Vergleichsstudie deutscher Großstädte Tübingen ist bundesdeutsche Ökostrom-Hauptstadt

Bereits vor den Störfällen im Kernkraftwerk Krümmel entschied sich jeder fünfte Anbieterwechsler für einen Ökostromanbieter. Um den Verbrauchern den Wechsel zu regenerativen Energien zu erleichtern, bietet eine Studie einen Vergleich der regionalen Ökostrommärkte in den 100 größten deutschen Städten.

Strom aus regenerativen Energiequellen hat nicht erst seit den Störfällen im Kernkraftwerk Krümmel Hochkonjunktur. Foto: ddp

Tübingen ist bundesdeutsche Ökostrom-Hauptstadt

Um den Verbrauchern den Wechsel zu regenerativen Energien zu erleichtern, haben die Experten von toptarif.de die regionalen Märkte für Ökostrom in den 100 größten deutschen Städten verglichen und nach den Kriterien Wettbewerb, Preisgefüge und Einsparpotential bewertet. Fazit: In allen untersuchten Regionen ist der Umstieg auf Ökostrom lohnenswert.

"Der Wechsel zu Anbietern mit Ökostromprodukten schont nicht nur die Natur, sondern kann auch die Haushaltskasse um bis zu 300 Euro im Jahr entlasten“, rechnet Bohg vor. Am attraktivsten ist der Wechsel in den süddeutschen Bundesländern. So belegten in der Studie acht Städte aus Baden-Württemberg die vorderen Plätze, allen voran Tübingen (Gesamtnote: 1,53), Ludwigsburg (1,55) und Freiburg (1,62). Mit Nürnberg (2,13) folgt die erste bayerische Stadt auf dem neunten Platz. Als beste der drei deutschen Millionenmetropolen rangiert München (2,98) auf Platz 35. Schlusslicht ist die sächsische Landeshauptstadt Dresden mit einer Gesamtnote von 4,53.

Studie: Wettbewerb und Einsparpotential bei Ökostrom in Deutschlands Großstädten


Wettbewerbsdichte
Im elften Jahr der Strommarktliberalisierung können Verbraucher laut toptarif.de durchschnittlich zwischen 42 Ökostromanbietern wählen. Allein im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Zahl der verfügbaren Anbieter fast verdoppelt. So waren im Sommer 2008 in jeder Region noch durchschnittlich 25 Anbieter mit Ökostromprodukten aktiv.

Den größten Wettbewerb gibt es in den baden-württembergischen Städten, insbesondere in Ludwigsburg, Esslingen am Neckar und Tübingen, wo mehr als 50 Anbieter mit ihren Ökostromtarifen um die Gunst der Kunden kämpfen. Am geringsten ist die Vielfalt für Verbraucher in Zwickau. Aber selbst dort ist die Auswahl mit 34 Ökostromanbietern immer noch mehr als reichlich.

Wettbewerbsintensität und Preisgefüge
Neben der reinen Anzahl der Wettbewerber spielt das preisliche Gefüge der angebotenen Ökostromtarife eine entscheidende Rolle. Je mehr Anbieter günstiger als der örtliche Tarif der gesetzlichen Grundversorgung sind, desto höher ist die Auswahl an Tarifen, bei denen Verbraucher zusätzlich zum Umweltnutzen ein Einsparpotential erzielen können.

Im badischen Freiburg, in Ludwigsburg und in Esslingen am Neckar unterbieten 50 Ökostromanbieter mit ihren Preisen den örtlichen Grundversorgungstarif. Für Verbraucher in Berlin, Hamburg, Dresden und Bielefeld ist die Auswahl mit maximal einem Dutzend günstigeren Ökostromanbietern zwar deutlich kleiner, im Vergleich zum letzten Jahr aber immer noch mehr als doppelt so groß.

Einsparpotential
Während die Preise für konventionellen Strom bei den örtlichen Versorgern stetig weiter steigen, wird Ökostrom hingegen immer günstiger. So kletterten die Strompreise bei den rund 900 regionalen Grundversorgern im letzten halben Jahr um durchschnittlich 1,2 Prozent. Die Tarifpreise für Ökostromangebote bei den überregionalen Wettbewerbern fielen dagegen um 2,7 Prozent im selben Zeitraum.

"Durchschnittlich kann ein deutscher Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh Strom 157 Euro oder knapp 17 Prozent seiner jährlichen Stromkosten sparen, wenn er aus dem Tarif der gesetzlichen Grundversorgung zum günstigsten verfügbaren Ökostromangebot wechselt“, erklärt Bohg. Ebenfalls ein klares Zeichen für eine zunehmende Dynamik am Markt: Zum Jahresbeginn hatte das durchschnittliche Einsparpotential noch bei 123 Euro gelegen.

Die größten Differenzen zwischen örtlicher Grundversorgung und günstigem Ökostrom gibt es mit 298 Euro in Nürnberg. Für Verbraucher in Freiburg und Fürth geht der Wechsel zu erneuerbaren Energien ebenfalls mit finanziellen Entlastungen von rund 250 Euro einher. Vattenfall-Kunden in Berlin und Hamburg wird der Wechsel zu "sauberem Strom“ mit bis zu 90 Euro Preisvorteil versüßt.

Ökostromangebote der lokalen Versorger
Auch die örtlichen Grundversorger haben auf den Trend zu regenerativen Energien reagiert und bieten vermehrt eigene Tarife mit "grünem Strom“ an. In 97 der 100 getesteten Städte steht den Verbrauchern mindestens ein Ökostromprodukt ihrer Stadtwerke zur Auswahl. Zwischen den einzelnen Angeboten gibt es aber erhebliche Unterschiede im Preis von bis zu 31 Prozent.

Während in Bielefeld für einen Musterhaushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch 813 Euro für Ökostrom fällig werden, verlangt die E.ON-Tochter E.ON Mitte in Göttingen stattliche 1.178 Euro für den gleichen Verbrauchswert. "Verbraucher sollten daher stets den gesamten Markt für Ökostrom in ihrem Wohnort genau sondieren, bevor sie sich für ein Angebot entscheiden“, rät Bohg. "Vergleichsportale im Internet bieten hier einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten des Wechsels in den einzelnen Regionen.“

Übersicht: Alle Zahlen zur Studie als Tabelle

Bei der Auswahl des passenden Tarifs sollten Verbraucher zudem auf die Zertifizierung der angebotenen Produkte achten, die Auskunft über die Herkunft des Ökostroms geben. Empfehlenswert sind Angebote mit dem "Grüner Strom Label“ (GSL), dem "ok-power Label“, dem "Öko-Strom“-Gütezeichen der Landesgewerbeanstalt Bayern und den verschiedenen TÜV-Zertifikaten.

Verbraucherportale im Internet wie toptarif.de oder kostenlose Service-Hotlines wie 0800-1030499 helfen bei der Suche nach geeigneten Ökostromanbietern. Interessierte Nutzer können sich dort kostenlos informieren und bei Bedarf zu einem günstigeren Ökostromprodukt wechseln.

dhz