Der erste Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Mimosen beim Eröffnungsspiel

Angeblich erhält die TSG Hoffenheim von Rubin Kasan 20 Millionen Euro Ablöse für Carlos Eduardo. Jetzt könnte man fragen, was 1899-Mäzen Dietmar Hopp mit 20 Millionen will. Das wäre ja das Gleiche, als wenn man dem Besitzer eines Kieswerks einen LKW voller Steine vorbeibringt. DHZ-Bundeskolumne von Stefan Galler

Mimosen beim Eröffnungsspiel

Meisterbetrieb: Ein Sieg der Gene

War das ein angenehmer Ligaauftakt am Freitagabend: Zuerst kugelten 18 junge Menschen in überdimensionalen Wasserbällen durch die Allianz Arena, zeitgleich quittierten die heimischen Fans den Aufmarsch von Fahnenträgern aller Bundesligaklubs mit dem Sprechchor "Außer Bayern könnt ihr alle gehen". Und danach kickten die letzten beiden Meister gegeneinander. Wobei die Wolfsburger, Champion 2009, nur zehn Minuten lang mitmachten – und dennoch den aktuellen Titelträger in dieser kurzen Zeitspanne an den Rand einer Niederlage brachten.

Aber eben nur an den Rand, denn die Bayern sind bekanntlich anders als andere Fußballmannschaften und gewinnen auch Spiele, in denen sie sich längere Auszeiten nehmen. Der Siegeswille versetzt eben Berge – und dieses Gewinner-Gen, das sagte Siegtorschütze Schweinsteiger, sei "eingeimpft".

Bleibt die Frage, ob Martin Demichelis sich einer DNA-Wäsche unterziehen muss, wenn er die bayerische Landeshauptstadt demnächst verlassen wird. Der Argentinier hatte schon vor dem Brimborium mit den Wasserbällen für den ersten Skandal der Saison gesorgt, weil er sich weigerte, auf der Reservebank Platz zu nehmen. Micho ist eben ein stolzer Gaucho, der vermutlich auch sein Rindersteak nur widerwillig beim Metzger kauft. Am liebsten würde er die Kuh selbst erlegen.

Stolz und Verletzlichkeit – das ist auch bei den "Wölfen" derzeit ein Thema. Spielmacher Misimovic musste sich immerhin die erste Halbzeit von draußen ansehen, brachte nach seiner Einwechslung viel Musik ins Spiel und gab nach der Partie den beleidigten "Mimosevic". Er wisse nicht, ob er bei Wolfsburg bleibe, das müsse man die VfL-Verantwortlichen fragen, grantelte er. Vielleicht sollten sich Micho und Misimo ja einfach mal gemeinsam auskotzen. Kann unglaublich befreiend sein.

Gesellenstück: Treffsichere Don-Kosaken

Ein perfektes Wochenende erlebte die TSG Hoffenheim: Traumhaftes Wetter, ein 4:1-Festival gegen Pokalfinalist Bremen und dazu noch die Aussicht auf einen warmen Geldregen: Angeblich gibt’s von Rubin Kasan 20 Millionen Euro Ablöse für Carlos Eduardo. Jetzt könnte man fragen, was 1899-Mäzen Dietmar Hopp mit 20 Millionen will. Das wäre ja das Gleiche, als wenn man dem Besitzer eines Kieswerks einen LKW voller Steine vorbeibringt.

Schon unglaublich, wie die Elf von Ralf Rangnick ihr Gesicht verändert. Jetzt spielen sie plötzlich wieder so wie in der Vorrunde ihrer ersten Bundesligasaison. Fast so, als hätten sich die Hoffenheimer in der Sommerpause in eine Zeitmaschine gesetzt oder zumindest einer Frischzellenkur unterzogen. Der Hoppeltanz beim Torjubel erinnerte zwar an eine Truppe volltrunkener Don-Kosaken, mit ihrem Spiel jedoch sorgten die TSG-Helden für echte Begeisterung.

