Trichet bringt Währung unter Druck Euro-Verkäufe setzen sich fort

Angetrieben von der Sorge um die Finanzlage einiger Staaten im Euroraum hat die Gemeinschaftswährung ihren freien Fall gegenüber anderen wichtigen Währungen fortgesetzt.

Euro-Verkäufe setzen sich fort

Nach den Ausführungen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, fiel die Währung sogar unter die Marke von 1,27 Dollar und damit auf ein neues 14-Monatstief. Gegen 18.25 Uhr wechselte der Euro für 1,2734 Dollar den Besitzer.

Trichet habe zu wenig geliefert, "um das Vertrauen der Märkte in die Fähigkeit der Geldpolitik und der Politik wieder herzustellen, die Krise handhaben zu können", sagte Stefan Kolek, Kreditanalyst beim UniCredit. Ein anderer Marktteilnehmer meinte, dass die Trichet-Aussagen die Bedenken nicht entschärften, dass andere Länder wie Portugal oder Spanien ebenfalls Hilfen benötigten.

Die nächste wirkliche charttechnische Unterstützung des Euro zum Dollar liege nunmehr im Bereich von 1,25 Dollar. "Derzeit wird aber auch schon auf Stände von 1,22 bis 1,23 Dollar innerhalb der kommenden vier Wochen gewettet", sagte ein Devisenhändler.

Auch zum Yen, Pfund Sterling, zum Kanadischen und Australischen Dollar sowie zur Schwedischen Krone ist der Euro auf neue Jahrestiefstände abgerutscht.

Unterdessen stieg der Schweizer Franken mit einem Stand von 1,4046 auf ein Allzeithoch zur Gemeinschaftswährung. Bereits am Mittag war der Euro nach einer wochenlangen Hängepartie auch zur schweizerischen Landeswährung kräftig unter Druck geraten.

Nach Aussage von Händlern stellte die Schweizer Nationalbank (SNB) zu diesem Zeitpunkt ihre Stützungskäufe von Euro gegen Franken ein. Die SNB wollte sich zu der jüngsten Bewegung am Devisenmarkt nicht äußern. Die Notenbank kommentiere Spekulationen über ihre Aktivität am Devisenmarkt generell nicht, sagte ein Sprecher. Marktbeobachter gingen davon aus, dass die SNB ihre Interventionen auf dem bisherigen Niveau aufgegeben und eine niedrigere Verteidigungslinie aufgebaut hat.

ddp