Sensationelle Meldung aus München: Der 29. Oktober soll im Freistaat Bayern zum Feiertag erhoben werden. Passend zur herbstlichen Tristesse wird an diesem Tag von nun an immer derjenigen gedacht werden, an die sonst keiner mehr denkt. Die Verantwortlichen des FC Bayern sind auf die ulkige Idee gekommen, erklärt Stefan Galler ind er DHZ-Bundesligakolumne.
Tag der Vergessenen
Meisterbetrieb: Viva Diego!
Wir wollen zunächst einmal herzliche Grüße nach Argentinien schicken: Diego Armando Maradona feierte am Wochenende seinen 50. Geburtstag. Vermutlich legt er gar nicht so großen Wert auf Gratulationen aus Deutschland, denn wir sind immerhin für die schwersten Niederlagen seiner Karriere verantwortlich gewesen. 1990 im WM-Finale von Rom, als Diego noch selbst kickte und zuletzt bei der Weltmeisterschaft in Südafrika, als die DFB-Elf Trainer Maradona gleich mit 4:0 demütigte. Das argentinische Drama hatte übrigens Krake Paul damals vorhergesagt, was ihm den grenzenlosen Hass von Fußball-Ikone Diego einbrachte. Dementsprechend gab es auch nicht viel Mitleid vom Jubilar, als der Wirbellose vergangene Woche das Zeitliche segnete. "Ich bin froh, dass er tot ist, es war seine Schuld, dass wir die WM verloren haben."
Nanana, ausgerechnet Maradona, der wegen seines ganz eigenen Lebenswandels schon einige Male ans Totenreich angeklopft hat, zeigt so wenig Pietät? Sagen wir so, es gibt weltweit kaum einen größeren Schwarz-Weiß-Maler als die kugelrunde Kicker-Koryphäe. Wen er mag, den vergöttert er geradezu. Wen er ablehnt, der bekommt heftige Verbalinjurien zu spüren. Dem früheren Fifa-Boss Joao Havelange rief er einst zu: "Ich will nicht, dass er sagt, dass er mein Vater ist. Ich habe einen super Vater und nicht einen Hurensohn wie ihn.“ Zu George W. Bush bemerkte er: "Er ist ein Krimineller, da ist es mir lieber, mit Fidel Castro befreundet zu sein.“ Aber noch mehr Verachtung als für Funktionäre und Politiker hat Maradona für Menschen übrig, die nicht Fußballspielen können. Zu den Nationalteams von Norwegen und Schottland sagt Diego: "Die haben viereckige Füße, das sind Robocops.“ In diesem Sinne: Lang lebe der gesetzlose Gaucho.
Gesellenstück: Verbindliche Spitzentrainer
Nun scheint also klar zu sein, wen es in dieser Saison zu jagen gilt: Die Dortmunder haben sich durch einen Sieg im Spitzenspiel gegen Mainz am Sonntag wieder an die Bundesligaspitze gesetzt und sich nicht zuletzt durch ihre spektakuläre Spielweise in die absolute Favoritenrolle katapultiert. Das muss auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß einräumen, der jedoch im Falle des Meistertitels für den BVB sogar profitieren würde. Seine Frau hat einstmals Aktien der Borussia gekauft, 5.000 zu rund elf Euro das Stück. Derzeit kostet das Papier etwa 1,70 Euro und Hoeneß kann hoffen, dass die Anteile im Falle eines Titelgewinns der Schwarz-Gelben wieder ein bisschen klettern. Ist übrigens nur ein Gerücht, dass Susi Hoeneß seit der, nun ja, mäßig erfolgreichen Investition nicht mal mehr das Haushaltsgeld verwalten darf.
Doch zurück zum Duell der Dortmunder mit den Mainzern und damit zum Wettstreit der jung-dynamischen Trainer Klopp und Tuchel. Klaus Hafner, der Mainzer Stadionsprecher, kennt beide gut und ist nicht der Meinung, dass es sich bei den beiden um Trainerzwillinge handelt. Aber er hat dann doch eine Gemeinsamkeit ausgemacht: Beide seien so verbindlich, dass sie dem Papst ein Doppelbett andrehen könnten. Vielleicht sollten sich Klopp und Tuchel mal mit dem Verkauf der BVB-Aktie beschäftigen. Da wäre dann auch für Uli und Susi Hoeneß noch was drin.