Das konnte man von den Bremern wahrlich nicht behaupten, geradezu willenlos purzelten sie ins Debakel – und das nach einer 1:0-Führung. Nach der unterirdischen Leistung besteht Anlass zur Sorge, dass der 3:1-Vorsprung aus dem Hinspiel im Champions-League-Playoff gegen Sampdoria Genua rasch aufgebraucht sein könnte. Immerhin geht es da um 15 Millionen Euro. Aber vielleicht hilft im Falle eines Scheiterns ja ein Spendenaufruf an Dietmar Hopp, um das Loch in der Kasse zu stopfen.

Erstes Lehrjahr: Felix wird Waschfrau

In seiner alljährlichen Saisonvorschau in der "Bild"-Zeitung hat Mario Basler schon mal seinen Meister gekürt: Schalke 04 macht es diesmal laut dem Partygänger aus der Pfalz. Ob der neue Trainer von Wacker Burghausen das ernst gemeint hat, ist nicht überliefert. Der Auftritt bei der Saisonpremiere gegen den HSV macht den leidgeprüften Anhängern der Königsblauen jedenfalls nicht wirklich Hoffnung.

Und abgesehen von der sportlichen Findungsphase rumpelt es auch in Reihen der Verantwortlichen ganz gewaltig. Fußball-Napoléon Felix Magath hat den langjährigen Fanbeauftragten rauswerfen lassen – und dem wurde seine Ablösung noch nicht mal in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. Aufsichtsratschef Clemens Thönnies lederte daraufhin ob der Stillosigkeit gegen den Trainer und sagte, der Rest der Liga halte sich vor Lachen schon die Bäuche. Das wird spätestens dann passieren, wenn die Konkurrenten erfahren, warum Magath den Ansprechpartner für alle S04-Anhänger entsorgt hat: Seit er Sportdirektor Horst Heldt an seiner Seite hat, fühlt sich der Workaholic unterbeschäftigt, da macht er künftig einfach zusätzlich noch den Fanbetreuer. Gerüchten zufolge will Magath demnächst auch noch eine der Bratwürstelbuden in der Schalker Arena betreiben und sich um das Waschen der Trikots kümmern.

Zwei linke Hände: Missachtete Vorfahrt nach 87 Sekunden

Alle freuen sich, dass endlich wieder gekickt wird – nur in Köln ist pünktlich zum Start der große Katzenjammer ausgebrochen: 1:3-Heimpleite gegen den hypernervösen Aufsteiger Kaiserslautern, Lukas Podolski wieder ganz der Alte – gänzlich ungefährlich und damit im Vergleich zur WM kaum wiederzuerkennen. Und dann kassierte der FC auch noch einen Blitz-Platzverweis nach 87 Sekunden gegen Innenverteidiger Mohammed. Der neue Rekordhalter zeigte sich nach seiner Rambo-Attacke als letzter Mann gegen FCK-Ösi Jimmy Hoffer gänzlich uneinsichtig und behauptete Stein und Bein, seinen Kontrahenten nicht gesehen zu haben. Womit der Kapitän seinen Auftritt vor dem Sportgericht gleich mal mit einem Besuch beim Augenarzt verbinden sollte. Vielleicht aber wird sich Mohammed auch einfach dafür stark machen, dass auf dem Fußballplatz Ampelanlagen errichtet werden, die in ähnlichen Situationen die Vorfahrt regeln. Da muss er sich dann nur eine ganz wichtige Regel merken: An der Ampel soll man bei Rot stehen bleiben, im Fußball heißt Rot, dass man gehen muss.

So wie auf der einen Seite Mohammed wird auf der Gegenseite Keeper Tobias Sippel dieses Match nie vergessen. Bei seiner Bundesligapremiere pritschte der junge Lauterer eine Flanke ohne Not vor die Füße von Kölns Stürmer Novakovic und verschuldete damit das 0:1. Am Ende war er nicht nur froh, dass die Offensivkollegen seinen Patzer ausbügelten, sondern wusste auch, dass er es als Volleyballer niemals zu höheren Weihen bringen wird. Alles eine Frage der Gene. Apropos Gene: Nächste Woche trifft Sippel mit den Roten Teufeln auf die Bayern.