In der Klima-Liga ganz vorne Impuls-Arena: Das erste CO2-neutrale Stadion

Die Impuls-Arena in Ausgburg ist das erste klimaneutrale Fußballstadion der Welt. Bei Spielen des FC Augsburg oder der Damen-Nationalmannschaft bei der Frauen-Fußball-WM 2011 werden etwa zehn Prozent an Energiekosten gespart. Von Sepp Steinbrenner, Augsburg

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    30.660 Besucher fasst die Impuls-Arena in Augsburg. Hier trägt der FC Augsburg seine Zweitligaspiele aus. Das Energiekonzept verknüpft Hightech und schwäbische Sparsamkeit. Foto: LEW
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    Eine der beiden Wärmepumpen mit einer Heizleistung von 645 kW. Neben den roten Druckausgleichbehältern befindet sich ein Plattenwärmetauscher. Dieser entzieht dem Grundwasser Wärme und gibt sie an den Wärmepumpenkreislauf weiter. Im Hintergrund die Rohre der Brunnenwasserleitung. Foto: LEW

Impuls-Arena: Das erste CO2-neutrale Stadion

Verschiedene Technologien sollen für einen umweltschonenden Betrieb sorgen: Eine Photovoltaikanlage auf dem Stadiondach erzeugt eigenen Strom. Die Stadtwerke Augsburg sind für die Erschließung sowie für die Energie- und Wasserlieferung zuständig. Außerdem stellen sie eine Umwandlungsanlage für die nötige Niederspannung bereit. Für die Heizung liefern die Stadtwerke Strom, Gas, Wärme und Kälte. Dabei arbeiten die Stadtwerke mit dem Bayerischen Elektrizitätswerk (BEW) zusammen, einer Tochter der Lechwerke AG in Augsburg (LEW).

Beide Partner setzen auf ökologische Wärmepumpen. Bis zu sechs Brunnen, je 40 Meter tief, fördern Grundwasser. Dieses erzeugt über Wärmetauscher die gewünschte Temperatur. Ein Bioerdgas-Kessel liefert die Energie, die darüber hinaus zu Spitzenlastzeiten während des Spiels noch nötig ist.

Zehn Prozent gespart

Die innovative Anlagentechnik spart dem FCA auf Dauer gutes Geld. 10.000 l Heizöl müsste der FCA laut dem konservativen Energiemodell für ein Zweitligaspiel verfeuern – an einem einizigen Wettkampftag in der Wintersaison, wenn tatsächlich 30.660 Besucher in dem Stadion sind. Allein die Rasenheizung der Impuls-Arena benötigt rund 1.200 kW Strom, also in etwa so viel, wie 120 Einfamilienhäuser verbrauchen.

Wer die Rasenheizung von Dezember bis März im Schnitt 1.000 Stunden betreibt, stellt sofort eine Vergleichsrechnung zwischen dem alten und dem neuen Energiekonzept an. Das kostengünstigere und ökologisch nachhaltigere Energiemodell sieht dieselben Einsparpotenziale beim Heizen, Kühlen und Lüften vor. Die magische Kennziffer lautet: minus zehn Prozent – zu einer gleichwertigen Gas- oder Ölheizung.

Neue Standards setzen

Für die LEW und die Stadtwerke Augsburg wäre es nicht besonders reizvoll gewesen, dem FCA nur die Idee von einer CO2-neutralen Rasenheizung zu verkaufen. Die Lech- und Stadtwerke wollten vielmehr am Beispiel eines Großprojekts – selbst im internationalen Vergleich – völlig neue energetische und ökologische Standards setzen. Sie wollten Augsburg zum ersten CO2 -neutralen Stadion der Welt verhelfen.

Die Nutzung des Grundwassers in der Lechebene durch den Einsatz von zwei Wärmepumpen und Bioerdgas – erzeugt in der benachbarten Gemeinde Graben – sowie Biostrom – erzeugt aus heimischer Wasserkraft – sollten für jenen Ressourcenmix zur Deckung des Energiebedarfs der FCA-Arena sorgen, der den Prädikaten "erneuerbar" und "nachwachsend" zu hundert Prozent gerecht wird.

Der Fan in der Arena merkt von der ganzen Technik praktisch nichts. Er wünscht sich ein spannendes Fußballspiel und viele Siege für den FCA. Das wäre doch was, wenn die Bundesliga in der nächsten Saison hier gastieren würde – im weltweit einzig energieneutralen Fußballstadion.