Top-Joker mit merkwürdigen Essgewohnheiten, Pikantes von der schwarzen Zunft und ein Funktionär mit Funktionsstörungen. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler
Kopf-an-Kopf-Rennen bleibt spannend
Meisterbetrieb: Friedliche Diva
Das Kopf-an-Kopf-Rennen an der Bundesligaspitze bleibt spannend und die Bayern richten sich Gegner Leverkusen im Fernduell her wie ein Box-Champion seinen Herausforderer: Letzte Woche lagen die Münchner noch zwei Treffer hinter der Werkself, jetzt ist es nur noch ein Törchen – der Führungswechsel rückt näher, da muss man kein Prophet sein. Dabei hatte der Rekordmeister gegen Dortmund sogar ein frühes 0:1 und mehrere geradezu groteske Böcke seiner Innenverteidiger Demichelis und van Buyten zu verkraften.
Doch Ribéry und Robben mischten den BVB in der Folgezeit ganz gut auf, auch wenn sich die Schwarz-Gelben viel mehr wehrten als man das erwarten durfte, schließlich hatte Jürgen Klopp zumindest öffentlich schon mal die Option überdacht, die Punkte freiwillig nach München zu überweisen. Das Understatement lohnte sich nicht, am Ende jubelten die Bayern. Und nicht einmal Ribéry hatte schlechte Laune, obwohl er wie schon im Pokalspiel gegen Fürth vorzeitig ausgetauscht wurde.
Da sich aber praktisch alle Mitspieler herzlichst von der Franzosen-Diva verabschiedeten und man schon darauf wartete, dass die Kollegen im Moment des Wechsels für den gelb beschuhten Dribbler den Hut rumgehen lassen würden, zeigte sich dieser gut temperiert, ließ den Fehde-Handschuh an und reichte die Rechte seinem Trainer. Apropos gute Laune: Dass auch Spitzenreiter Leverkusen am Samstag was zu lachen hatte, lag vor allem am Torwart von Gegner Wolfsburg: André Lenz leistete sich praktisch zwei Eigentore und dürfte für diese Einlagen vielleicht sogar noch eine Einladung zum rheinischen Karneval bekommen.
Gesellenstück: Holländische Geschmacksfragen
Sieht so aus, als hätte der Hamburger Sport-Verein einen richtig dicken Fisch an Land gezogen mit seinem neuen Stürmerstar: Ruud van Nistelrooy, einst Eindhoven, dann Manchester und Madrid, geht jetzt an der Waterkant auf Torejagd. Und dass er es immer noch draufhat, konnte er beim 3:1-Auswärtssieg in Stuttgart unterstreichen: In der 65. Minute eingewechselt, in der 75. und 77. Minute den Doppelpack geschnürt, das Match für den HSV eingetütet und mal wieder unter Beweis gestellt, dass die Niederländer der Bundesliga richtig gut tun.
Jaja, kicken können sie, unsere Nachbarn, fast so gut wie Eisschnelllaufen – denn dort reicht es ja regelmäßig zu Olympiagold und sogar zu Weltmeistertiteln. Nur in Geschmacksfragen, da sind sie nicht so ganz sattelfest. Das geht schon bei den grell-orangefarbenen Nationaltrikots los, Arjen Robbens mittlerweile verbotene Schmuddel-Unterhose genügte ebenfalls nicht dem ästhetischen Ansprüchen.
Und wenn man sich dann vor Augen führt, dass van Nistelrooys Lieblingsspeise ein mit Nutella bestrichener Pizzateig ist, dann dreht sich dem ein oder anderen vermutlich der Magen um. Zumindest den Ex-Kollegen von Real wird es so gegangen sein, denn „Van the Man“ ließ sich das Gruselgericht in Madrid von seinem Lieblingsitaliener sogar in die Kabine liefern. Über Geschmack lässt sich eben genauso trefflich streiten wie über Fußball – gerade mit Holländern geht beides am allerbesten.
