Europäische Zentralbank Leitzins auf neuem Tiefstand

Angesichts eines nicht abzusehenden Endes der weltweiten Wirtschaftskrise hat die Europäische Zentralbank (EZB) erneut ihre Leitzinsen gesenkt. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen, wurde um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent zurückgenommen.

Leitzins auf neuem Tiefstand

Am Markt wurde die Zinssenkung um 25 Basispunkte als "sehr positiv" gewertet. "Für die EZB ist das ein Zeichen von Handlungsstärke und dass sie nicht alles Pulver verschießt", sagte ein Händler. Zudem dürfte die folgende Euro-Stärke sehr gut für europäische Aktien sein. Nach der Verkündung des Zinsschrittes machte die Gemeinschaftswährung einen deutlichen Sprung. Der Euro wurde am Nachmittag fester zu 1,3460 Dollar gehandelt. Der deutsche Aktienmarkt legte ebenfalls kräftig zu. Der Leitindex DAX gewann bis 16 Uhr 4,8 Prozent auf 4.328 Punkte.

Nach Einschätzung der meisten Experten dürfte der Hauptrefinanzierungssatz vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise noch auf 1,00 Prozent gesenkt werden. Danach sollte die EZB allerdings auf weitere Zinssenkungen verzichten, hieß es. Um der Wirtschaft und dem Finanzsektor dennoch zusätzliche Impulse zu geben, könnte die Notenbank auf "unkonventionelle" geldpolitische Maßnahmen, die die Geldmenge ausweiten, zurückgreifen. Vor allem Käufe von Unternehmens- und Staatsanleihen gehören hierzu. Gegenwärtig verzichtet die EZB noch auf den Ankauf von Wertpapieren.

Dem Geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Manfred Weber, zufolge sollte dies erst geschehen, wenn kein zinspolitischer Spielraum mehr besteht. Weber begrüßte die Zinsentscheidung, durch die sich die EZB "bewusst die Möglichkeit mindestens eines weiteren Zinsschrittes" vorbehalte. Ähnlich äußerte sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband.

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) wie auch der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) kritisierten die Maßnahme als zu defensiv. "Ein wichtiger Beitrag zur Krisenbewältigung wäre neben einer deutlichen Zinssenkung auch eine intensivere Abstimmung unter den führenden Zentralbanken", sagte VÖB-Hauptgeschäftsführer Karl-Heinz Boos.

Eine weitere Zinssenkung stellte EZB-Präsident Trichet für Mai in Aussicht. Die derzeitigen 1,25 Prozent des Hauptfinanzierungssatzes seien nicht der Tiefpunkt. Mögliche zusätzliche "unorthodoxe" Maßnahmen, mit der die EZB die Wirtschaft und den Finanzsektor stimulieren könne, will Trichet erst im Mai näher erläutern. Die Notenbank hatte ihren Leitzins zuletzt im März um 50 Basispunkte auf 1,50 Prozent gesenkt.

Seit Oktober vergangenen Jahres hat die EZB ihre Leitzinsen im Kampf gegen die globale Finanz- und Konjunkturkrise nunmehr um 300 Basispunkte verringert. Begünstigt wurden die jüngsten Zinsschritte durch einen deutlichen Rückgang der Inflation. Geholfen hat dies bisher wenig. Weiterhin sind die Verwerfungen im Finanzsektor groß und ob die Talfahrt der Wirtschaft schon zum Ende gekommen ist, scheint fraglich. Bei fallenden Leitzinsen sinkt die Verzinsung von Sparguthaben. Dagegen werden Darlehen und Kredite für Verbraucher günstiger.

ddp