Altersvorsorge Rürup für harte Rechner – Wahl zwischen Rendite, Sicherheit und Steuervorteil

Die Rürup-Rente kommt nicht so richtig ins Rollen. Denn anders als beim Riester-Modell ist vielfach unklar, was die Rürup-Rente eigentlich bringt. Grund genug, einmal nachzurechnen.

Rürup für harte Rechner – Wahl zwischen Rendite, Sicherheit und Steuervorteil

Eine 35-jährige Mustersparerin und hat ein steuerpflichtiges Jahreseinkommen von 40.000 Euro. Sie schließt einen Rürup-Vertrag ab und zahlt 30 Jahre lang jährlich 2.400 Euro ein. Wenn man für den Rest des Lebens einen Steuersatz von 38 Prozent unterstellt, spart sie in den 30 Jahren rund 25.000 Euro Steuern. Von den eingezahlten 72.000 Euro hat sie tatsächlich also nur 47.000 Euro eingezahlt. Dafür erhält sie eine garantierte und lebenslang gezahlte Altersrente von 360 Euro, die mit Überschüssen des Versicherers auf bis zu 600 Euro steigt.

Angenommen, sie Sparerin zahlt die 47.000 Euro über 30 Jahre in einen normalen Banksparplan ein, der ihr vier Prozent Zinsen bringt. Weil sie die Abgeltungsteuer umgehen will, wählt sie einen Riester-Sparplan, der von der Abgeltungsteuer befreit ist. Aus den monatlich 130,56 Euro werden so bei vier Prozent Zinsen 89.773 Euro, die im Alter zur Verfügung stehen.

Lässt sie sich das Geld erst auszahlen, wenn sie in Rente gegangen ist, zahlt sie auf die 42.771 Euro Zinsen nur 5.500 Euro Steuern. Verbleiben also 84.273 Euro. Legt sie dieses Geld gut an, kann sie sich daraus mehr als 35 Jahre lang eine Rente von 360 Euro zahlen. Und sogar 24 Jahre lang eine Rente von 450 Euro. Und mehr als 15 Jahre lang eine Rente von 600 Euro.

Steuern wird sie übrigens in beiden Fällen zahlen müssen: Die Rürup-Rente wird wie die gesetzliche Rente besteuert. Die Zinsen aus dem angelegten Geld werden mit 25 Prozent besteuert, wobei dieser Satz bei geringem Einkommen dem tatsächlichen Steuersatz angepasst wird.

Das Rechenbeispiel zeigt, dass aus Renditegesichtspunkten die Rürup-Rente nicht vorne liegt. Zwar locken die Steuervorteile, aber auch sie kann man sich die garantierte Rente problemlos selbst ansparen und für 35 Jahre zahlen. Sollte der Versicherer wirklich so gut wirtschaften, dass er 600 Euro Rente zahlen kann, wird es schon schwieriger, diese Summe aus dem Ersparten aufzubringen. Doch immerhin 15 Jahre – bis zum 80. Geburtstag würde es klappen.

Will die Mustersparerin nun das Geld erst einmal selbst ansparen, um es dann im Alter in eine Rürup-Rentenversicherung zu stecken, könnte sie zu Rentenbeginn den Höchstbetrag von 20.000 Euro in einen Rürup-Vertrag stecken und 64.273 Euro in eine ganz normale Rentenversicherung. Macht sie das im letzten Jahr, in dem sie beispielsweise rund 60.000 Euro verdient tatsächlich würde sie auf einen Schlag 8.500 Euro Steuern sparen, in die Rürup-Versicherung tatsächlich also nur 11.500 Euro einzahlen. Der Lohn dafür: Eine Rente von rund 80 bis maximal 100 Euro im Monat, die fast voll zu versteuern ist.

Aus den verbleibenden 64.273 Euro wird eine Rente von 251,20 Euro, die ebenfalls lebenslang gezahlt wird und die durch Überschüsse auf bis zu 324 Euro steigen kann. Diese Rente wird im Alter wohl tatsächlich kaum besteuert werden, weil nur ein geringer Teil der Rente überhaupt steuerpflichtig ist. Insgesamt heißt das: Für die tatsächlich eingezahlten 75.773 Euro bekommt sie eine Rente von 330 Euro, die im besten Fall noch einmal um 90 auf 420 Euro steigt. Nimmt sie aber die die 75.773 Euro, kann sie sich diese 420 Euro Rente über 20 Jahre lang aus dem Ersparten zahlen – eine Rente von 330 Euro sogar über 30 Jahre!

Die Rechnung zeigt, dass die sich die Rürup-Rente nur lohnt, wenn sie auf Sicherheit setzen will, und die Rente auf jeden Fall ausgezahlt haben möchte, auch wenn Sie 100 Jahre und älter wird. Denn in einem solchen Alter wird das Ersparte irgendwann zur Neige gehen, doch die Rürup-Rente liefe weiter. Die mögliche Steuerersparnis lockt und je höher der Steuersatz im Berufsleben ist, umso mehr zahlt der Staat zum Sparplan dazu.

Fakt ist aber auch, dass sich der Staat ein Teil dieser Steuervorteile im Alter wieder zurückholt. Und je länger man sich an der Rürup-Rente erfreut, umso mehr schmilzt die "Steuerbilanz". Aus Renditegesichtspunkten gilt daher: Die garantierte Rente lässt sich auch mit einem ganz normalen Sparvertrag sichern. Schlussendlich ist die Rürup-Rente als sichere Ergänzung im Alter eine gute Wahl – wenn man jedoch auf Rendite setzen will, helfen die Steuervorteile kaum.

Oliver Mest/ddp