Der Theiß-See ist ein Eldorado für Wassersportler Ungarn für Aktivurlauber

Ungarn war schon immer das Reiseland für deutsche Touristen. Bis zur Wiedervereinigung tafen sich hier Familien aus West und Ost. Manche Großeltern sahen dabei zum ersten Mal ihre Enkel. Da Ungarn außerdem ein interessantes und schönes Land ist, kommen noch immer viele Deutsche, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Von Berthel Reibel

Ungarn für Aktivurlauber

Für Natur-Liebhaber ist der in Deutschland fast unbekannte Theiß-See in der Großen Tiefebene eines der schönsten Ziele. Er wurde in den 1970er Jahren als Bewässerungssystem für die große ungarische Tiefebene entwickelt. Die Ungarn bauten einen Damm in den Fluss, erhöhten den Wasserspiegel um 2 m und erhielten so ein Wasserparadies, das mit fast 127 m2 nach dem Plattensee das zweitgrößte Gewässer Ungarns ist und die größte zusammen hängende Angler-Wasserfläche des Landes hat. Die UNESCO wies das Theiß-Becken als Vogelschutzgebiet aus. Hier leben über 1.000 Brutpaare, wie Grau- und Kamm-Reiher, Nachtreiher, Schwarzstörche und Kraniche. Bis Ende November erleben die Besucher jeden Morgen und jeden Abend ihren Hin- und Rückflug zwischen Futter- und Übernachtungs-Plätzen. Oft werden mehr als 70.000 Tiere gezählt.

Sehr zu empfehlen ist auch ein Bootsausflug zum Tuba-Hof in der Puszta. Der Inhaber dieses Hofes spricht von seinen "schönen Tieren“, das sind weiße Rinder "mit wenig Cholesterin“, blond gelockte Schweine, unfassbar groß und dick, Esel und Pferde. Ein bisschen erinnert das alles an Lieselote Pulvers Piroschka, aber auch an die Drosselgasse in Rüdesheim.

1.000 Thermal- und Heilquellen

In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele Thermal- und Heil-Quellen wie in Ungarn. Derzeit sind es ca. 1.000, davon 350 mit bewährter Heilwirkung, viele davon gibt es in der südlichen Tiefebene. Die Kur- und Badeorte reihen sich wie Perlen an einer Kette vom Theiß-See bis fast zur rumänischen Grenze. Das dort sprudelnde Thermalwasser ist zur Regeneration und Heilung von verschiedenen Erkrankungen, (Wirbelsäule, Herz- und Gefäßleiden oder chronischen Muskelschmerzen) weit über Ungarn hinaus bekannt.

Ausflüge gehören natürlich auch dazu. Ein ebensolcher führt nach Békès. Er ist schon deswegen interessant, weil es auf dem Weg dorthin eine alte Palinka-Brennerei gibt, die ihre ersten Obstbrände mit einer umgebauten Dampf-Lokomotive, die noch heute zu besichtigen ist, brannte. Auch ein Ausflug nach Gyula ist lohnend. Die Familie Albrecht Dürers und auch der Komponist der ungarischen Nationalhymne und Begründer der ungarischen Nationaloper, Ferenc Erkel, haben hier ihre Wurzeln. Sehenswert ist auch der Besuch der im 15. Jahrhundert erbauten Burg. In deren Nähe liegt eine Badesiedlung, deren Thermal-Bad zu den schönst gelegenen Freibädern des Landes gehört.

Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch der viertgrößten Stadt Ungarns: Szeged. Der Dom dieser Stadt ist eines der "sieben Wunder Ungarns", die einzige Basilika des Landes, die im 20. Jahrhundert erbaut wurde. Hier befindet sich eine der größten Kirchenorgeln Europas und die zweitgrößte, fast 86 Zentner schwere, Kirchenglocke Ungarns. Dann ist der Reök-Palast, ein wunderschöner Jugendstilbau, der heute ein Museum beherbergt, zu bewundern, und es ist nicht erstaunlich, dass Darmstadt, die Jungendstil-Stadt Deutschlands, seit 20 Jahren eine Städte-Partnerschaft mit Szeged verbindet. Und wenn die Stadtbesichtigung in der Neuen Synagoge zu Ende geht, macht man sich mit dem Gefühl, einen besonders interessanten und schönen Urlaubstag gehabt zu haben, auf den Heimweg.