Erstes Lehrjahr: Schiri-Affäre ohne Hoyzer
Sie haben es nicht leicht, die Unparteiischen: Woche für Woche werden ihre Entscheidungen auf die Goldwaage gelegt, wenn mal einer falsch liegt, ist gleich vom Tomaten-Schiri die Rede. Und dann bekommen sie noch nicht mal den vehement geforderten Chip im Ball, der das Schiedsrichtern zumindest bei der Frage Tor oder nicht Tor so viel einfacher machen würde. Als hätten die deutschen Referees nicht schon genügend Probleme, schlittern sie jetzt auch noch in eine richtig brenzlige Affäre. Man braucht ja nicht allzu viel Fantasie, um bei den Begriffen "Schiedsrichter“ und "Affäre“ seine Schlüsse zu ziehen: Doch die aktuelle hat nicht etwa mit Bestechung, Wetten und dem Café King zu tun, sondern – kein Witz – mit Sex.
Liegt übrigens bestimmt nicht daran, dass die Fußball-Polizisten nicht mehr im tristen schwarz auf dem Platz herumlaufen, sondern bunte Gewänder tragen dürfen. Nein, es handelt sich um eine interne Angelegenheit: Schiri-Sprecher Amerell wurde vom Jung-Star der Branche, Michael Kempter, beim DFB verpfiffen oder – je nach dem, was rauskommt – nur angeschwärzt. Zumindest begrifflich passt ja bei den Regelhütern beides ganz gut. Belästigt soll der verheiratete Amerell den 35 Jahre jüngeren Schützling haben, hässliche Vorwürfe, die das deutsche Schiedsrichterwesen in eine tiefe Krise stürzen könnten.
Schließlich hat sich so mancher Beobachter schon mal gewundert, wie es Kempter mit gerade mal 21 Jahren bis in die 2. Liga und mit 23 ins Oberhaus schaffen konnte. Der mit großem Abstand jüngste Bundesliga-Schiri aller Zeiten ist mittlerweile sogar schon international im Einsatz. Auch ohne voreingenommen zu sein oder sich gar in ein schwebendes Verfahren einmischen zu wollen, drängt sich dem neutralen Beobachter da ein ziemlich unguter Verdacht auf.
Zwei linke Hände: Zweitklassiger Geschäftsführer
In unserer letzten Kategorie klettern wir diesmal nicht nur in die hinteren Erstliga-Regionen, sondern gleich runter in die 2. Etage. Die Münchner Löwen sorgen in diesen Wochen mal wieder für Schlagzeilen und – der Szene-Kenner wird es ahnen – es handelt sich wie meistens um keine guten. Der Geschäftsführer des TSV 1860, ein gewisser Manfred Stoffers, bekennend ahnungslos in allen fußballerischen Fragen, gibt alles, um das ohnehin seit Jahrzehnten angekratzte Image des Klubs nicht besser werden zu lassen.
Zunächst legte er sich mit dem FC Bayern an und unterstellte dem Lokalrivalen, die Sechziger bei deren Notverkauf der Arena-Anteile über den Tisch gezogen zu haben. Es folgte erwartungsgemäß ein Wutanfall inklusive roter Birne von Uli Hoeneß, der beklagte, nun dafür "verarscht“ zu werden, dass er den Rivalen hatte "nicht absaufen“ lassen. Man trifft sich vor dem Kadi. Da muss Stoffers sehen, dass es nicht zu Terminkollisionen kommt, denn auch mit dem Sportgericht des DFB müssen sich die Löwen demnächst zusammensetzen, nachdem es vor Wochenfrist beim 0:1 im Heimspiel gegen Ahlen zu heftigen Ausschreitungen gekommen war.
Dazu muss man wissen, dass der Sechzig-Boss sein Grußwort im Stadionheft mit deftigen Worten angereichert hatte: „Liebe Löwen-Fans, welchen unserer Gegner können Sie am wenigsten leiden?“, stand da. In den folgenden Zeilen war von "Kotzbrocken-Vereinen“ und "Hasskappen“ die Rede, ehe Stoffers vielsagend schloss: "Mögen Sie eigentlich Rot-Weiß Ahlen? Also, wenn ich ganz ehrlich bin...“ Im Spiel gab es dann eine Feuerzeug-Attacke auf Ahlens Keeper, nach Spielende gingen Löwen-Fans auf den Schiri los. Dass dieses Fehlverhalten unmittelbar mit den Provokationen des Geschäftsführers zu tun hatte, liegt auf der Hand. Genauso wie der Rückschluss, dass Fußball nicht das einzige Themengebiet ist, auf dem Stoffers nicht Bescheid weiß.
