Deutschland verschenkt einer Studie zufolge Billionen durch falsche Bildungspolitik. Eine Bildungsreform brächte dem Staat bis 2030 Erträge von 69 Milliarden Euro.
Bildungsfehler kosten Billionen
Die Folgekosten durch die große Zahl an unzureichend gebildeten Schülern summieren sich in den kommenden 80 Jahren - der Lebensspanne heute geborener Kinder - auf rund 2,8 Billionen Euro, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergab.
Schlechte Bildung kostet viel Geld
Eine Bildungsreform, mit der die Zahl der sogenannten Risikoschüler deutlich reduziert würde, brächte dem Staat den Berechnungen zufolge milliardenschwere Wachstumseffekte. Bis 2030 würden sich die Erträge laut Studie auf 69 Milliarden Euro belaufen, bis 2074 auf 1,75 Billionen Euro und bis 2090 schließlich auf 2,8 Billionen Euro.
Laut den PISA-Bildungsstudien können rund 20 Prozent aller 15-Jährigen in Deutschland höchstens auf Grundschulniveau lesen und rechnen und haben deshalb beim Eintritt ins Berufsleben erhebliche Probleme. Wissenschaftler des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) berechneten im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, welchen wirtschaftlichen Effekt es hätte, die Zahl dieser Risikoschüler in den kommenden zehn Jahren durch eine Bildungsreform um 90 Prozent zu senken. Sie verglichen dazu das prognostizierte Wirtschaftswachstum ohne Reform mit den Wachstumseffekten inklusive Reform.
Die langfristige Perspektive über 80 Jahre sei nötig, weil sich die Auswirkungen erst nach und nach zeigten, argumentierten die Studienautoren. Besser ausgebildete Schüler träten erst allmählich in den Arbeitsmarkt ein und ersetzten so schrittweise die bisherige arbeitende Bevölkerung. Die vollen wirtschaftlichen Effekte seien somit erst nach mehreren Jahrzehnten sichtbar.
Gute Bildung spart der Gesellschaft Milliarden
"Die Studie macht deutlich, wie dringend das Problem der unzureichenden Bildung gelöst werden muss", sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. "Allen politisch Verantwortlichen muss klar werden: Bildung lohnt sich - auch finanziell."
Für eine erfolgreiche Reform - also die Reduzierung der Zahl an Risikoschülern - müsse die frühkindliche Bildung deutlich gestärkt werden, sagte Dräger. Die Kita-Plätze für Unter-Dreijährige müssten quantitativ und qualitativ ausgebaut werden. Ein weiterer Schlüssel sei die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes. Schulen und Lehrer müssten dazu mehr als bislang Verantwortung für den Lernerfolg übernehmen. Auch die Zusammenarbeit von Kitas und Schulen mit Eltern und sozialen Verbänden müsse besser werden. Wichtig sei außerdem, das Geld für das Bildungssystem je nach Bedarf zu verteilen. Brennpunktschulen etwa müssten besondere Unterstützung bekommen.
Reformen müssen schnell kommen
Studienautor Ludger Wößmann betonte, schnelles Handeln mache sich bezahlt. Wenn die Bildungsreform bereits in fünf statt zehn Jahren geschafft wäre, würde dies in den kommenden 80 Jahren sogar einen Ertrag von rund 3,1 Billionen Euro liefern, sagte der Bildungsökonom. Bei einer Umsetzung der Reform über 20 Jahre ergäbe sich bis 2090 dagegen eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 2,3 Billionen Euro. Jedes Jahr, das ohne Reform verstreiche, koste viel Geld, mahnte Dräger und fügte hinzu: "Es eilt."
ddp
