Der 30. Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Kloppos Rückkehr ins Mekka der Narren

Das hatten sich die Narren ja mal wieder fein ausgedacht: Zuerst dem verlorenen Sohn einen triumphalen Empfang bereiten und ihm in den folgenden 90 Minuten die Laune so richtig vermiesen. Gesagt, getan. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

Kloppos Rückkehr ins Mekka der Narren

Meisterbetrieb: Schotte geizt mit Fairness

Natürlich müssen wir noch ein paar Worte verlieren zum Husarenstück des FC Bayern im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester United. Da hatte Trainer Alex Ferguson, eigentlich ein schottischer "Sir", den Lügenbaron gegeben und seinen Star Wayne Rooney aufgestellt, obwohl man die Öffentlichkeit eine Woche lang glauben hatte lassen, dem ach so schwer verletzten Mittelstürmer droht das vorzeitige Karriereende. Das "Theater der Träume", wie das Stadion Old Trafford genannt wird, wurde zum Kasperltheater. Doch der kauzige Ferguson schien mit seiner Schmierenkomödie Erfolg zu haben, die Bayern waren in der Anfangsphase wie paralysiert, erstarrten in Ehrfurcht und gaben ihren 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel sogleich aus der Hand. Nichts deutete in den ersten 40 Minuten auf eine nach-österliche Auferstehung der Münchner hin, dann traf Nani zum 3:0 für Manchester, zeigte beim anschließenden Torjubel eine spektakuläre Turnübung und demonstrierte mit dieser Aktion, dass aus seiner Sicht das Fell des bayerischen Bären nun verteilt werden konnte. Die Engländer wähnten sich schon bei der Siegesfeier mit üppig gefüllter Brieftasche, leckeren Drinks und heißen Frauen – doch dann kam das personifizierte Gegenteil aller irdischen Genüsse: Ivica Olic. Sein Tor hielt Bayern im Spiel, über Robbens Wunderschuss ist alles gesagt.

Zurück blieb ein schlechter Verlierer Ferguson, der den Platzverweis gegen seinen Außenverteidiger Rafael den Protesten der Bayern-Spieler zuschrieb und deren Intervention beim Schiedsrichter als "typisch deutsch" bezeichnete. Der sonst so vorbildliche Sir Alex spart in diesen Tagen mit Humor und Fairness. Aber Geiz ist ja bekanntlich typisch schottisch.

Gesellenstück: Besiegter Humorist

Das hatten sich die Narren ja mal wieder fein ausgedacht: Zuerst dem verlorenen Sohn einen triumphalen Empfang bereiten und ihm in den folgenden 90 Minuten die Laune so richtig vermiesen. Gesagt, getan – die Fans des FSV Mainz 05 ließen Jürgen Klopp, ihren ehemaligen Liebling und jetzigen Trainer von Borussia Dortmund, bei seiner erstmaligen Rückkehr an den Bruchweg ordentlich hochleben, am Ende trollte sich der blonde Fußball-Lehrer ziemlich bedient von seiner ehemaligen Wirkungsstätte und musste einen herben Rückschlag im Kampf um die internationalen Plätze verdauen.

Doch Frohnatur Kloppo fuhr direkt weiter ins "Aktuelle Sportstudio" und ließ dort ein wahres Feuerwerk der flotten Sprüche los. Das begann mit einem kleinen Hinweis an seinen Ex-Klub, als er schilderte, am Nachmittag erstmals überhaupt in der Gästekabine des Mainzer Stadions gewesen zu sein: "Und ich muss sagen, da hätte man schon den ein oder anderen Euro investieren können." Er gab bereitwillig Auskunft über die Tücken des Alltags bei der Suche nach einem Mietobjekt: "Es ist schwer für einen BVB-Trainer in Dortmund, ein Haus zu finden, weil früher die Fluktuation so hoch war." Und er nahm humorig die fast schon groteske Fußballbegeisterung der Borussia-Fans aufs Korn: "Sobald in Dortmund die Stadiontore geöffnet werden, sind 70.000 da – da muss noch nicht mal ein Spiel stattfinden." Ein Glück für jeden, der die Bundesliga satirisch beleuchtet, dass nicht alle Trainer so lustig sind. Wir wären überflüssig.

