Proteste der Aktionäre Bund setzt Übernahme von HRE durch

Der Bund kann den maroden Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate komplett übernehmen. Auf der Hauptversammlung des Unternehmens wurde am späten Dienstagabend in München mit 74 Prozent der Stimmanteile eine Kapitalerhöhung durch den staatlichen Finanzmarktstabilisierungsfonds beschlossen.

Bund setzt Übernahme von HRE durch

Er hält damit nun 90 Prozent der Unternehmensanteile und kann die anderen Aktionäre per Zwangsabfindung aus der HRE hinausdrängen. Dagegen hatten diese fast zwölf Stunden lang in ungezählten Redebeiträgen protestiert.

Die Hauptversammlung hatte einen sehr turbulenten Verlauf genommen. Unter Buh-Rufen und Pfiffen aus den Reihen der Aktionäre warb die HRE-Führung für die Übernahme des Unternehmens durch den Bund. Vorstandschef Axel Wieandt sagte, zu diesem Schritt gebe es keine realistische Alternative.

Aufsichtsratschef Michael Endres sagte in seiner Eröffnungsrede, er könne sich gut vorstellen, dass viele Aktionäre mit "einem heftigen Groll" zur Hauptversammlung gekommen seien. Die Kapitalerhöhung sei aber für die HRE überlebensnotwendig. Und er könne sich "keinen besseren Partner als die Bundesrepublik Deutschland" vorstellen, sagte Endres, was aus dem Saal erneut mit Buh-Rufen quittiert wurde.

Vorstandschef Wieandt räumte ein, ihm sei klar, dass die Verdrängung aus dem Unternehmen bei den bisherigen Aktionären keine Begeisterung auslöse. Aber anders sei das Unternehmen nicht zu retten. "Der Bund hat die weitere Gewährung von Garantien davon abhängig gemacht, die vollständige Kontrolle über die Gesellschaft zu erlangen", betonte Wieandt. Ohne Unterstützung des Bundes hätte bereits Insolvenz beantragt werden müssen. Derzeit betragen die Liquiditätshilfen eines Bankenkonsortiums und des Bundes für die HRE 100,3 Milliarden Euro.

Harald Petersen, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, sagte in seiner Rede, es handle sich bei dieser Hauptversammlung um "eine der schwärzesten Stunden des deutschen Aktien- und Kapitalmarktrechts". Es gehe um die "Vorbereitung der Enteignung, denn nichts anderes machen wir heute hier", beklagte Petersen. Es sei für ihn "in keinster Form nachvollziehbar, warum wir ausgeschlossen werden sollen".

Auch Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte das angekündigte Herausdrängen der Altaktionäre und appellierte an den Bund: "Verzichten sie auf diesen Squeeze-out." Zugleich warf sie den früheren HRE-Vorständen vor, bewusst gezockt zu haben und "dieses Bankinstitut in den Ruin geführt" zu haben. "Zocken mit eigenem Geld mag ja erlaubt sein, nicht aber mit dem Geld der Aktionäre", sagte Bergdolt. Es handle sich nach ihrer Ansicht um "kriminelle Vorgänge" und ein eklatantes Versagen der staatlichen Bankenaufsicht.

Wieandt blickte bei der Versammlung kaum zurück. Er skizzierte lieber die Zukunft der HRE. "Die Gruppe ist auf umfassende Liquiditäts- und Kapitalhilfe angewiesen, um ihr Überleben zu sichern", sagte er. Über die auf der Hauptversammlung beschlossene Kapitalerhöhung hinaus benötige die HRE weitere Unterstützung, die realistischerweise nur vom Bund kommen könne. Über konkrete Höhe liefen derzeit Verhandlungen mit dem staatlichen Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin).

Wieandt kündigte eine strategische Neuausrichtung der HRE und eine Umbenennung an. Er rechne bis Ende 2011 mit einem Abschluss der Konsolidierung und Neuausrichtung. "Wir werden uns auf unsere Kerngeschäft der kundenfokussierten Immobilien- und Staatsfinanzierung konzentrieren", sagte Wieandt. Die HRE halte vor allem Pfandbriefe für ein krisenbewährtes Instrument dafür. "Die strategische Zukunft des Konzerns sehen wir in einer Spezialbank für die Immobilen- und Staatsfinanzierung", sagte er.

Aus Schwellenländern werde sich die Bank zurückziehen, sagte Wieandt. Die Infrastrukturfinanzierung werde ebenso beendet wie die Kapitalmarktaktivitäten, die nicht im Kundenauftrag erfolgten. Sie seien zu risikoreich. Die HRE werde zu den bereits fünf erfolgten Standortschließungen weitere 15 Niederlassungen zu machen. Noch dieses Jahr werde es auch einen weiteren Arbeitsplatzabbau geben. Die Kürzung von 300 Stellen sei bereits beschlossen. Weitere der verbliebenen 1.500 Mitarbeiter müssten aber bis Jahresende noch gehen. Wieviele, sagte Wieandt nicht.

Ulrich Meyer/ddp