Der Bund hat ein Übernahmeangebot für den angeschlagenen Münchener Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Holding AG (HRE) vorgelegt.
Bund bietet 1,39 Euro pro Hypo-Real-Estate-Aktie
Der staatliche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) bietet den HRE-Aktionären 1,39 Euro je Aktie, wie der SoFFin mitteilte. Es werde eine zügige und vollständige Kontrolle angestrebt. Ob der US-Großaktionär J.C. Flowers das Angebot annimmt, ist unklar. Er werde es prüfen, kündigte sein Sprecher an.
Im Angebotspreis ist laut SoFFin eine Prämie von rund zehn Prozent auf den gesetzlichen Mindestpreis von 1,26 Euro enthalten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat laut Gesetz zwei Wochen Zeit, den Übernahmeprospekt zu genehmigen. Das Transaktionsvolumen beträgt bis zu 290 Millionen Euro und fällt damit höher aus als zunächst von Experten erwartet.
Der Vollzug des Übernahmeangebots werde nicht vom Eintritt etwaiger Bedingungen abhängig sein, teilte der SoFFin weiter mit. Es gebe keine Mindestannahmeschwelle und die Laufzeit der Offerte stehe noch nicht fest, sagte eine SoFFin-Sprecherin. Es sei die Gelegenheit für die HRE-Aktionäre, zu einem attraktiven Preis aus ihrem Investment auszusteigen, machte der SoFFin Werbung für sein Angebot. Es werde der Erwerb der vollständigen Kontrolle über das Finanzinstitut angestrebt, da nur auf diesem Weg die beabsichtigten Rekapitalisierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen rechtssicher, zügig und wirtschaftlich zumutbar umzusetzen sind.
Unklar ist, ob J.C. Flowers, der zusammen mit anderen Investoren rund 23,7 Prozent an der HRE hält, das Angebot annimmt. Die Investorengruppe um Flowers hatte ihren HRE-Anteil für 22,50 Euro je Aktie erworben und sich bisher gegen eine Enteignung zum Marktwert ausgesprochen. Auch am Donnerstag betonte Flowers, Anteilseigner bleiben zu wollen. Er halte sich alle Optionen offen und schließe auch rechtliche Schritte nicht aus.
Aktionärsverbände wie Ökonomen begrüßten das Angebot. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hält es mangels Alternativen für "attraktiv" Analyst Sebastian Reuter von Hauck & Aufhäuser (H&A) nannte das Angebot eine "kleine positive Überraschung". Das Geschäftsmodell der Hypotheken- und Pfandbriefbank sei in diesem Umfeld nicht mehr tragfähig.
Im vergangenen Jahr hatte das MDAX-Unternehmen einen bisher untestierten Nachsteuerverlust von 5,46 Milliarden Euro erzielt. Dazu trug vor allem die 2007 für etwa fünf Milliarden Euro übernommene irische Tochter Depfa bei. Einem früheren Bericht des "Handelsblatts" zufolge wird die HRE nach einer Übernahme durch den Bund mittelfristig nur noch als stark verkleinerte Kernbank mit einer Bilanzsumme von 70 Milliarden bis 120 Milliarden Euro weiter existieren. Bereits Ende 2008 hatte die Bank mitgeteilt, dass die Zahl der Mitarbeiter weltweit von rund 1.800 in den kommenden drei Jahren auf etwa 1.000 sinken wird. Etwa 270 Jobs in Deutschland sind davon betroffen.
Derzeit wird die HRE mit Hilfen von 102 Milliarden Euro künstlich am Leben gehalten, davon sind rund 87 Milliarden Euro vom Bund. Im Zuge der Verstaatlichung hatte die Bundesregierung erst vor kurzem zunächst für insgesamt 60 Millionen Euro neue HRE-Aktien erworben und hält derzeit 8,65 Prozent des Kapitals der Bank.
Die Bank gilt wegen ihrer starken Verflechtungen mit anderen Finanzinstituten als systemrelevant. Ihr Zusammenbruch hätte unabsehbare Folgen für das Finanzsystem. Beim Scheitern einer Übernahme ist als letzte Möglichkeit auch die Enteignung der Aktionäre möglich.
Am Mittwoch hatte die Aktie des im MDAX notierten Unternehmens bei 1,20 Euro geschlossen. Am Donnerstag wurde sie bis zum Nachmittag durchgängig zu 1,39 Euro gehandelt.
Nadine Schimroszik/ddp