Strompreise steigen erneut zum Jahreswechsel Stromkonzerne drehen an der Preisschraube

Mindestens 40 Stromanbieter erhöhen zum Jahreswechsel ihre Preise um durchschnittlich fünf Prozent. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle fordert die Verbraucher zum Anbieter-Wechsel auf.

Rechtzeitig zum Jahreswechsel erhöhen viele Stromanbieter ihre Preise. Foto: ddp

Stromkonzerne drehen an der Preisschraube

Diese Zahlen hat das unabhängige Verbraucherportal Verivox.de ermittelt. Damit setzt sich ein zehnjähriger Trend fort: Seit dem Jahr 2000 sind die Strompreise für Privatkunden jedes Jahr gestiegen – in der Zwischenzeit um insgesamt zirka 40 Prozent.

7,5 Prozent mehr für Strom

Mit Vattenfall und EnBW erhöhen auch zwei der vier größten Energiekonzerne in Deutschland ihre Strompreise. EnBW hat eine Strompreiserhöhung von 7,5 Prozent für Privatkunden mit Sonderverträgen angekündigt. Der Energiekonzern Vattenfall hebt die Strompreise für private Verbraucher in Berlin um 5,9 Prozent und in Hamburg um 4,4 Prozent an. Damit sind bereits jetzt mehrere Millionen Verbraucher von den Strompreiserhöhungen betroffen. Die Experten von Verivox.de rechnen damit, dass auch einige kleinere Versorger Preiserhöhungen zum Jahreswechsel ankündigen werden.

Verbraucherschützer kritisieren Strompreiserhöhung

Als Gründe für die Preissteigerungen nennen die Konzerne gestiegene Beschaffungskosten oder die erhöhten Kosten im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Verbraucherschützer kritisieren das Argument erhöhter Beschaffungskosten, denn die Großhandelspreise für Stromverkäufer und Großkunden sind im vergangenen Jahr deutlich gefallen. Die Energieversorger kontern mit dem Argument, dass sie den Strom in der Regel für mehrere Jahre im Voraus einkaufen.

Verbraucher sollten handeln

"Sowohl die Beschaffungsstrategie als auch die erhöhten EEG-Kosten können für die Energieversorger ein Problem darstellen", sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. "Eine Möglichkeit ist, dieses Problem in Form von Preissteigerungen an die Verbraucher weiterzugeben. Doch die Verbraucher müssen das nicht hinnehmen und können zu Stromanbietern mit anderen Strategien und günstigeren Preisen wechseln."

Kostenloser Strompreisvergleich

Angesichts der steigenden Preise rät der Experte von Verivox zum kostenlosen Preisvergleich im Internet. Da die Preisschere zwischen den Versorgern immer größer werde, könnten Verbraucher durch einen Anbieterwechsel häufig mehrere hundert Euro jährlich einsparen.

Ein Wechsel ist einfach

"Der Wechsel des Strom- und Gasanbieters ist einfach und völlig risikofrei. Da die Belieferung gesetzlich geregelt ist, kann es bei einem Anbieterwechsel niemals zu einer Unterbrechung der Versorgung kommen", erläutert Reese weiter. "Für den Wechsel des Stromanbieters müssen Verbraucher lediglich einen Antrag ausfüllen. Die Anmeldung ist einfach und braucht nur wenig Zeit. Alles Weitere, beispielsweise die Kündigung beim alten Versorger, erledigt der neue Anbieter."

Brüderle fordert: Stromanbieter wechseln

Angesichts der deutlichen Strompreiserhöhungen fordert Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Kunden zum Wechsel des Anbieters auf. "Die Verbraucher sollten die angekündigten Strompreiserhöhungen zum Anlass nehmen, sich günstigere Stromanbieter zu suchen", sagte Brüderle dem "Hamburger Abendblatt". Dadurch könne der Wettbewerbsdruck auf die Stromwirtschaft erhöht werden. Außerdem sieht der Wirtschaftsminister in den Preiserhöhungen einen Fall für die Wettbewerbskontrolle. Es stehe den Kartellbehörden frei, Untersuchungen einzuleiten oder eine Missbrauchskontrolle durchzuführen.

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Claudia Kemfert, sagte der "Passauer Neuen Presse", der einzige Preistreiber bei Strom sei derzeit die Förderung erneuerbarer Energien. "Dieser Effekt rechtfertigt allerdings nur Preiserhöhungen von maximal bis zu fünf Prozent", fügte sie hinzu. Die angekündigten Steigerungen von teils zehn Prozent und mehr seien nicht nachzuvollziehen. Im Prinzip müssten sinkende Großhandelspreise für Strom eher zu Preisnachlässen führen, erklärte Kemfert, zumal Erhöhungen der Großhandelspreise in der Vergangenheit auch immer flugs an die Kunden weitergegeben worden seien. "Der Wettbewerb im Strommarkt funktioniert noch längst nicht", urteilte Kemfert.

mah/ddp