Ein Fahrzeug, das mit Müll betrieben wird - klingt nach "Zurück in die Zukunft". Doch Peter Eckhoff hat die Filmidee zur Realität werden lassen: Sein Lupo fährt mit Plastikmüll und spart dabei rund 30 Prozent Benzin ein.
Kraftstoff aus der Abfalltonne
Entwickelt hat Eckhoff die Idee zusammen mit dem Erfinder Jean-Marie Stankovicc-Gansen aus Lohne. Der baute ihm das Modul für das Auto, in dem nun die Plastikflaschen verbrannt werden. "Es sieht ein bisschen aus wie eine Kaffeemaschine", scherzt Eckhoff. Doch statt Kaffee liefert der Plastik-Vergaser pure Energie: Der Müll wird durch die Wärme des Benzinmotors, der ebenfalls noch in dem Auto ist, erhitzt und dann leicht unter Druck gesetzt. Dadurch spalten sich Moleküle in Atome und es entsteht Gas für den Antrieb. Rund 125 Gramm Plastikmüll braucht Eckhoff so für 100 Kilometer.
Das Modul selber ist gerade einmal so groß wie zwei große Flaschen Cola. "Der Innendurchmesser entspricht ungefähr genau einer Flasche", sagt Eckhoff stolz. Und so sucht er in der Tankstelle meist gleich den Weg in den Kiosk statt zur Zapfsäule. "Austrinken, reinstellen, losfahren", nennt er das Prinzip seines Autos. Doch nicht nur Plastikflaschen können verbrannt werden. "Theoretisch kann man auch Altöl, Pommes-Fett oder Hähnchenknochen einfüllen", sagt der 65-Jährige. Plastik liefere aber die beste Energie.
Dass Plastik grundsätzlich als Brennstoff geeignet ist, bestätigt auch Achim Lechmann von der Technischen Universität Berlin. "Kunststoff besteht ja auch aus Erdöl", erklärt der Fahrzeugtechnikfachmann. Prinzipiell sei es also möglich, ein Auto nach entsprechendem Umbau, mit Plastikmüll zusätzlich anzutreiben. "Allerdings stellt sich doch die Frage nach der ökologischen Sinnhaftigkeit. Schließlich sind die Abgase, die da herauskommen, nicht gerade das Schönste", sagt er.
Doch Eckhoff sieht das nicht als ein Problem. "Irgendwas ist in den Abgasen doch immer drin", sagt er. Neben den Zusatzstoffen ist auch die Stabilität des neuen Motors wahrscheinlich Grund dafür, dass der TÜV ihm den Motor noch nicht abgenommen hat. "Da muss zuerst ne Druckbelastungsprüfung gemacht werden", erklärt er. Ein Nummernschild und eine Zulassung besitzt Eckhoff aber, so dass er mit dem Auto auch fahren kann.
Und letztlich ist der 65-Jährige auch überzeugt davon, dass sich seine Idee durchsetzen wird. Vor eineinhalb Jahren hat er das Patent dafür angemeldet. Und mit dem Auto soll noch lange nicht Schluss sein. "Das Auto war nur eine Entwicklung, um den Skeptikern zu
zeigen, dass es wirklich geht", sagt Eckhoff. Die Grundidee, die dahinter steckt, ist, dass aus Müll Energie gewonnen werden kann. Der 65-Jährige sieht dafür eine große Zukunft. Entwicklungsländern könnte so etwa bei der Energiegewinnung geholfen werden, ist er sich sicher.
Derzeit sucht Eckhoff mit seiner Firma noch Partner für die Umsetzung der Energiegewinnung aus Müll. Sollte ihm das Patent für den Plastik-Vergaser allerdings irgendwann einmal erteilt werden, will er dieses auf keinen Fall an einen großen Konzern verkaufen. "Da landen solche Ideen doch eh nur in der Schublade", sagt er. Ihm gehe es darum, dass seine Idee, die spontan bei einem Bier entstanden sei, auch umgesetzt werde.
Doch bis dahin wird Eckhoff wohl noch den ein oder anderen Kilometer mit seinem Auto zurücklegen. Dabei erfreut er sich neben dem geringeren Verbrauch auch noch an einem anderen positiven Nebeneffekt des neuen Plastikmotors. Die Beschleunigung seines 52 PS starken Lupos habe sich deutlich verbessert, sagt er. Er zähle das immer daran, wie oft sich sein Scheibenwischer bei der Beschleunigung von 50 auf 100 Kilometer pro Stunde bewege. Früher seien das rund 18 bis 19 Mal gewesen. Mit dem Plastikmotor sind es nur noch 12 bis 13 Mal, sagt Eckhoff stolz. "Das ist also ein wahres Rennauto geworden."
ddp