Erstes Lehrjahr: Beckenbauers königsblauer Gen-Pool

Es zeichnet sich ein Ende der Leidenszeit für alle Schalker ab. Natürlich noch nicht in dieser Saison, die 2:4-Pleite bei Abstiegskandidat Hannover 96 war ein weiterer Rückschlag im Duell mit den Bayern, die ihren Vorsprung auf die Königsblauen durch das 1:1 in Leverkusen auf zwei Punkte vergrößerten. Aber Hilfe kommt ausgerechnet aus München, wo eine junge Lichtgestalt heranwächst: Ein Enkel von Franz Beckenbauer ist tatsächlich Schalke-Fan, das gestand der Fußball-Kaiser am Samstag im Fernsehen. Nicht ohne mit süß-saurer Miene hinzuzufügen: "Er ist ein bissl missraten."

Sollten es trotz dieser aus Sicht des Opas üblen Fehlentwicklung aber doch ein paar Sieger-Gene in den Pool des Jung-Beckenbauers geschafft haben und sich in den nächsten Jahren wie beim Familienoberhaupt über die Maßen ausbilden, dann blicken die Schalker in eine goldene Zukunft. In Hannover jedoch hatte die Gewinnermentalität des kaiserlichen Thronfolgers noch nicht genug Strahlkraft. Stattdessen gelang es ausgerechnet dem früheren Schalker Coach Mirko Slomka, seinem Ex-Klub in die Suppe zu spucken. Er hatte seine 96-er während der Woche mit Medizinbällen trainieren lassen – ganz nach dem Vorbild Felix Magath. Und Softie Slomka ließ auch während des Spiels den harten Mann raushängen, legte sich mit Schiri Gagelmann an und musste die Schlussphase von der Tribüne aus beobachten.

Als der Sieg feststand, wurde der Trainer dort von einer Woge der Sympathie überschüttet, wildfremde Menschen umarmten ihn, so dass er anschließend gar nicht mehr machomäßig rüberkam, als er fast zärtlich erklärte: "Manchmal ist es eben doch ganz schön, wenn man auf die Tribüne geschickt wird."

Zwei linke Hände: Breisgauer Prügelknaben

Wie in der Vorwoche hat sich auch diesmal eine ganze Gruppe von desolaten Mannschaften darum beworben, in unserer Verlierer-Kategorie zu landen. Nehmen wir die Berliner Hertha, die immer neue Superlative in Sachen Erfolglosigkeit aufstellt: In der gesamten Rückrunde erzielte der Tabellenletzte gerade mal zwei Tore im eigenen Stadion. Seit 14 Heimspielen wartet die Hauptstadt auf einen Sieg im Olympiastadion, klappt es auch gegen Schalke und Bayern nicht, hätte Hertha BSC die alte "Bestmarke" der Berliner Kollegen von Tasmania aus 1966 übertroffen. Richtig peinlich auch der neue Tabellenvorletzte SC Freiburg, dabei fiel die Pleite in Bremen mit 0:4 ja noch ein bisschen angenehmer aus als im Hinspiel, wo es gleich sechs Gegentore gehagelt hatte. In den vergangenen vier Duellen mit Werder kassierten die Breisgauer bei null Punkten 1:20 Tore. SCF-Abwehrchef Heiko Butscher brachte es auf den Punkt: "Jedes Mal, wenn ich gegen die spiele, kriege ich die Hucke voll."

Lachnummer der Woche sind diesmal allerdings definitiv die Hoffenheimer, das Feindbild jedes Fußball-Traditionalisten. Nach der unterirdischen Leistung beim 0:2 gegen Köln gab es "Rangnick raus!"-Rufe und eine Blockade des Mannschaftsbusses. Völlig neue Aktionen, die man in dieser Form von den braven 1899-Anhängern nicht kannte. Für Trainer Ralf Rangnick eine logische Folge des schlechten Umgangs in der Bundesliga: "Unsere Fans reagieren so, wie sie es aus anderen Stadien kennen", sagte er und es schwang ein vorwurfsvoller Ton durch. Rangnick klang wie der betuchte Vater, dessen behütete Kinder sich von den Ghetto-Jugendlichen auf die schiefe Bahn bringen lassen. Da hilft nur, eine Retortenliga zu gründen, wo man ausschließlich auf seinesgleichen trifft.