Mauritius gilt als ein Paradies auf Erden. Die Insel im Indischen Ozean hat weit mehr zu bieten als weiße Strände und türkisfarbenes Meer. Von Patrick Choinowski
Lächeln unter Palmen
Der Mond legt sich zur Ruhe. Langsam versinkt er am Horizont und scheint ins Wasser zu fallen. Das Dunkel der Nacht wird noch schwärzer. Lediglich das Rauschen des Meeres bleibt. Das feine Wasser des Indischen Ozeans umspielt die Fußsohlen. Da lässt es sich wunderbar träumen und erholen. Und, wenn man Glück hat, liegt das Hotelzimmer direkt am weißen Sandstrand, der nur von Palmen verdeckt und maximal sieben Fußschritte entfernt ist. Nicht von ungefähr gilt Mauritius als eines der romantischsten Urlaubsziele für Honeymooner.
Fünf-und Sechs-Sterne-Hotels säumen die Strände und bieten alles, was sich die Gäste von einem Paradies auf Erden wünschen: Lauschige Bungalows direkt am Meer – zum Teil mit eigenem Pool –, üppige Wellnessanlagen, in denen es lohnt, eine Freiluftmassage zu genießen oder aber eine der zahlreichen Wassersportmöglichkeiten nachzugehen, die in jedem Hotel kostenlos angeboten werden. Viele Anlagen verfügen auch über weite, sattgrüne Golfplätze, die ebenfalls viele Touristen anziehen und nicht nur Flitterwochen-Urlauber nach Mauritius locken.
Freundliche Mauritier
Das größte Pfund der 1.865 km2 großen Insel im Indischen Ozean sind aber ihre Bewohner. Stets ein Lächeln haben die Mauritier auf den Lippen. Ihre Freundlichkeit und Herzlichkeit sind einzigartig. Sie arbeiten mit Freude und übertragen ihre Fröhlichkeit an die Gäste. Klar, die leben ja im Paradies, denkt man da schnell. Doch das ist nur eine kleine Minderheit. Die meisten stehen nicht auf der Sonnenseite. Was nämlich für den Urlauber das Paradies, ist für die Mauritianer oft der harte Kampf ums Überleben. Da ist beispielsweise der Zimmerjunge, der seine umgerechnet 40 Euro Monatslohn für seine Hochzeit spart und dessen Traum es ist, irgendwann einmal ein eigenes Haus zu bauen. Oder die Frauen, die tagtäglich bis ins hohe Alter durch harte Arbeit in den Salinen das Salz gewinnen. Deutlich zu erkennen sind die Unterschiede zwischen Luxus und Armut in der Hauptstadt Port Louis. Rund 160.000 Menschen leben hier. Während in der Shopping Mall "Le Caudan Waterfront“ Designerartikel für die Touristen feilgeboten werden, versuchen sich die Einheimischen auf dem Markt einige Straßen weiter mit dem Verkauf von Zahnbürsten und Plastiktüten durchzuschlagen.
Ihre unterschiedlich stark braun gefärbte Haut verdeckt viele Sorgen, zeugt aber von der Geschichte der Mauritianer. Die Insel ist ein kultureller Schmelztiegel. Chinesen, Araber und Europäer bevölkerten die Insel, die etwa 800 km von Madagaskar entfernt liegt. Die meisten Einwanderer kamen aus Indien, um das wichtigste Exportprodukt, Zuckerrohr, zu bearbeiten. Knapp 50 Prozent der 1,23 Millionen Einwohner sind Hindus, was unschwer an den zahlreichen Tempeln und vor allem am Grand Bassin zu erkennen ist. Hier lässt sich der Hinduismus hautnah erleben. Das Wasser des Sees ist für die Hindus heilig. Ein Besuch lohnt am Sonntag, wenn der indische Teil der Bevölkerung hier die Gottheit Shiva feiert. Über der gesamten Umgebung liegt dann der Geruch von Räucherstäbchen, die zahlreichen Blumen- und Obstspenden zeichnen ein faszinierendes buntes Bild in die grüne Landschaft.
Erde mit sieben Farben
Apropos Landschaft: Mauritius hat weit mehr zu bieten als weiße Strände, Palmen und türkisfarbenes Meer. Zwar kommen die meisten Touristen deswegen auf die Insel, doch sollten sie unbedingt auch Ausflüge in das Landesinnere unternehmen. So bietet der 90 m hohe Wasserfall von Chamarel ein sehenswertes Naturschauspiel. Oder die siebenfarbige Erde, deren Phänomen noch nicht gänzlich geklärt ist. Das vegetationslose Stück Erde schimmert besonders bei Sonnenuntergang in verschiedenen Farbtönen.
Mit Farben weiß Mauritius zu klotzen. Doch selbst, wenn die Sonne so plötzlich untergeht, als wenn man auf einen Lichtschalter drückt, kann die Insel noch verzaubern. Und das nicht nur, wenn der Mond im Meer versinkt.