Der 16. Bundesliga-Spieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Das Bayern-Gen ist zurück

Ein scheintoter Kroate, Pipi-Keeper im Ausnahmezustand und Slapstick made in Niedersachsen: Diese Merkwürdigkeiten des 16.Spieltages kommentiert Stefan Galler in der DHZ-Bundesligakolumne.

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Das Bayern-Gen ist zurück

Meisterbetrieb: Humorbombe in Oranje-Clogs

Wer dachte, dass Louis van Gaal ein verknöcherter, humorloser und menschenverachtender Grantlhuber ist, muss sein Urteil in diesen Tagen revidieren. Kaum gewinnen die Bayern wieder, schon sieht man auf dem Gesicht des holländischen Coaches dann und wann ein kleines Lächeln – zumindest kurzzeitig. Im Sportstudio machte sich der strenge Fußballlehrer sogar zum Horst, indem er mit orangefarbenen Holzclogs auf die Torwand schoss.

Der Jahrhundertsieg in Turin am Dienstag und das Schützenfest gegen Bochum am Samstag haben ganz allgemein beim Rekordmeister die Laune gehoben, das bestätigte auch Torjäger Mario Gomez: "Es macht wieder Spaß", sagte er nach dem Bochum-Match und hatte ein paar besonders warme Worte für seinen Sturmpartner Ivica Olic übrig: "Ivi ist ein positiv Verrückter. Manchmal steht er neben mir und ich denke, der stirbt gleich. Und dann zieht er wieder einen 40-Meter-Sprint an."

Der scheintote Kroate Olic, der immer schon nach fünf Minuten aussieht, als habe er bereits fünf Stunden Fußball in den Knochen, ist maßgeblich am neuen Aufschwung der Münchner beteiligt. Seit er wieder spielen kann, gewinnt der FCB. Und ein Motivationsgenie ist er offenbar auch noch: Seinen kroatischen Landsmann Danijel Pranjic nötigte er zu einer fiesen Wette: Wenn der Kollege bis zur Winterpause kein Tor erzielen würde, müsste er für die Kinder von Olic den Weihnachtsmann spielen. Weil sich Pranjic offenbar um keinen Preis mit den Blagen des Landsmannes herumärgern wollte, wuchtete er gegen den VfL das Spielgerät mit aller Macht in die Maschen. Vielleicht kommt ja nun Onkel Louis van Gaal als Santa Claus ins Hause Olic. Wäre bestimmt lustig.

Gesellenstück: Kampf gegen das Verlierer-Gen

Das Bayern-Gen funktioniert nach einer Frischzellenkur wieder ohne Defekt, während sich – für Leverkusen weniger erbaulich – deren Bayer-Gen ebenfalls zurück zu melden scheint: Wie stets in der Vereinsgeschichte droht die Werkself auch in diesem Jahr vor dem Griff an die Meisterschale kollektiv zu versagen. Schon letztens in Hannover war von breiter Brust nichts mehr zu sehen, nun schaffte es die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes nicht mal, beim Tabellenletzten Hertha BSC eine 2:1-Führung über die Nachspielzeit zu schaukeln.

Dabei hatte Leverkusen zuvor einen 0:1-Rückstand umgedreht, was manchen Beobachter denken ließ, dass sie jetzt endlich reif sind, die Spötter für immer schweigen zu lassen und den Evergreen "Ihr werdet nie Deutscher Meister!" aus allen Fankurven zu verbannen. Doch dann ging der Schuss eben doch noch nach hinten los und alle, die Bayer 04 ohnehin nichts zugetraut hatten, sehen sich bestätigt. Doch eines sollten diese Miesmacher nicht außer Acht lassen: Kießling und Co. sind auch nach 16 Spielen noch unbesiegt und haben immer noch zwei Punkte Vorsprung. Und Heynckes ist ein alter Fuchs – und zudem aus früheren Zeiten Träger des Bayern-Gens.

