets unter den Augen von Kunden oder Passanten aus. Diese hohe Sichtbarkeit ist für viele Unternehmen ein ausschlaggebendes Kriterium, das die Wahl der Berufsbekleidung beeinflusst.
Sie sehen das Erscheinungsbild ihrer Mitarbeiter als Marketinginstrument, um sich vom Wettbewerb sichtbar zu differenzieren. Daher entscheiden sich vor allem Handwerksbetriebe mit regelmäßigem Kundenkontakt für eine hochwertige Mitarbeitergarderobe. Sie muss einerseits der eigenen Corporate Identity möglichst nahe kommen, andererseits den Qualitätsanspruch an die eigene Leistung optisch transportieren. Wenn ein Betrieb außerdem eine eindeutige Differenzierung vom Wettbewerb wünscht, setzt er, wie die Tereg Gebäudedienste aus Hamburg, auf ein hochwertiges textiles Erscheinungsbild nach eigenen Vorstellungen.
Der Betriebsleiter Marc Liedtke erläutert die Vorteile: „Corporate Fashion ist ein sichtbares Markenzeichen, das für unsere Leistung steht. Wir wollen, dass die gute Arbeit unserer Teams eindeutig mit unserem Unternehmen in Verbindung gebracht wird. Ganz besonders wichtig wird dieser Aspekt, wenn mehrere Dienstleister im selben Bereich tätig sind.“ Durch den einheitlichen Auftritt des Personals, so die Erfahrung des Hanseaten, kann ein Kunde erkennbare Unterschiede in der Gebäudepflege sofort zuordnen. Die Garderobe, in der die Corporate Identity des Gebäudedienstes fortgeschrieben wird, bietet damit einen echten Wettbewerbsvorteil.
Form folgt Funktion
Eine Berufsbekleidung nach „Maß“ hat aber weitaus mehr zu bieten. Da sie auf die Bedingungen des Betriebs zugeschnitten wird, können individuelle Anforderungen des Unternehmens berücksichtigt werden. Liedtke fasst die Maßgaben seines Bereichs zusammen: „Die Bekleidung unserer Mitarbeiter soll funktionell sein. Sie muss ausreichend und geeigneten Stauraum für Werkzeuge und Ausrüstung bieten. Wir suchten außerdem eine vernünftige Unterbringung für die Mitarbeiterausweise. Diese sollen auf einen Blick erkennbar sein.“ Das Unternehmen hat daher eine spezielle Taschenlösung mit Sichtfenster entwickeln lassen. Dort sitzt die Kennkarte immer am richtigen Platz. Dass diese Extras möglich sind, hat das Unternehmen vor allem seiner Größe zu verdanken: Tereg zählt knapp 1.700 Beschäftigte. Die Anfertigung einer eigenen Mitarbeitergarderobe ist in diesen Größenordnungen überhaupt kein Problem.
Klare Vorgaben
Daher konnte der Gebäudedienstleister auch bei der Gewebefrage spezielle Vorstellungen umsetzen lassen. Der Stoff, aus dem die Mitarbeiterbekleidung gefertigt wird, ist ein Mischgewebe mit einem höheren Polyesteranteil. Dieses Textil nimmt erheblich weniger Feuchtigkeit auf als Baumwolle. Diese Eigenschaft soll Belastungen der Haut durch Chemikalienspritzer verhindern, wie sie etwa beim Nachfüllen der Reinigungsanlagen entstehen können. Da die Gewebe außerdem auch schneller trocknen, wird ein Auskühlen der Haut vermieden.
Und noch in einem weiteren Punkt hat sich das Unternehmen ein Mitspracherecht ausbedungen: Die Arbeitskleidung darf nicht von Kindern gefertigt werden. Das Konfektionsunternehmen muss sich zur Einhaltung internationaler Vereinbarungen gegen verbotene ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILO-Konvention 182 verpflichten (Internationale Arbeitsorganisation: Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit). Die Entwicklung der unternehmenseigenen Garderobe kennt auch Grenzen. So sind bei eigenen Garderobenlösungen geltende Unfallverhütungsvorschriften und rechtliche Vorgaben vor Designaspekten zu berücksichtigen.
