Aida bei den Bregenzer Festspielen Wenn der Bodensee zum Nil wird

Wer eine spektakuläre Aufführung von Guiseppe Verdis Oper Aida erleben möchte, der sollte für diesen Sommer noch einen Ausflug nach Bregenz einplanen. Dort wird das Werk noch bis zum 22. August auf der Seebühne am Ufer des Bodensees aufgeführt. Von Frank Muck

  • Bild 1 von 2
    ©
    Die Bühne der Aida-Inszenierung bietet den Zuschauern spektakuläre Bilder. Foto: Bregenzer Festspiele/Forster
  • Bild 2 von 2
    ©
    Der höchste Punkt des Bühnenbildes misst 68 Meter. Foto: Bregenzer Festspiele/Forster

Wenn der Bodensee zum Nil wird

Zu Beginn noch sieht man nur die überlebensgroßen Füße (Schuhgröße 2.400) der Freiheitsstatue, die den Bühnenhintergrund bilden für das Spiel von tragischer Liebesgeschichte, Krieg und Patriotismus. Im Laufe der Geschichte werden andere Fragmente – ebenfalls in monumentaler Größe – ins Bühnenbild integriert, aber auch wieder herausgenommen. Seitlich an den Bühnenrändern ist je ein Liebherr-Baukran integriert, der Gesicht und Fackel dieses Symbols der Freiheit rein-, rauf- und wieder rausschwenkt. So macht das Bühnenbild die Aufführung zu einem besonderen Erlebnis, ganz besonders wenn in 48 Meter Höhe die Hohepriesterin – gespielt von einer Stuntfrau- vor einem Augenfragment der Statue auf einer kleinen Plattform über der Bühne schwebt, während unten Krieger und Priester ihren Gott anflehen. Grandios auch das Schlussbild, wenn ein Totenschiff gewissermaßen die Sterbenden Aida und Radames über die gesamte Breite der Bühne und schließlich auf die Bühnenrückseite entschweben lässt. Bilder, denen man sich nur schwer entziehen kann.

Interpretation bleibt dem Zuschauer überlassen

Die Statue in Himmelblau mit vielen goldenen Sternen, – eine Gestaltung, die der Bühnenbildner Paul Brown einer Decke in der Tempelanlage von Karnak (Ägypten) entlehnt hat –,steht schon als Sinnbild für Freiheit, die in der Geschichte der äthiopischen Sklavin Aida natürlich eine besondere Rolle spielt. Doch es ist dem Zuschauer überlassen, was er in dieses Bild interpretiert. Schließlich steht das Denkmal auch für die USA, die durchaus Imperialismus und kriegerische Auseinandersetzung verkörpern. Krieg und Heimatliebe sind die treibenden Kräfte für die Geschichte von Aida, die zwischen Freiheitsdrang, Heimweh und der Liebe zum ägyptischen Feldherrn Radames, der gezwungen ist gegen ihr Heimatland in den Krieg zu ziehen, hin- und hergerissen ist.

Regisseur Graham Vick gelingt es mit seiner Inszenierung, den Bodensee nicht nur zur bloßen Kulisse für die Oper zu machen, sondern ihn in die Aufführung zu integrieren. Die Bühne liegt damit nicht einfach nur auf dem See. Der See ist die Bühne. Er ist der Nil, an dessen Ufern das Land Ägypten liegt, in dem die Oper spielt. Die Sänger und Schauspieler sind doppelt gefordert, weil sie das Wasser nicht nur als Rahmen nutzen, sondern ihr Spiel im feuchten Element fortsetzen. Hilfreich ist hierbei die Technik, die im Vordergrund eine 24 Meter lange drehbare "Brücke" mit 192 Quadratmetern knapp unter und über der Wasseroberfläche einsetzt und so auch die Tanzgruppe bei ihrem Wasser aufpeitschenden Ballett gut in Szene setzt.

Tickets: Tel. 0043/5574/407 -6, Fax 0043/5574/407 -400