Der siebte Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Hoffenheim: Der Klub der Besserverdienenden

Die TSG Hoffenheim – ein Verein, im Gusto von FDP-Chef Guido Westwerwelle. Einerseits sind die Hoffenheimer optimistisch und ohne den Mief alter Strukturen, andererseits aber eben auch irgendwie unverbindlich und den Meisten nur auf den ersten Blick sympathisch, meint Stefan Galler in der DHZ-Bundesliga-Kolumne.

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Hoffenheim: Der Klub der Besserverdienenden

Meisterbetrieb: Der Klub für die Besserverdienenden

Es konnte einfach kein Zufall sein, dass am Sonntag ausgerechnet um 18 Uhr, als bundesweit die Wahllokale schlossen und die Fernsehsender ihre offiziellen Prognosen bekanntgaben, die TSG Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga um Punkte kämpfte. Denn irgendwie erinnert einen dieser Klub, der es in so kurzer Zeit aus den Niederungen des Amateurfußballs ins obere Drittel der höchsten Spielklasse geschafft hat, unweigerlich an die FDP unter Guido Westerwelle. Einerseits optimistisch und ohne den Mief alter Strukturen, andererseits aber eben auch irgendwie unverbindlich und den Meisten nur auf den ersten Blick sympathisch. Sich damit richtig zu identifizieren fällt nicht leicht – Hoffenheim, das ist irgendwie der Verein für die Besserverdienden.

Insofern schon faszinierend, dass ausgerechnet in jenen Momenten, als den Liberalen im Rausch der Hochrechnungen die Sinne zu schwinden schienen, ihr fußballerisches Pendant einen Kantersieg feierte. Und zwar treffenderweise gegen die "Alte Dame", wie sie im Volksmund genannt wird: Die Berliner Hertha, sozusagen das Bundesliga-Gegenstück zur SPD: Mit großer Tradition, aber andererseits auch angestaubt und aktuell geradezu rasant auf dem absteigenden Ast. Und so hoffen Sozialdemokraten wie Hertha-Fans, dass sie mit diesem Sonntag endgültig die tiefste Stelle der Talsohle durchschritten haben.

Während die FDP jetzt zeigen muss, dass sie sich im Wahlkampf nicht nur leere Versprechungen auf die Fahnen geschrieben hat. Mit leeren Versprechungen kennt man sich übrigens in Hoffenheim seit der desolaten Rückrunde nach dem Herbstmeistertitel in der vergangenen Saison ganz genau aus.

Gesellenstück: Der Oldie tickt richtig

Es kann nur darüber spekuliert werden, warum Uli Hoeneß seinem früheren Angestellten Zé Roberto ausgerechnet vor dem Spiel der Bayern in Hamburg eine wertvolle Uhr als verspätetes Abschiedsgeschenk in die Kabine gebracht hat. Zielte er mit der teuren Gabe darauf ab, dass den gottesfürchtigen Brasilianer das Gewissen zwickt und er sich leistungsmäßig im Spitzenspiel ein bisschen zurückhält? Oder wollte der Münchner Manager dem 35-jährigen noch einmal symbolisch vor Augen führen, dass seine Zeit als Spitzenkraft in der Fußball-Bundesliga abgelaufen ist und er deshalb bei den Bayern im Sommer keinen Zweijahresvertrag mehr erhielt?

Ganz egal, wie die Beweggründe waren, der Plan ging so oder so nicht auf. Denn Zé war der überragende Mann beim HSV-Sieg, bereitete den entscheidenden Treffer von Petric mustergültig vor und unterstrich seinen Wert auch im hohen Alter.