Arbeitssicherheit geht vor
Die Entwicklung der Unternehmenseigenen Garderobe kennt allerdings auch Grenzen. Zum einen ist Corporate Fashion mit größeren Abnahmemengen verbunden, die für kleinere Betriebe uninteressant und unbezahlbar sind. Der Wunsch nach einem eigenen Stil bleibt dennoch nicht unerfüllt. Denn die Kollektionen vieler Anbieter umfassen eine große Auswahl an Standard-Kleidung. Sie lässt sich frei kombinieren und sogar mit extravaganten Unternehmenslogos versehen.
Zum anderen sind bei eigenen Garderobenlösungen geltende Unfallverhütungsvorschriften und rechtliche Vorgaben vor Designaspekten zu berücksichtigen. Das ist etwa in der Lebensmittelproduktion der Fall, wo die DIN 10524 Anwendung findet. In der Metallverarbeitung oder dem Elektrohandwerk wird ein Schutz gegen Flammen, Hitze, flüssiges Metall oder statische Entladung gefordert. Bei der Reinigung beweglicher Maschinenteile kann das Tragen von Maschinenschutzkleidung (DIN EN 510), bei Tätigkeiten im Gleisbereich oder auf Fahrbahnen die Nutzung von Warnkleidung (DIN EN 471) notwendig sein. In der Tankreinigung ist möglicherweise Chemikalienschutzkleidung gefragt, im Außenbereich wiederum müssen Schutzfunktionen gegen kühle Umgebung (DIN EN 14085) und Regen (DIN EN 343) gegeben sein. Und in der Grünpflege muss möglicherweise auf Schnittschutz geachtet und die DIN EN 381 berücksichtigt werden.
Tragbarer Sonnenschutz
Darüber hinaus wird für das häufige Arbeiten im Freien ein weiterer Schutzfaktor immer wichtiger, der das Corporate Design jedoch nicht beeinträchtigt: der Schutz gegen Ultraviolettes (UV) Licht. Physikalisch betrachtet ist UV-Licht eine elektromagnetische, kurzwellige Strahlung, die im Wellenlängenbereich zwischen 400 und 280 Nanometer (nm) liegt. UV-Licht ist vor allem wegen seiner Hautpigmentierenden Wirkung bekannt. Doch diese Eigenschaft hat auch ihre Schattenseite. Zu viel des Guten bewirkt Sonnenbrand. Aufgrund der kurzen Wellenlänge können die Strahlen tief in die Haut eindringen. Je nach Strahlungsintensität und Einwirkdauer kann es zur Hautrötung, Schmerz und Blasenbildung kommen. Im schlimmsten Fall kann sich nach Jahren sogar Hautkrebs bilden.
Bei regelmäßigen Außenarbeiten empfehlen sich daher Maßnahmen zur Verringerung des gesundheitlichen Risikos. Diverse Hersteller bieten inzwischen Berufskleidung mit einem wirksamen Schutz der Haut vor UV-Strahlen an. Die Gewebe weisen einen Sonnenschutzfaktor (UPF) aus. Dieser gibt an, wie viel länger sich der Nutzer im Bereich von UV-A und UV-B Strahlen aufhalten kann, ohne Hautschäden davonzutragen. Noch bis vor wenigen Jahren war man davon ausgegangen, dass nur schwere, unkomfortable Arbeitsbekleidung eine entsprechende Wirksamkeit gegenüber UV-Strahlen besitzt. Eine Untersuchung des Forschungsinstituts Hohenstein in Bönnigheim hat allerdings gezeigt, dass der UV-Schutzfaktor je nach Faserart, Materialdicke, Oberfläche, Struktur und Farbe des Textils sehr unterschiedlich ausfällt. Durch spezielle Ausrüstungsverfahren ist es inzwischen möglich, sogar leichte Kleidung mit einem UPF 80+ herzustellen.
Schlichte Alternative
Nicht jeder Handwerksbetrieb hat allerdings Bedarf an einer hochfunktionellen, marketingwirksamen Berufskleidung. Im Gegenteil: Personaldienstleister, die sich auf Handwerksleistungen spezialisiert haben, wollen wenig Geld für die Bekleidung der Mitarbeiter ausgeben. Hauptsache ist, dass die Bekleidung farblich zum Branchenbild passt. Einen Schritt weiter gehen Betriebe, die eine optische Abgrenzung zu ihrem Wettbewerb wünschen. Sie setzen gerne zweifarbige Bekleidung ein. Sie soll farblich dem Bild der Branche angenähert sein und muss einen angemessenen Preis haben. Immerhin geben sie dem ersten Blick damit wenigstens eine Chance.
Sabine Anton-Katzenbach