Von einer Kreditklemme kann keine Rede sein, erklärte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Eine Studie ergab, dass das Volumen der Unternehmenskredite seit Anfang 2008 trotz Rezession und damit zurückhaltenderer Kreditnachfrage zwar schwach aber kontinuierlich ansteigt.
ZEW sieht keine Kreditklemme
Einer aktuellen Studie zufolge gibt es für eine Unterversorgung deutscher Unternehmen mit Bankkrediten bislang keinen Beleg. Von einer Kreditklemme könne keine Rede sein, erklärte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Eine empirische Analyse habe ergeben, dass das Volumen der Unternehmenskredite seit Anfang 2008 trotz Rezession und damit zurückhaltenderer Kreditnachfrage zwar schwach aber kontinuierlich ansteigt. Der Vorwurf an die Banken, dass sie zu wenig Kredite an die Privatwirtschaft vergäben und damit die Rezession verschärften, "wird durch die verfügbaren Fakten derzeit nicht gestützt", erklärte ZEW-Ökonom Michael Schröder.
Die deutsche Industrie warnt dagegen vor Hoffnungen auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung. Gleichzeitig fordert sie Schritte zur Sicherung der Liquidität der Unternehmen. "Die Finanzierungssituation hat sich eindeutig verschärft und könnte sich in den nächsten Monaten drastisch verschlechtern", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf. Es dürfe nicht passieren, dass an sich gesunde Unternehmen durch fehlende Kredite wegbrechen und damit "erste zaghafte Wachstumstriebe durch fehlende Liquidität abgewürgt werden".
Konkret forderte Schnappauf eine rasche Modifizierung der Basel-II-Regelung, die die Eigenkapitalbasis der Banken stärker beanspruche und damit krisenverschärfend wirke. Auch aus Sicht des BDI mehren sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Bodenbildung. "Bei aller Erleichterung über die jüngsten Zahlen müssen wir realistisch bleiben", sagte Schnappauf. Eine Bodenbildung sei noch längst kein wirtschaftlicher Aufschwung. Derzeit spreche wenig dafür, dass die Weltwirtschaft zügig wieder in Gang kommt. "Das führt unvermeidlich zu Kapazitätsanpassungen", sagte Schnappauf. Nicht nur die Beschäftigung, auch der Bedarf an Investitionen werde zurückgehen.
ddp