Erstes Lehrjahr: Außer Rand und Band

Er stellt die Bundesligafans seit Jahren vor große Rätsel, dieser Jens Lehmann. Nun neigt sich seine Laufbahn dem Ende zu, da dreht der – um es mal vorsichtig auszudrücken – ungewöhnliche Profi noch einmal richtig auf. Zunächst griff er seinen Arbeitgeber VfB Stuttgart scharf an, als jener Trainer Markus Babbel entließ. Man habe mit dieser Maßnahme dem Druck "pubertierender Jugendlicher" nachgegeben, so Lehmann in Anspielung auf die Fanproteste nach dem 1:1 gegen Bochum vergangene Woche.

Derartige Kritik ließen sich die VfB-Bosse nicht bieten und brummten Lehmann eine Strafe in Höhe von 40.000 Euro auf. Doch sie hatten offenbar nicht mit der "Geiz-ist-geil"-Mentalität ihres Torwarts gerechnet. Der denkt jedenfalls gar nicht daran, kurz vor Weihnachten die Rolle des edlen Spenders einzunehmen. Wo kommen wir denn da hin! Das ist mindestens eine Monatsladung Sprit für Lehmanns Helikopter. Bleibt die Frage, wie die bekanntlich sehr an finanziellen Dingen orientierten Schwaben an den Zaster kommen. Vielleicht ließe sich ja aus Lehmanns öffentlichem Wasserlassen in der sich derzeit im Umbau befindlichen Mercedes-Benz-Arena während des Champions League-Spiels gegen Urziceni Kapital schlagen. Irgendwo wird sich doch ein Paragraph finden, der das wilde Bieseln auf Baustellen unter empfindliche Geldstrafen stellt.

Spätestens der nächste Skandalauftritt im gestrigen Spiel gegen Mainz könnte das Fass nun endgültig zum Überlaufen bringen: Lehmann ließ sich in der Schlussminute zu einer Tätlichkeit hinreißen, kassierte Rot und ermöglichte den 05-ern per Elfmeter den 1:1-Ausgleich. Beim Abgang aus dem Stadion klaute er einem Fan die Brille, bestieg nach längerem Herumirren den Mannschaftsbus um dann doch per Taxi von dannen zu brausen. Bleibt die Frage, ob der Keeper einfach nur sein vorzeitiges Karriereende in Form eines Rauswurfs provozieren will oder vielleicht doch in seiner langen Laufbahn zu viele Bälle an die Birne bekommen hat.

Zwei linke Hände: Kriminelle Energie an der Leine?

Wir wollen ja wirklich niemandem etwas unterstellen. Aber jene Dinge, die am Samstagnachmittag beim 5:3-Sieg der Mönchengladbacher gegen Hannover 96 im Borussia-Park vorgefallen sind, können den unbedarften Betrachter schon ein bisschen nervös machen. Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder, die Niedersachsen stecken knietief im Wettskandal und mit Ante Sapina nebst dessen Spießgesellen unter einer Decke. Oder aber, sie wollten mitten in den Wirren des immer mehr ausufernden Bestechungssumpfes endlich mal ein Zeichen setzen: Ganz unter dem Motto: Man kann sich auch richtig blöd anstellen, ohne geschmiert zu sein.

Jedenfalls stellten die Hannoveraner einen Rekord aus der grauen Vorzeit der Bundesliga ein: Drei Eigentore unterliefen ihnen im Borussia-Park, alleine zweimal zielte Karim Haggui in die verkehrte Richtung, zudem leistete sich Kollege Djakpa einen geradezu grotesk sehenswerten Schuss ins eigene Netz. Abwehrkollege Christian Schulz erklärte hinterher sichtlich erleichtert: "Ich bin einer der wenigen, die kein Eigentor geschossen haben." Nur gut, dass am Abend die Weihnachtsfeier der 96-er stattfand, da konnten die gestressten Niedersachsen dann ihren Frust wenigstens kollektiv im Alkohol ertränken. Oder aber die Knete auf den Putz hauen, die ihnen vielleicht ja ein Ehrengast vom Balkan unter den Christbaum gelegt hat.

Kriminelle Energie scheint es an der Leine jedenfalls ausreichend zu geben. Denn wie hat unser Freund Jens Lehmann vor einigen Wochen beim Stuttgarter Gastspiel in der AWD-Arena festgestellt: "Hier sind sogar die Balljungen Betrüger."