Im Gegensatz dazu hat der erst 24-jährige Mario Gomez bei den Bayern gerade den ersten tiefen Knick in seiner Karriere: Der Stammplatz ist bis auf weiteres weg, prompt beklagte sich der 30-Millionen-Mann darüber, dass er "trotz Torerfolgen rausgenommen wird". Keine Lobby bei Louis van Gaal, dazu gibt’s von Gurus und Ex-Gurus Saures: Udo Lattek und Günter Netzer raten dem Stürmer dringend, mit der Jammerei aufzuhören und obendrein hob FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge warnend den Zeigefinger: Wenn man in München spielt, müsse man hart arbeiten und Vollgas geben. Gomez müsse hier noch den Unterschied zu seinem Ex-Klub VfB Stuttgart verinnerlichen. So hart kann das Leben eines Profis sein. Da kann man Mario nur wünschen, dass ihm Uli Hoeneß nicht schon bald eine Uhr überreicht.

Erstes Lehrjahr: Ein Schulhof im Ruhrgebiet

Das ganze Ruhrgebiet blickte am Samstagnachmittag gebannt nach Dortmund und das nicht nur aus sportlichen Gründen. Vielmehr fürchtete man im Umfeld des Revierderbys zwischen dem BVB und Schalke heftige Ausschreitungen. Anhänger der Königsblauen wollten durch die Dortmunder Innenstadt marschieren. Borussia-Ultras planten, diesen Marsch anzugreifen. Letztlich verhinderte die Polizei die Schalker Aktion und alles blieb einigermaßen ruhig. Zumindest abseits des Platzes, denn die Herren Profis vergaßen nach dem Spiel ihre Vorbildfunktion, kabbelten sich wie auf dem Schulhof – es drohte sogar eine Massenprügelei.

Auslöser war S04-Keeper Manuel Neuer, der nach dem Spiel vor der Südtribüne feierte und anschließend angeblich BVB-Kicker Großkreutz mit dem Ellbogen ins Gesicht schlug. Alles ziemlich aufgebauscht, schließlich hatte Neuer nur seine Wasserflasche im Tor abgeholt und dabei jubelnd die Arme in die Höhe gerissen – zugegeben nicht die allerfeinste Gelsenkirchner Art, aber nun auch kein Grund zum Ausflippen. Von einem absichtlichen Schlag Neuers gegen Großkreutz war übrigens auf keiner Fernsehaufzeichnung etwas zu sehen, was den Verdacht nahelegt, die Schwarz-Gelben hätten mit ihrer Kritik vielleicht nur von den eigenen Unzulänglichkeiten ablenken wollen.

Sechs sieglose Spiele in Folge, schlechtester Saisonstart seit 22 Jahren – die Klopp-Elf liegt sportlich am Boden. Zumindest ein schwacher Trost, dass die fußballerisch besser platzierten Schalker finanziell am Abgrund stehen. 136 Millionen Schulden, angeblich akute Liquiditätsprobleme – kein Wunder, dass S04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies beim Derby im Fanblock stand: Für eine VIP-Karte war schlichtweg kein Geld mehr in der Kasse.

Zwei linke Hände: Zielgerichtete Gemeinheiten

Schon vor einer Woche hatten wir an dieser Stelle den 1. FC Köln und das vermeintliche Ende der Krise in der Domstadt thematisiert. Einen schweren Rückschlag erlitt die Soldo-Elf nun ausgerechnet im rheinischen Derby gegen Leverkusen, der FC verlor nicht nur das Match, sondern auch noch Spielmacher Maniche wegen eines Platzverweises. Den hatte sich der "Portufiese" (Bild) durch zwei Tritte gegen Bayer-Keeper Adler und Arturo Vidal auch redlich verdient. Obwohl die TV-Bilder deutlich zeigen, wie er jeweils zielgerichtet dorthin stiefelt, wo es Männern am meisten wehtut, gab Maniche später das Unschuldslamm und erhielt auch noch Rückendeckung aus den eigenen Reihen: Trainer Soldo ließ verlautbaren, er glaube nicht, dass sein Spieler das absichtlich gemacht habe. Noch besser die Aussage von Mannschaftskamerad Miso Brecko, der den Leverkusenern vorwarf, simuliert zu haben. "Fußball ist Männersport", sagte Brecko. Wenn Maniche so weitermacht, vielleicht nicht mehr lange.