Erstes Lehrjahr: Tag der Vergessenen
Sensationelle Meldung aus München: Der 29. Oktober soll im Freistaat Bayern zum Feiertag erhoben werden. Passend zur herbstlichen Tristesse wird an diesem Tag von nun an immer derjenigen gedacht werden, an die sonst keiner mehr denkt. Die Verantwortlichen des FC Bayern sind auf die ulkige Idee gekommen, sie sollen schon einen entsprechenden Antrag unter dem Codenamen "Tag der Vergessenen" bei der Staatsregierung gestellt haben. Auslöser für diese ungewöhnliche Initiative war der 4:2-Sieg des Rekordmeisters gegen den SC Freiburg. Unter den Torschützen waren mit Demichelis, Gomez und Timoschtschuk gleich drei Spieler, die noch vor ein paar Wochen froh sein mussten, wenn sich Trainer van Gaal bei der Besetzung der Reservebank an sie erinnerte.
Bei drei von vier Toren leistete Danijel Pranjic die Vorarbeit, jener Kroate, der an Unauffälligkeit nicht zu überbieten ist und schon aufgrund seiner Körpergröße gerne mal übersehen wird. Und als hätte er Angst gehabt, selbst an so einem Tag in Vergessenheit zu geraten, fasste sich Edson Braafheid kurz vor Schluss ein Herz und donnerte das Ding mit Vollspann ins eigene Tor – das geht auch an solchen Tagen leichter als eine gegnerische Abwehr zu überwinden. Vor seiner Einwechslung hatte Braafheid übrigens vom vierten Offiziellen eine genaue Einweisung bekommen, wo er sich warmmachen dürfe. Als ob das ein versierter Dauerreservist nicht wüsste. Da hätte der Schiri dem Holländer lieber mal erzählen sollen, in welche Richtung seine Mannschaft spielte.
Zum Schutzpatron der Vergessenen wird übrigens Martin Demichelis erhoben: Der Innenverteidiger küsste nach seinem Tor das Bayern-Wappen auf dem Trikot und scharte nach Spielende die Journalisten um sich. Es sei vielleicht sein letztes Spiel für diesen Verein gewesen, sagte er. Nicht nur dank dieses 29. Oktobers wird man sich an den heiligen Demichelis immer erinnern.
Zwei linke Hände: Dilettanten-Ball
Das hier geht an alle Bundesligisten: Wir nehmen keine Bewerbungen für die Rubrik "Zwei linke Hände“ mehr an. Woche für Woche blamieren sich so viele Teams bis auf die Knochen, dass es nicht mehr möglich ist, hier eine objektive Auswahl zu treffen. Auch diesmal wurde wieder in einer ganzen Reihe von Stadien dilettiert, angefangen von der Arena Auf Schalke, wo sich nun auch Trainer Magath ans Niveau seiner Mannschaft anpasst und den Leverkusenern den Sieg schenkte, indem er Spielmacher Rakitic als linken Verteidiger aufstellte. In Kaiserslautern vergab Gladbachs Idrissou beim Stand von 0:0 eine todsichere Chance so kläglich, dass er dafür selbst in der Kreisklasse aus dem Verein gekegelt worden wäre – am Ende hieß es 3:0 für den FCK. Und bei Werder Bremen benahmen sich Team und Offizielle während und nach der Heimpleite gegen Nürnberg wie eine total zerstrittene Horde von Egomanen. Trainer Schaaf zoffte sich mit Marin, Manager Allofs mit Silvestre und Torsten Frings beleidigte alle Mannschaftsteile im Handstreich. Dass irgendeiner mit sich selbst unzufrieden gewesen ist – davon wurde nichts bekannt. Schließlich wurde aus St. Pauli laut „Bild-Zeitung“ im Spiel gegen Frankfurt "St. Fouli“, ein Elfmeter und der Platzverweis gegen Asamoah brachten die Kiez-Kicker auf die Verliererstraße. Es ist übrigens nur ein Gerücht, dass Eintracht-Torjäger Gekas nach dem Spiel wegen des geschenkten Elfmeters unbedingt mit Schiri Fritz das Trikot tauschen wollte.