Der 12. Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de FC Bayern wie Babylon

Der FC Bayern München erinnert in diesen Tagen mit seinen dilettantischen Versuchen, die Gegner auszuspielen an die Menschen in der biblischen Geschichte vom Turmbau zu Babel. Auch der FC Bayern will hoch hinaus, liegt aber danieder, meint Stefan Galler in der DHZ-Bundesligakolumne.

FC Bayern wie Babylon

Meisterbetrieb: Propheten mit geringer Erfolgsquote

Es gibt kaum eine Bevölkerungsgruppe, die mit ihren Alltagsprognosen häufiger total daneben liegt als Fußballfans. Beispiele gefällig: Fast jede Kurve singt zu Saisonbeginn das beliebte Lied "Wir holen den U-U-EFA-Cup und wir werden Deutscher Meister". Es sei nur kurz angemerkt, dass das in der Geschichte des Fußballs bis auf Borussia Mönchengladbach 1975 keiner Mannschaft innerhalb einer Saison geglückt ist. Mittlerweile ist der Song ohnehin nicht mehr zeitgemäß, den UEFA-Pokal gibt es nämlich nicht mehr. Oder das Lied mit den Bayern und der Lederhose: Überall gerne intoniert, allerdings nie zu einem Zeitpunkt, da die Münchner Kicker tatsächlich Tracht trugen – die ziehen sie nämlich nur auf dem Oktoberfest an. Ein anderer Sprechchor dagegen war bislang die Ausnahme von der Regel: Wenn den Spielern von Bayer Leverkusen das allseits bekannte "Ihr werdet nie Deutscher Meister" entgegenschallte, dann war das noch nicht mal besonders polemisch, sondern galt bislang schlichtweg als ungeschriebenes Naturgesetz.

Doch in dieser Saison scheint alles anders: Nach zwölf Spielen liegt der Werksklub ohne Niederlage an der Tabellenspitze, knappe Spiele werden zumindest nicht verloren und Partien, in die die Heynckes-Elf als Favorit startet, souverän gewonnen. Wie jene am Freitag gegen Frankfurt, als Kießling, Reinartz und Kroos mit ihren frühen Toren schon bis zur elften Minute alles klar machten. Die Reaktion der Eintracht-Anhänger? Na klar: "Ihr werdet nie Deutscher Meister." Irgendwie zeichnet sich ab, dass sie damit ziemlich falsch liegen könnten. Es wäre auch wirklich Zeit, wenn endlich auch die letzte Bastion fallen würde. Bundesligafans sind nunmal alles, aber keine Wahrsager.

Gesellenstück: Rasanter Ruhrpott-Magnum

Ein skurriler Typ war er immer schon, der Fußball-Lehrer Peter Neururer. Doch die neueste Geschichte um den gerade erst beim Zweitligisten MSV Duisburg entlassenen Coach schlägt alles bisher Dagewesene: Die Luxemburger Polizei stoppte ihn zuletzt mit seinem Porsche Cayenne auf einer Landstraße mit 153 statt der erlaubten 90 Stundenkilometer. Damit nicht genug, auf dem Beifahrersitz lag ein mobiles Blaulicht, dass sich Zivilbeamte im Falle eines Einsatzes aufs Autodach setzen. Und im Handschuhfach zudem ein Trommelrevolver mit Schreckschusspatronen. Da stellt man sich dann doch die Frage, ob man Neururer vielleicht immer ein bisschen unterschätzt hat und er in Wahrheit eine Art "Ruhrpott-Magnum" ist, der abgesehen von seinen zahlreichen fußballerischen Missionen vor allem in Sachen Gerechtigkeit unterwegs ist. Zumindest der Schnauzer und die Matte erinnern ja latent an 80-er –Jahre-Ikone Tom Selleck, ansonsten geht der Vergleich mit dem Hollywood-Star für "Peter, den Großen" eher bitter aus. Es kann aber auch so sein, – und das ist ehrlich gesagt die wahrscheinlichere Variante – dass beim 54-Jährigen schlichtweg eine Schraube locker ist. Aber das sollte niemanden überraschen, schließlich stürzen normale Menschen ja schon in eine Sinnkrise, wenn sie einmal in ihrem Leben ihren Job verlieren. Neururer wurde schon ein gutes Dutzend Mal gefeuert, da kann man von Glück sagen, dass es nur Schreckschusspatronen waren.

Erstes Lehrjahr: Bayern wie Babylon

Beim 1:1 gegen Schalke zeigten sie zwar einen leichten Aufwärtstrend, dennoch kann man nach dieser Sieglos-Woche mit Nullnummer in Stuttgart, Mega-Blamage gegen Bordeaux und dem Remis gegen Königsblau feststellen: Die Bayern sind nah dran an jenem Punkt, wo der Spaß definitiv aufhört. Verdiente Spieler wie Lahm oder Toni rebellieren gegen Trainer und Offizielle – und werden heftig abgestraft. Und die Konkurrenz hat fast schon Mitleid mit dem einst so stolzen Rekordmeister. Spätestens am Dienstag gegen Bordeaux, als die Fans schon zehn Minuten vor dem Ende in Scharen die Fröttmaninger Arena verließen, dürfte allen klar geworden sein, dass die vollmundigen Töne des Uli Hoeneß nur noch ein Pfeifen im Walde sind.

Die Münchner erinnerten in ihren dilettantischen Versuchen, den französischen Meister auszuspielen an die Menschen in der biblischen Geschichte vom Turmbau zu Babel: Damals wollte man ganz hoch hinaus, ein Gebäude bis zum Himmel bauen – doch am Ende verstanden die Leute einander nicht mehr und redeten in unzähligen verschiedenen Sprachen.

Auch beim FCB irrt zumeist eine enorm ambitionierte Gruppe kommunikationslos und ohne Verständnis füreinander auf dem Fußballplatz umher, so dass man sich unwillkürlich fragt, was diese hochbezahlten Sportler eigentlich unter der Woche machen. Miteinander trainieren? Eigentlich kaum vorstellbar. Womit der Mann, der für die Abstimmung zuständig ist, in die Schusslinie gerät. Louis van Gaal droht in München ebenso kläglich zu scheitern wie vor ihm Jürgen Klinsmann.

Ob überhaupt irgendjemand anderer als Ottmar Hitzfeld diesen Klub zu Erfolgen führen kann? Besonders spitzfindige Beobachter wollen am Dienstag nach der Bordeaux-Blamage gesehen haben, dass Hitzfeld bei seiner TV-Analyse im Bezahlfernsehen andauernd an seiner Hosentasche herum genestelt haben soll: Er musste wohl ständig irgendwelche Hoeneß-Anrufe auf seinem Handy wegdrücken.

Zwei linke Hände: Schmalbrüstig und ziemlich blank

Wem geht es in diesen Wochen noch schlechter als dem FC Bayern? Na klar, der Berliner Hertha. Einem kleinen Schritt nach vorne beim Europa-League-Sieg in Heerenveen, folgte am Sonntag der nächste heftige Rückschlag: 0:1 trotz einer Vielzahl dicker Chancen im Abstiegskrimi gegen Köln, das rettende Ufer nun schon sechs Punkte entfernt. Ausgerechnet zum 20. Jahrestag des Mauerfalls ist die Wiedervereinigung der Hertha mit erfolgreichem Fußball meilenweit entfernt. Da kann beim ein oder anderen schon mal der Kessel pfeifen: Ein nackter Flitzer rannte in der 70. Minute des Spiels quer über den Rasen – bei etwa drei Grad Außentemperatur darf man ihm zumindest nicht unterstellen, ein Weichei zu sein. Und wie das schmächtige Kerlchen da so vor den Sicherheitskräften davonlief, wurde man den Eindruck nicht los, dass es sich bei ihm um den aktuell perfekt passendsten Repräsentanten der Berliner handelt: Schmalbrüstig, völlig blank und auf der Flucht. Wie die Hertha: Dünne Leistungen, beinahe leeres Punktekonto und gepiesackt vom Abstiegsgespenst.